Die Zahl der Abtreibungen in Hessen ist in zehn Jahren um 20 Prozent gesunken

Hessen: Sexualkunde hat Erfolg - weniger Abtreibungen

Wiesbaden. In Hessen werden weniger Schwangerschaften abgebrochen als noch vor zehn Jahren. Nach Angaben der Techniker Krankenkasse haben im vergangenen Jahr 8676 Schwangere in Hessen abgetrieben. Im Jahr 2000 lag die Zahl noch bei 10 796 – ein Rückgang um ein Fünftel. Die Zahlen stammen vom Statistischen Bundesamt.

Hauptverantwortlich für die Entwicklung ist der demografische Wandel: Der Anteil der Frauen im gebärfähigen Alter zwischen 15 und 40 Jahren an der Bevölkerung ist von 37,4 auf 29,3 Prozent zurückgegangen. Auch die Zahl der Geburten sank im Laufe eines Jahrzehnts um über 12 Prozent auf 51 742.

Daneben machen Institutionen, die in der Schwangerschaftsberatung tätig sind, den Erfolg der sexualpädagogischen Aufklärung für den Trend verantwortlich. „Es gelingt uns heute viel besser, ungewollte Schwangerschaften zu verhindern“, sagt Brigitte Ott, Landesgeschäftsführerin von Pro Familia. Durch die Sexualkunde in den Schulen und das Angebot der Beratungsstellen gingen Jugendliche heute viel aufgeklärter mit ihrer Sexualität und verantwortlicher mit der Verhütung um.

„Der Erfolg gibt der Sexualpädagogik Recht“, sagt Psychologin Christa Mengel von der Marburger Schwangerschaftsberatungsstelle des Diakonischen Werks: „Das ist der beste Schutz des Lebens.“ Sie habe festgestellt, dass gerade Jugendliche sehr gewissenhaft verhüten – ganz entgegen dem Klischee. Die Zahl der Schwangerschaften von Teenagern sei in Deutschland besonders niedrig. In Hessen haben zuletzt 36 Mädchen unter 15 Jahren eine Schwangerschaft abgebrochen.

Individuelle Probleme

Die meisten Schwangeren, die zu einer Konfliktberatung kommen, seien zwischen Mitte 20 und Ende 30. Individuelle Probleme in der Beziehung und am Arbeitsplatz spielten eine Rolle, wenn Frauen eine Abtreibung in Erwägung ziehen, sagt Mengel.

Wie sie macht auch Brigitte Ott eine neue Beobachtung: Ein Teil der jungen Frauen, die heute eine Schwangerschaft planen, mache das aus Perspektivlosigkeit. Weil sie keine Aussicht auf Arbeit hätten, würden sie gezielt die Rolle der Mutter anstreben. Das geht aber auch häufig mit der Gefahr der Armut einher.

Quelle: HNA

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