Prozess gegen Schulverweigerer: Am Montag könnte Urteil fallen

Kassel. Für Rosemarie (45) und Jürgen Dudek (50) aus Archfeld (Werra-Meißner-Kreis) sind die Anklagebänke in Nordhessens Gerichtssälen fast schon so was wie ein ungeliebtes zweites Zuhause.

Das siebente Mal sitzen sie inzwischen dort, wo sonst Verbrecher Platz nehmen müssen. Als solche werden die Dudeks vom Staat hartnäckig verfolgt. Das einzige aber, was sie getan haben, ist, ihre Kinder nicht zur Schule zu schicken. Das tun sie aus Glaubensgründen und aus Überzeugung. Und das tun sie mit Erfolg.

Der häusliche Unterricht hat inzwischen dazu geführt, dass die beiden ältesten von sieben Kindern ihren Realschulabschluss auf einer staalichen Schule mit Bravour abgelegt haben. Beide haben die Note eins. Und Jonathan, der Älteste, hat auch schon eine mustergültige Lehre hingelegt Er ist Tischlergeselle. Sein Abitur macht er jetzt auf einer Fernschule.

So schlecht kann es also nicht sein, was die Dudeks da bis zur Klasse 10 in ihrer Privatschule anstellen. Und doch beharrt der Staat darauf, dass nur er das Monopol auf Schulausbildung hat. Wer dagegen verstößt, ist zu behandeln wie ein Verbrecher. Die Staatsanwaltschaft hatte für die Dudeks Gefängnis ohne Bewährung gefordert. Zur Zeit sitzt das Ehepaar auf der Anklagebank des Kasseler Landergrichts.

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Die Kinder sitzen im Zuschauerraum und hören staunend zu, wie ihre Eltern sich als Angeklagte dafür verantworten müssen, sie ausgebildet zu haben. Dabei legen die Dudeks Wert darauf, den Kindern nicht nur Wissen, sondern auch christliche Werte zu vermitteln. Dazu sei eine staatliche Schule nicht in der Lage. „Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen“, sagt Jürgen Dudek. Die juristische Lage des frommen Ehepaares ist nicht mit einem Satz zu beschreiben - sie ist ziemlich verworren.

Konkret geht es jetzt in Kassel um ein Berufungsverfahren. Es gibt mitterweile ein Urteil des Oberlandesgerichts Frankfurt, nach dem die Dudeks der „dauernden Entziehung anderer von der Schulpflicht in drei Fällen“ schuldig sind. Die daraus resultierende Geldstrafe ist lächerlich: 60 Tagessätze zu einem Euro, also 60 Euro. Mit dem Urteil änderte das Oberlandesgericht das vorherige Strafmaß des Kasseler Landgerichts ab und wies eine neue Verhandlung in Kassel an. Da es in der Berufung aber nicht schlechter für die Angeklagten ausgehen darf, kann der Kasseler Richter Volker Mütze maximal eine Geldstrafe von 60 Euro verhängen.

Das Urteil könnte am Montag fallen. Die Verteidigung meint, dass hier mit Kanonen auf Spatzen geschossen wird. Man appellierte an die Staatsanwaltschaft, das Verfsahren einzustellen. Doch die bleibt hart: Man wolle den Dudeks einen Schuldspruch nicht ersparen, heißt es. Die Verteidigung konterte mit der Forderung nach einer Abberufung des Saatsanwalts Müller wegen eines persönlichen Rachefeldzugs.

Und man vermutet, dass gar das hessische Justizministerium die Anweisung gegeben habe, im Fall Dudek hart zu bleiben. Befürchtet würden Nachahmer, die ihre Kinder nicht zur Schule schicken. Die gläubigen Dudeks werden nicht von ihrer Linie abrücken. Und da das jüngste Kind Jemima bei ihnen jetzt in die erste Klasse geht, wird das juristische Possenspiel vermutlich noch neun Jahre dauern: Solange werden die Dudeks immer mal wieder auf der Anklagebank Platz nehmen, Geldstrafen zahlen und ihre Kinder bis zum Ende der Schulpflicht weiter unterrichten - zuhause in Archfeld.

Von Frank Thonicke

Quelle: HNA

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