Folgen des Klimawandels: Sorgen um alte Buchen

Beeindruckende Riesen: Über ein Viertel der Bäume in Nordhessen sind Buchen. Unser Bild entstand im Urwald des Nationalparks Kellerwald am Edersee. Foto: nh

Kassel. Sie sind zum Teil jahrhundertealt, mehrere Meter hoch und wirken robust und solide: die Buchen in unseren heimischen Wäldern. Schwer vorstellbar und doch wahr, dass die majestätischen Bäume von Insekten und Pilzen so geschädigt werden, dass sie innerhalb von zwei Jahren komplett absterben können.

 Das Problem, das Förster vor allem im benachbarten Niedersachsen, in den Wäldern des Sollings, Sorgen bereitet, heißt Buchenkomplexerkrankung.

• Die Baumkrankheit:

Die Krankheit wird zunächst von Schildläusen ausgelöst, die an der Rinde saugen. Über diese Saugstellen wiederum infizieren sich die Buchen mit Pilzsporen. Durch diese Verletzungsstellen dringen Borkenkäfer ein, an den Bohrlöchern bilden sich austerförmige Pilze. Das kann dazu führen, dass Stämme in sechs bis acht Meter Höhe abbrechen, obwohl die Krone noch grüne Blätter hat. Nach Erkenntnissen der Forstlichen Versuchsanstalt in Göttingen trat das Phänomen bisher in zeitlichen Wellen auf, bereits im Sommer 2000 erkrankten Bäume in der Eifel und im Sauerland, in unserer Region aber damals nicht. Die Forscher vermuten, dass der Klimawandel mit warmen Wintern und häufigem Starkregen im Sommer sowie die allgemeine Erwärmung die Schädigung der Bäume begünstigen könnten.

• Die Lage in Hessen:

Auch in den hessischen Buchenwäldern gibt es kranke Bäume, allerdings nur örtlich begrenzt. Das Problem tritt nur in Höhen von 400 bis 450 Metern Höhe auf, erläuterte Detlef Stys, stellvertretender Betriebsleiter bei Hessen-Forst in Kassel, im Gespräch mit unserer Zeitung. In flacher gelegenen Wäldern seien die Bäume nicht befallen. Registriert wurden kranke und absterbende Buchen bislang vor allem im Waldeckischen Upland im Raum Willingen in einer Höhe ab 700 Metern sowie im Raum Herborn. Die riesigen, alten Buchenbestände im nordhessischen Reinhardswald und im Nationalpark Kellerwald am Edersee seien zurzeit nicht gefährdet. Allerdings gehöre die Schildlaus, so Stys, zur „natürlichen Lebensgemeinschaft“ in den Buchenwäldern. Von einer gefährlichen Massenvermehrung der Schädlinge könne aber keine Rede sein.

• Das unternimmt der Forst:

Die Mitarbeiter von Hessen-Forst beobachten die Lage der Buchen sehr genau. Das erfolge im Rahmen der üblichen Waldpflege, erläuterte Stys. Aufbrechende Rinde oder weiße Beläge seien Zeichen für einen befallenen Baum. Dann werde versucht, die Buchen zu stärken, etwa durch mehr Lichtzufuhr oder durch mehr Raum für die Kronen. Im Extremfall werden die Bäume gefällt und geerntet. Ein spezielles Mittel gegen die Buchenkomplexerkankung gibt es aber nicht, ergänzte Thomas Reulecke, Leiter des niedersächsischen Forstamtes in Dassel.

• Das erwartet Wanderer:

Auch wer in Höhen über 450 Meter wandert, ist, anders als etwa bei Stürmen und Unwettern, nicht speziell gefährdet. Die Buchenkrankheit wird von Hessen-Forst als „natürliches Element im Wald“ eingestuft. Vorsicht sei bei Wanderungen und Spaziergängen allerdings immer angesagt.

Hintergrund:Hessen ist eines der waldreichsten Bundesländer. 8472 Quadratkilometer der Landesfläche besteht aus Wald, das sind über 40 Prozent. Bundesweit liegt der Anteil der Waldflächen bei 30 Prozent.

In Nordhessen (Bereich des Regierungspräsidiums Kassel) gibt es rund 70.000 Hektar Buchenwälder, das entspricht nach Angaben von Hessen-Forst 25,6 Prozent des dortigen Waldes. Im gesamten Land Hessen sind 23 Prozent Buchen. Als Buchenbestand wird eine abgegrenzte Waldfläche geführt, wenn mindestens 70 Prozent der Bäume dort Buchen sind. (kle)

Quelle: HNA

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