Die Stadt Marburg bietet Prostituierten Hilfe an – Zwei Frauen wurde der Ausstieg aus dem Milieu ermöglicht

Sozialarbeiter im Rotlicht-Viertel

Regelmäßig im Milieu unterwegs: Encarni Ramirez Vega (links) und Doris Eckardt. Foto: Coordes

Marburg. Zwei Frauen konnten die Marburger Straßensozialarbeiterinnen Doris Eckhardt und Encarni Ramirez Vega schon aus der Prostitution heraushelfen. Zahlreichen weiteren Damen standen sie bisher bei Fragen zur Gesundheit zur Seite.

Eckhardt und Ramirez Vega sind Mitarbeiterinnen des Frankfurter Beratungszentrums „Frauenrecht ist Menschenrecht“ (FIM). Dass sie auch für Prostituierte in Marburg zuständig sind, ist eine Besonderheit. Denn nur wenige Mittelstädte mit weniger als 100.000 Einwohnern leisten sich Unterstützung für Prostituierte.

Monatelange Proteste der Bürger gegen die Einrichtung eines 2006 eröffneten Großbordells in Marburg haben die Verantwortlichen dazu bewogen. Rechtlich konnte die Stadt das Bordell zwar nicht stoppen. Mit der Beratungsstelle wollte sie zumindest Zwangsprostitution verhindern. Die Aufgaben der Sozialarbeiterinnen reichen von Besuchen in den drei Marburger Bordellen, in denen rund 50 Sexarbeiterinnen arbeiten, bis hin zur Unterstützung bei gesundheitlichen Problemen. Dann begleiten Eckhardt und Ramirez Vega die Frauen in die Klinik oder zu den Medizinstudenten einer Vermittlungsstelle. Von den Prostituierten haben nämlich nur wenige eine Krankenversicherung.

An die beiden Fälle, bei denen sie Frauen aus einer Zwangslage befreien konnten, können sie sich noch gut erinnern: Eine 31-jährige Rumänin arbeitet heute als Regalauffüllerin in einem Supermarkt. Sie wollte nach mehr als zehn Jahren im Bordell nach einer Operation aufhören. Eckhardt und Ramirez Vega unterstützten sie bei der Arbeitssuche.

Der zweite Fall ist besonders bitter: Eine 17-jährige Bulgarin hatte sich nach einigen Monaten auf einem Straßenstrich außerhalb Marburgs mit dem HIV-Virus angesteckt. Die Polizei hatte sie aufgegriffen. Die in einem Kinderheim aufgewachsene junge Frau war in die Prostitution geraten, weil sie sich in einen Landsmann verliebt hatte, der ihr ein neues Leben in Deutschland versprach. Stattdessen landete sie auf dem Straßenstrich.

Keine Minderjährigen

„Geschickte Zuhälter verführen die Mädchen so, dass kaum Zwang nötig ist“, weiß Doris Eckhardt. Die regelmäßigen Besuche der Sozialarbeiterinnen in den Bordellen scheinen noch einen positiven Nebeneffekt zu haben: „Dadurch, dass wir kommen, erlaubt sich niemand, Minderjährige ins Bordell zu bringen.“

Von Geesa Cordes

Quelle: HNA

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