Streunender Wolf humpelt durch Mittelhessen

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Treibt sich ein Wolf in Mittelhessen herum? Unser Archivbild zeigt zwei Wölfe in einem Naturpark.

Haben Sie einen humpelnden Wolf gesichtet? Dann dürfte das die Polizei interessieren. Oder ist der Wolf nur ein freilaufender Hund? Eine Expertin untersucht derzeit die Spuren eines Tieres, das wiederholt in Hessen gesehen wurde.

Dieser Artikel wurde um 15.47 Uhr aktualisiert.

Gießen. Im Landkreis Gießen wird derzeit nicht nur nach Verbrechern, sondern auch nach einem verletzten Wolf gefahndet. Ein Fußgänger will das Tier am Montagnachmittag bei Langgöns gesehen haben. Auch eine Polizeistreife und ein Jagdpächters berichteten, sie hätten einen Wolf gesehen. Eine Biologin vom Landesbetrieb Hessenforst suchte die Gegend am Dienstag ab, fand aber zunächst keinen Hinweis auf einen Wolf. Es sei durchaus möglich, dass es sich um einen Jungwolf handele, der über hunderte von Kilometern aus Sachsen zugewandert ist, vermuten Naturschützer.

Mehr als 100 Wolfswelpen wurden dort in den vergangenen Jahren geboren. Im Reinhardswald bei Kassel lebt bereits seit mehreren Jahren ein einzelner Wolfsrüde, der aus Ostdeutschland zugewandert ist. Gefährlich sei der Vierbeiner zunächst nicht, sagte ein Polizeisprecher. Auch nicht für die Jogger in dieser Gegend. Es müsse jedoch geprüft werden, ob es sich wirklich um einen Wolf oder einen freilaufenden Hund handele.

Ein Hund könne eingefangen oder auch getötet werden. „Der Wolf ist geschützt, den kann man nicht einfach schießen“, sagte Thorsten Neels vom hessischen Umweltministerium. Was mit dem Wolf passieren soll, falls er gefunden werde, entscheide die untere Naturschutzbehörde der Landkreise. Ein verletztes Tier könne möglicherweise in freier Wildbahn nicht mehr auf Beutefang gehen, sagte der Polizeisprecher.

Dann könnte der Wolf auch für Menschen gefährlich werden. Die Polizei könne schnell mit Fachleuten am Ort sein, die das Tier mit einem Betäubungsgewehr ruhig stellten. Die Naturschutzorganisation NABU hält eine Jagd mit dem Betäubungsgewehr für eine unnötige Beunruhigung des Tieres. „Es gibt eine gute Überlebenschance für einen humpelnden Wolf“, sagte der Biologe Gerhard Eppler vom NABU-Landesvorstand.

Der Wolf könne sich ausreichend ernähren, weil es an den Straßen überall tot gefahrene Tiere gebe. Die Umweltstiftung World Wide Fund for Nature (WWF) rief zu Gelassenheit auf. „Wenn Anwohner oder Spaziergänger einen noch dazu verletzten Wolf verfolgen, ihn gar in die Enge treiben, kann das schnell zu einer kritischen Situation führen“, sagte WWF-Experte Janosch Arnold laut Mitteilung. „Im Gegensatz zu streunenden Haushunden haben Wölfe eine natürliche Scheu vor dem Menschen.“ Hessen brauche dringend einen Wolfs-Managementplan nach dem Vorbild von Sachsen oder Mecklenburg-Vorpommern, forderte Arnold. Unklare oder gar kritische Situationen könnten dann vermieden werden.

In den Plänen der beiden östlichen Bundesländer, in denen Wölfe inzwischen wieder heimisch sind, sei klar geregelt, wie mit einem verletzten Wolf umgegangen werden soll. Obwohl Wölfe seit Ende der 1990er Jahre wieder in Deutschland heimisch seien, habe es bisher keinen einzigen Übergriff auf den Menschen gegeben. (lhe)

Europäischer Wolf: Anpassungsfähig und mobil

Der europäische Wolf (Canis lupus) wird 70 bis 90 Zentimeter groß und bis zu 1,40 Meter lang. Optisch ähnelt er einem großen Haushund. Wölfe sind anpassungsfähig und sehr mobil. Jungtiere verlassen ihr Rudel nach zwei bis drei Jahren und suchen sich einen Partner. Dabei legen sie bis zu 1000 Kilometer zurück. Vor über 100 Jahren wurden Wölfe in Deutschland ausgerottet, das letzte Tier wurde 1904 in Sachsen geschossen. Heute ist er streng geschützt.

Ein Rudel aus mehreren Tieren braucht ein Revier von rund 300 Quadratkilometern, um genug Nahrung zu finden. Beute sind vor allem Rehe, schwache Hirsche und Wildschweine, aber auch kleinere Tiere. Daneben machen Wölfe Jagd auf leicht erreichbare Nutztiere wie Schafe oder Ziegen, die nicht ausreichend geschützt sind. Für Menschen sind die äußerst scheuen Tiere ungefährlich - sie gehen ihnen aus dem Weg, wo sie können. (lhe)

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Quelle: HNA

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