Schneetreiben legt Verkehr in Hessen lahm - weniger Probleme in Südniedersachsen

Hessen. Heftiger Schneefall hat am Mittwochabend in weiten Teilen Hessens für massive Verkehrsprobleme gesorgt. Vor allem auf Nebenstraßen ging nichts mehr. Die Polizei registrierte massenweise Unfälle, die aber meist glimpflich ausgingen.

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Der Frankfurter Flughafen wurde für vier Stunden komplett gesperrt. Zwischen 2000 und 3000 Passagiere mussten die Nacht in den Terminals verbringen. Hunderte Fluggäste sind in der Nacht zum Donnerstag zudem auf dem Flughafen Hannover gestrandet. Zehn Flugzeuge aus Frankfurt seien umgeleitet worden, teilte eine Sprecherin des Flughafens mit (siehe unten).

Besonders betroffen von den massiven Schneefällen waren der Rheingau-Taunuskreis und der Hochtaunuskreis. Landstraßen wurden wegen umgestürzter Bäume gesperrt. Lastwagen standen quer, Autos rutschten in den Graben.

Der Hochtaunuskreis alarmierte nach eigenen Angaben noch in der Nacht einen Krisenstab, der die Einsätze der Rettungsdienste koordinieren sollte.

Die Autobahn 7 bei Fulda wurde für mehrere Stunden gesperrt. Reisende harrten dort bei Minusgraden in ihren Fahrzeugen aus. „Schnee, Schnee und nochmal Schnee“, sagte ein Polizeisprecher. Innerhalb kurzer Zeit waren bis zu 20 Zentimeter Schnee gefallen, in Osthessen kam Glatteis hinzu.

Im Landkreis Northeim kam es trotz des erneuten heftigen Schneefalls in der Nacht am Morgen zu keinen größeren Behinderungen. "Die Autofahrer hatten sich auf die Situation eingestellt", berichtete ein Polizeisprecher. Am Morgen registrierten die Beamten drei kleine Unfälle durch Glätte im Landkreis.

Ein 61-jähriger Mann aus Malsfeld (Schwalm-Eder-Kreis) verletzte sich am Donnerstagmorgen bei einem Unfall auf der schneeglatten Falderbaumstraße im Industriepark Kassel-Waldau. Nach Angaben von Polizeisprecher Torsten Werner war gegen 6.50 Uhr ein 56-Jähriger aus Kassel mit seinem Lkw auf der Falderbaumstraße in Richtung Otto-Hahn-Straße unterwegs. Vor dem Lkw fuhr ein 44-jähriger Mann mit seinem Auto. In Höhe der Hausnummer 34 wollte der Melsunger mit seinem Auto nach links in eine Grundstückseinfahrt fahren und stoppte deshalb sein Fahrzeug, um zunächst den Gegenverkehr passieren zu lassen. Der Lkw-Fahrer bemerkte den Wagen zu spät. Er versuchte noch zu bremsen, kam aber auf Grund der schneebedeckten Fahrbahn trotz Winterreifen ins Rutschen und krachte in das Heck des Pkw. Dabei verletzte sich der 61-jährige Beifahrer im Auto des Melsungers. Er wurde von einem Rettungswagen mit Kopfschmerzen und Übelkeit in ein Kasseler Krankenhaus gebracht.

Hofgeismar: Trotz der Schneefälle am Mittwochabend und Donnerstagmorgen blieb das große Chaos auf den Straßen im Kreisteil Hofgeismar aus. Wie die Polizei sagte, kam es am Donnerstagmorgen zu leichten Unfällen mit Blechschäden. Auf der B 83 zwischen Hofgeismar und Grebenstein rutschten zwei Fahrzeuge ineinander. In Holzhausen kam ein Mann mit seinem Fahrzeug auf der Kasseler Straße ins Rutschen und stieß gegen ein Verkehrsschild. Der Streudienst der Straßenmeistereien in Oberweser und Espenau war seit Mittwoch rund um die Uhr im Einsatz. Der Polizeisprecher lobte die besonnene Fahrweise der Verkehrsteilnehmer. Nach wie vor müsse jedoch mit Glätte gerechnet werden.

Kreisteil Melsungen: Wegen der anhaltenden Schneefälle ist die Straßenmeisterei Melsungen mit ihren Streu- und Räumfahrzeugen rund um die Uhr im Einsatz. „Wir sind mit sieben Fahrzeugen dauernd unterwegs“, sagte Klaus-Bernd Eilhauer, Leiter der Straßenmeisterei, auf HNA-Anfrage. Von schweren Unfällen oder sonstigen besonderen Vorkommnisse in den vergangenen Stunden sei ihm aber nichts bekannt. Obwohl die Einsatzkräfte der Straßenmeisterei die ganze Zeit die Straßen freiräumen, kam es am Mittwochabend und in der Nacht zu Donnerstag auf den Steigungsstrecken im Kreisteil Melsungen zu einigen Verkehrsbehinderungen.

„Die haben wir aber so schnell wie möglich reguliert“, sagte Eilhauer. Zudem gebe es bis jetzt keine Schneeverwehungen, weswegen auch noch keine Straße gesperrt werden musste. Für heute und auch für Freitag rechnet Klaus-Bernd Eilhauer mit weiteren Schneefällen. „Wir tun unser Möglichstes“, erklärte er und bittet die Verkehrsteilnehmer um Verständnis, dass die Räumfahrzeuge nicht überall zur gleichen Zeit sein könnten.

In Vellmar wurden die Straßen, auf denen Buslinien verkehren, und Steigungen weitgehend schnell vom Schneematsch befreit, das gilt ebenso für die Hauptverkehrsstraßen im Ort. Insgesamt gab es dort wenig Probleme.

In Schwalmstadt war die Straßenmeisterei mit allen acht Fahrzeugen zwischen 23 Uhr und 2 Uhr im Eisatz. Es sei zum Teil zu heftigen Schneeverwehungen gekommen, sagte Helmut Greb von der Straßenmeisterei in Schwalmstadt. Von einer Ausnahmesituation will Greb noch nicht sprechen, aber er hoffe, dass seine Mitarbeiter zwischendurch wieder eine ruhigere Phase hätten. Zudem sei der Dauereinsatz sehr teuer. Die Polizeistation in Schwalmstadt meldet, dass trotz zum Teil schneebedeckter Straßen am Donnerstagvormittag alles ruhig gewesen sei.

Dichtes Schneetreiben beeinträchtigt auch im Frankenberger Land den Verkehr. Die Polizei ist nach eigenen Angaben im Dauereinsatz, Details zu Unfällen oder Verkehrsbehinderungen lagen am Donnerstagmorgen allerdings noch nicht vor.

Der Winter hält sich auch im Solling hartnäckig, es schneit fast permanent. Auf den Straßen sind die Räumdienste im Dauereinsatz. Aus Sicht der Polizei bleibt es unterdessen relativ ruhig: Am Donnerstagvormittag verzeichnete sie lediglich zwei Unfälle aufgrund von Straßenglätte. Es blieb bei Blechschäden.

Korbach: Totalschaden ist am Donnerstagmorgen an einem 3er BMW entstanden, der mit der Beifahrerseite gegen einen Baum gerutscht war. Der Fahrer, ein 34-jähriger Frankenberger, war mit dem Kombi gegen 8.45 Uhr wegen Schneeglätte von der Kreisstraße 25 gerutscht, als er - von Dorfitter kommend - auf die Korbacher Umgehung abbiegen wollte. Nach Angaben der Korbacher Polizei wurde der Frankenberger bei dem Glätteunfall leicht verletzt. Er wurde zur Untersuchung in das Stadtkrankenhaus gebracht.

Reihenweise blieben Lastzüge auf den Fernstraßen im Werra-Meißner-Kreis am Mittwochnachmittag und in der Nacht zum Donnerstag liegen. Grund: eingeschneite oder vereiste Straßen. Das teilte die Polizeidirektion Werra-Meißner mit. Insbesondere im Zuständigkeitsbereich der Polizeistation Sontra kam es in den Abendstunden zu Behinderungen. So rutschte um Mitternacht im Bereich der Autobahnzufahrt Herleshausen ein ungarischer Lkw in den Straßengraben, der Fahrer konnte sich aber selbst aus seiner misslichen Lage befreien.

Im Fernverkehr der Bahn kam es nach Angaben eines Sprechers zu Verspätungen, weil die Züge aus Sicherheitsgründen nicht schneller als 160 Stundenkilometer fahren durften. Der Regional- und Nahverkehr lief am Donnerstagmorgen unterdessen planmäßig an. „Es läuft bislang alles sehr stabil“, sagte der Sprecher.

Insgesamt mussten in der Nacht zum Donnerstag am Frankfurter Flughafen rund 250 Flüge gestrichen werden, 40 wurden umgeleitet. Flugzeuge konnten auf den schneebedeckten Landebahnen nicht bremsen, zudem war die Sicht beeinträchtigt.

Nach Angaben eines Sprechers wurden allein am Donnerstag 85 Flüge annulliert. Ein mit 11 000 Fans ausverkauftes Konzert der Sängerin Shakira in der Frankfurter Festhalle fiel aus, weil die Künstlerin in Paris festsaß und nicht nach Frankfurt fliegen konnte.

Hunderte Flugpassagiere in Hannover gestrandet

Hunderte Fluggäste sind in der Nacht zum Donnerstag auf dem Flughafen Hannover gestrandet. Zehn Flugzeuge aus Frankfurt seien umgeleitet worden, teilte eine Sprecherin des Flughafens mit. Acht davon hatten Passagiere an Bord. Der Frankfurter Flughafen war um 22.00 Uhr komplett gesperrt worden. Flugzeuge wurden von dort aus nach Hannover weitergeleitet.

Rund 900 Passagiere mussten in Hannover versorgt werden. Nicht alle Fluggäste konnten in Hotels untergebracht werden. Sie wurden zunächst mit Wasser und Kaffee versorgt. Gegen 2.00 Uhr bauten die Johanniter nach Angaben eines Sprechers der Bundespolizei im ruhigeren Ankunftsbereich des Terminals circa 400 Feldbetten auf.

Wie viele Menschen darauf übernachteten, war nicht bekannt. Bis zum Donnerstagmittag sollte sich die Lage wieder normalisieren, teilte ein Sprecher der Fluggesellschaft Lufthansa mit. Fluggästen werde jedoch geraten, ihren Flugstatus auf den Internetseiten ihres Fluganbieters vor der Abfahrt zum Flughafen zu überprüfen. (dpa/lni)

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Quelle: HNA

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