Fragen und Antworten zu den Hygiene-Mängeln in Fuldas größtem Krankenhaus

OP-Besteck: Hygiene bald gesetzlich geregelt? Foto: dpa

Fulda. Die Bundesregierung plant bis zum Sommer ein neues Infektionsschutzgesetz, das es Ländern wie Hessen erleichtern soll, Hygieneverordnungen für Kliniken zu erlassen. Sozialminister Stefan Grüttner (CDU) hat eine solche Verordnung noch für dieses Jahr angekündigt.

Doch selbst wenn sie schon jetzt gelten würde, hätte sie nach Meinung von Experten die neuen Hygiene-Mängel am Fuldaer Klinikum nicht verhindern können. Dort hat offenbar ein Test der zentralen Sterilisationsabteilung dazu geführt, dass Blutreste und Flugrost die Anlage lahmlegte.

?Wie kam der Flugrost in die Fuldaer Klinik?

!Für einen Test wurden absichtlich verschmutzte Instrumente verwendet. So sollte die Funktionsfähigkeit der Sterilisationsabteilung getestet werden. Dabei ist der Flugrost in die Anlage geraten.

?Was versteht man eigentlich unter Flugrost?

!Die Bezeichnung geht auf feine Eisenstäube zurück, die an der Luft rosten und sich auf Gegenständen ablagern. Zur Beseitigung leichten Rostes genügt normalerweise einfaches Abwischen. Das aber entspricht den Hygiene-Anforderungen in Kliniken nicht.

?Wie oft werden Instrumente vor Operationen getestet?

!Bis zum ersten Schnitt sollen es vier Prüfungen von verschiedenen Personen sein: In der Sterilisation, beim Transport, bei der Übergabe in den Operationssaal und vom operierenden Arzt.

?Wie viele Instrumente sind vorläufig unbrauchbar?

!Etwa 180 000 Einzelteile sind betroffen und werden ab heute in einem Tuttlinger Spezialbetrieb praktisch fabrikneu aufgearbeitet.

?Auch die Reinigungsgeräte funktionieren nicht wie gewollt. Was passiert mit ihnen?

!Nicht nur Tausende Instrumente sind verseucht, sondern auch Reinigungsmaschinen. Die Klinik will nun mit rund vier Millionen Euro den kompletten Sterilisationsbereich neu aufbauen. In die Klinik werden derzeit insgesamt rund 60 Millionen Euro investiert.

?Und wie lange dauert das? Was passiert bis dahin?

!Nach Klinikangaben wird die neue Anlage in drei bis vier Monaten betriebsbereit sein. Bis dahin wird es wohl Einschränkungen im Operationsbetrieb geben, die aber mithilfe anderer Kliniken minimiert werden sollen.

?Sind Patienten mit unreinen Geräten operiert worden?

!Offizielle Antwort: „Nach derzeitigem Kenntnisstand ist mit einer Schädigung von Patienten durch die im Klinikum Fulda aufbereiteten Instrumente nicht zu rechnen.“

?Die Justiz ermittelt wegen Verdacht auf Verstoß gegen das Medizinproduktegesetz. Was bedeutet das genau?

!Die Kontrolle von Instrumenten wird unter anderem operierenden Medizinern laut Klinikleitung von diesem Gesetz vorgeschrieben. Sollte sich der Verdacht auf einen Verstoß bestätigen, drohen den Personen, die gegen das Gesetz gehandelt haben, Geldstrafen. Auch Haft bis zu einem Jahr wäre möglich.

Quelle: HNA

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