Staatsanwalt ermittelt gegen Polizisten, die auf 28-jährigen Kasseler feuerten

Schüsse aus der Spielzeugwaffe

Kassel. Der 28-jährige Mann, der am Donnerstag in Niederzwehren von zwei Polizeibeamten angeschossen wurde, war nicht mit einer echten Schusswaffe, sondern mit einer sogenannten Softair-Pistole bewaffnet. Dabei handelt es sich um eine spezielle Druckluftwaffe, die dem echten Modell oft täuschend ähnlich ist, jedoch kleine Plastik- oder Metallkugeln verschießt.

Der Mann, der bei seiner Mutter wohnt und der Polizei schon mehrfach wegen Gewaltdelikten aufgefallen ist, schwebte gestern nicht mehr in Lebensgefahr. Die behandelnden Ärzte nannten seinen Zustand kritisch, aber stabil. Warum er das Feuer eröffnete und was genau sich am Tatort abspielte, ist nach wie vor unklar. Sabine Knöll, Pressesprecherin des Polizeipräsidiums Nordhessen, sagte, dass die Kollegen noch nicht befragt wurden. „Wir wollen ihnen erst mal etwas Ruhe lassen“, sagte Knöll.

Das Polizeipräsidium Nordhessen hat die Untersuchungen unterdessen an das Hessische Landeskriminalamt weitergegeben, sagte Pressesprecherin Knöll. Mitarbeiter haben bereits am Freitagmittag den Tatort inspiziert, Spuren gesichert und mögliche Zeugen befragt.

Um was für eine Waffe es sich handelte, mit der der Mann geschossen haben soll, kann sie noch nicht genauer sagen. „Es gibt verschiedene Softair-Modelle.“ In Kassel sei man schon häufiger auf solche Pistolen gestoßen und habe auch davor gewarnt. „Die Waffen sehen genauso aus wie das Original. Sie haben darum ein großes Gefahrenpotenzial. Die Beamten können nicht erst abwarten, bis sie die Waffe identifiziert haben“, sagte Knöll.

Durch die Staatsanwaltschaft Kassel wurde ein Verfahren eingeleitet, wie es bei jedem Schusswechsel gesetzlich vorgeschrieben ist. Auch gegen die Beamten wird ermittelt, allerdings gehe man momentan davon aus, dass die Polizisten korrekt gehandelt haben, sagte Oberstaatsanwalt Hans-Manfred Jung. Wenn jemand eine Waffe ziehe, die nicht sofort als Attrappe zu erkennen sei, dann spiele auch die tatsächliche Durchschlagskraft keine Rolle, erklärte er.

Softair-Waffen lassen sich auch in Kasseler Geschäften kaufen. Da die Geräte bis zu einer Geschossenergie von 7,5 Joule waffenscheinfrei sind, braucht es nur einen Altersnachweis. Ab 18 Jahren ist der Kauf möglich, die Preise beginnen bei 29 Euro.

Von Jörgen Camrath

Quelle: HNA

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