Fulda begräbt Pläne, das Kneipenviertel per Video zu überwachen - Beschwerden über Randale und Gewalt

Statt Kameras mehr Polizei im Kneipenviertel

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Kneipenviertel: Nicht überall in Fulda geht es so friedlich zu vor diesem Gasthaus. Anwohner klagen über Randale und Lärm. Dennoch hat die Stadt die Idee verworfen, das ganze Gebiet per Videokamera zu überwachen.

Fulda. Wer als Außenstehender an die alte Dom- und Barockstadt Fulda denkt, dem fallen nicht unbedingt als Erstes die Kneipen ein.

Und doch ist Fulda nicht nur die Stadt mit der zweitdichtesten Kneipenszene umgerechnet auf den Quadratkilometer in ganz Deutschland - nur übertroffen von Berlin -, sondern dort gibt es auch massive Probleme mit Vandalismus, Randalen und nächtlichen Ruhestörungen. Bei der Stadt wurden deshalb ungewöhnliche Wege im Kampf gegen Ruhestörer erwogen und nun wieder verworfen. Angedacht war, das sogenannte „Bermuda-Dreieck“, in dem die Lokale liegen, mit Videokameras zu überwachen. Diese Pläne sind nach Angaben von Bürgermeister Dr. Wolfgang Dippel (CDU) wieder vom Tisch - auch aus rechtlichen Gründen. Außerdem, so Dippel in einem Gespräch mit unserer Zeitung: „Wir wollen keinen Überwachungsstaat.“

Bilanz im Oktober

Wolfgang Dippel

Nun setzt die Stadt, so Dippel, der auch Ordnungsdezernent ist, vor allem auf mehr Präsenz von freiwilligen Polizeihelfern und Polizisten vor allem in der Zeit zwischen 1 und 5 Uhr nachts. In Kooperation mit Polizei, Ordnungsamt und den Wirten soll getestet werden, ob so wieder mehr Ruhe in dem Gebiet herrsche. Im Oktober soll eine Bilanz gezogen werden. Präsenz auf der Straße sei, so Dippel, besser als Kameras an allen Ecken. Die Videoüberwachung funktioniere zwar beispielsweise auf dem Hauptbahnhof, in einem Stadtviertel wie dem „Bermuda-Dreieck“ aber eher nicht.

„Nicht mehr sicher“

Beim Ordnungsamt sind in den vergangenen Monaten zahlreiche Beschwerden von Anwohnern und Geschäftsleuten eingegangen. Sie hatten sich über Scherben und Schmutz auf dem Asphalt, herausgerissene Blumen, Belästigungen, Schlägereien und lautstarke Pöbeleien zu später Stunde beschwert. Die Vorgänge füllen mehrere Aktenordner. Viele Bürger fühlten sich einfach nicht mehr sicher. Daher war es die Linie der Stadt, den Randalierern Grenzen aufzuzeigen, auch im Interesse der friedlichen Kneipengäste, die in der überwiegenden Mehrzahl sind.

Auch die Sperrzeit soll, so erklärte Dippel weiter, nicht verkürzt werden. Die vielen normalen Gäste der Lokale sollen nicht bevormundet werden. Sie sollen sich im Kneipenviertel wohlfühlen und wiederkommen. Die Beschwerden der Anwohner bezögen sich nicht auf Unterhaltungen vor Gaststätten in normaler Lautstärke, sondern auf Pöbeleien und Geschrei. Die Zahl der Störer wird mit fünf bis zehn Prozent der Gäste beziffert. Der Vandalismus soll künftig stärker dokumentiert werden, erwogen werde auch die Einrichtung eines Lärmschutztelefons, über das Wirte schnell Ordnungshüter anfordern könnten.

Trotz der zunehmenden nächtlichen Störungen warnt die Polizei vor Hysterie. Ihre Botschaft lautet: Fulda ist sicher. Im Jahr 2009 wurden in der Stadt 7787 Straftaten registriert, das sind 1,4 Prozent weniger als im Jahr zuvor. Die Aufklärungsquote liegt bei 70,9 Prozent. Im „Bermuda-Dreieck“ wurden im gesamten Jahr 2009 lediglich 24 Straftaten registriert.

Britische Studie

Die Debatte um die Videoüberwachung hat sogar die hessische Piratenpartei auf den Plan gerufen, die sonst zu aktuellen politischen Themen eher schweigsam ist. Sie verwies auf eine britische Studie, nach der Videoüberwachung nicht für mehr Sicherheit sorge. Wegen einiger Randalierer dürften die vielen friedlichen Besucher nicht wie potenzielle Straftäter behandelt werden. Das Ansehen der Stadt dürfe mit solchen Aktionen nicht gefährdet werden.

Von Peter Klebe

Quelle: HNA

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