Thorsten Schäfer-Gümbel: Zocken bis ins Abseits?

Schwierige Mission: Mit seinem Fahrplan hat Schäfer-Gümbel die Koalitionsentscheidung letztlich dem CDU-Vorsitzenden Volker Bouffier überlassen. Foto:dpa

Wiesbaden. „Triumph eines lange Verkannten“, „Der Aufsteiger“, „Der neue Liebling“ – so lauteten Schlagzeilen der vergangenen Woche, nachdem Hessens SPD-Chef Thorsten Schäfer-Gümbel in Leipzig das beste Ergebnis der Stellvertreter von Sigmar Gabriel erhalten hatte.

Doch mit Lobeshymnen könnte es bald vorbei sein. Derzeit hat es allen Anschein, dass der 44-Jährige sich grandios verzockt.

Während CDU und Grüne am Freitag beziehungsweise am Samstag in ihren Gremien die Koalitionsfrage entscheiden wollen, lässt Schäfer-Gümbel seinen Sozialdemokraten Zeit. 26 Regionalkonferenzen sollen die Unterbezirksvorsitzenden nun in wenigen Tagen organisieren, damit die Partei diskutieren kann über die in acht Wochen erreichten Ergebnisse der Sondierungsgespräche. So das spärliche Resultat des Parteirates vom Montagabend. Was die anderen – namentlich CDU und Grüne – machten, spiele dabei keine Rolle, meint der Mann, der die Hessen-SPD in den vergangenen fünf Jahren neu geformt und regierungsfähig gemacht hat. Man lasse sich nicht hetzen.

Am Ende freilich könnte er als Gelackmeierter dastehen. Denn statt als Vorsitzender die Richtung vorzugeben oder wenigstens einen Vorschlag zu machen, sollen die Mitglieder erst einmal munter diskutieren. Ob sie dann abstimmen oder nur ein Meinungsbild abliefern sollen – man weiß es offenbar nicht in der SPD-Spitze, der Chef reagiert verschnupft auf solche Fragen.

Dabei sagte Schäfer-Gümbel erst vor kurzem, es komme nicht auf gefühlte Mehrheiten an, die wohl zu Rot-Grün-Rot tendieren, sondern auf die Inhalte, die man umsetzen könne. Dass bei einem Linksbündnis vieles geht, aber die Finanzierung der Knackpunkt ist, ist längst zum K.o.-Kriterium geworden, vor allem auch für die Grünen. Für sie bleibt nur Schwarz-Grün oder Opposition, denn auch alle anderen Optionen, von der Ampel bis zu Minderheitsregierung, sind abgehakt.

Weil sie der Opposition nach 15 Jahren überdrüssig sind, werden sie wahrscheinlich die Hand der CDU ergreifen, wenn die Union sie am Freitagabend ausstrecken sollte. Als Erste in einem Flächenland Schwarz-Grün zu wagen, wäre für die CDU wiederum eine Strategie, künftige Linksbündnisse zu verhindern.

Schäfer-Gümbel muss wissen, dass er angesichts der bevorstehenden Entscheidungen von CDU und Grünen mit seinem Zeitplan ganz schnell außen vor zu bleiben droht. Es sei denn, er hätte bereits Signale, dass Ministerpräsident Volker Bouffier sich schon für die SPD entschieden hat und Verständnis für deren Verrenkungen zeigt. Dann allerdings müsste Schäfer-Gümbel sich endlich auch dazu bekennen und die Partei auf diesen Weg einschwören.

Seine Hängepartie birgt zudem für ihn persönlich Gefahren: Am 30. November wird auch der Landesvorstand neu gewählt. Sollte Schäfer-Gümbel die SPD lediglich in die Opposition taktiert haben, wird es schnell wieder vorbei sein mit den positiven Schlagzeilen. Dann hülfe ihm nur, dass sich in der Hessen-SPD derzeit keine Alternative aufdrängt.

Quelle: HNA

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