Beweis geglückt: Vor 40 000 Jahren gingen Urmenschen im Werratal auf die Jagd

Ein Schnitt verrät Neandertaler

Fossilien: Diese Knochen aus dem Gipsabbau bei Eschwege-Oberhone zeigte Thomas Keller schon vor fünf Jahren bei einem Vortrag. Archivfoto: Forbert

Oberhone. Von Mammut und Riesenhirschen, Auerochsen und Steppenelefanten, Rentieren und Mäusen als Bewohner des Werratals während der jüngsten Eiszeit wusste man schon lange. Dass der Neandertaler einst auch durch die nordosthessische Region streifte, war zu vermuten. Der Beweis gelang aber erst jetzt.

In Wiesbaden wurden jetzt beim Präparieren von Fossilien von Wollnashörnern an einem 50 mal 40 Zentimeter großen Beckenknochen Schnittspuren und eine Kerbe entdeckt, wie Landespaläontologe Dr. Thomas Keller gestern berichtete. Und die seien eindeutig von Menschen gemacht, konkret: mit einer messerscharfen Feuersteinklinge. Mit dieser trennte ein Neandertaler das Fleisch aus einem Wollnashorn.

Die Frage, ob es ein Neandertaler oder ein Homo sapiens, also ein moderner Mensch, war, kann Keller eindeutig beantworten: Es waren Neandertaler. Denn der Homo sapiens drang erst später gen Norden vor. Leichte Zweifel am Jagderfolg der Neandertaler-Jagdgesellschaft sind nur deshalb angebracht, weil Wollnashörner sehr angriffslustig waren. Wehe, die Waffen trafen nicht sofort tödlich.

Von einer Sensation aufgrund des Nachweises des Neandertalers im Werraland will Keller nicht sprechen, auch nicht von einer kleinen. Er ordnet die Entdeckung ein als eine für Eschwege „sehr schöne Überraschung“. Das neue Wissen sei erfreulich, wenn man die Aussagen über Leben und Besiedlung in der bis vor 10 000 Jahren währenden Eiszeit ergänzen kann.

Gipsbrüche helfen oft dabei, weil darin im Laufe der Zeit verfüllte Auslaugungen immer wieder als konservierte Zeugnisse vergangenen Lebens zu finden sind. So wurde neulich auch ein Höhlenbär im Gipssteinbruch bei Sontra-Berneburg nachgewiesen. Auf die sibirische Zwiebelmaus, die noch heute in kühlen Steppenregionen verbreitet ist, verwiesen ebenfalls Knochen, die beim Erweitern des Gipsabbaus bei Oberhone vor zehn Jahren gefunden wurden.

Ein Baggerführer hatte Anfang des Jahres 2000 Knochenfunde gemeldet. Die im Werra-Meißner-Kreis ehrenamtlich tätige Arbeitsgemeinschaft Archäologie hatte dann gleich mit dem Bergen der ersten eiszeitlichen Tierreste begonnen.

Von Stefan Forbert

Quelle: HNA

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