Chemiewerk aus Einflugschneise der neuen Frankfurter Landepiste weggezogen

Ticona macht die Bahn frei

Die Ticona-Schlote: Sie sollen im August Flugzeugen im Anflug auf die neue Landebahn weichen. Foto: dpa

Frankfurt/Kelsterbach. Mitte des vorigen Jahrzehnts war der Kunststoffhersteller Ticona für viele Schlagzeilen gut. Denn die Fabrik des zum Celanese-Konzern gehörenden Unternehmens stand der neuen Landebahn des Frankfurter Flughafens im Wege, die im Oktober dieses Jahres in Betrieb gehen soll. Um Ticona ist es still geworden, die Firma hat die Produktionsstätte mit 320 Mitarbeitern in den Industriepark Höchst verlegt.

Dort bietet die Infraserv, die aus der 1999 zerschlagenen traditionsreichen Hoechst AG hervorging, auf 460 Hektar alles, was die bislang über 90 dort ansässigen Unternehmen mit mehr als 22 000 Mitarbeitern an Infrastruktur benötigen. Auch Ticona profitiert davon. Vieles, was das Unternehmen in Kelsterbach selbst machen musste, wird hier geliefert. Und auch die Lage am Main ist für die Logistik ein Vorteil. So wurde das alte Werk in den vergangenen Monaten Stück für Stück herunter- und das neue in Höchst angefahren.

Kügelchen in 1000 Farben

140 000 Tonnen des Kunststoffs Hostaform sollen nun in Frankfurt pro Jahr produziert werden, in Kelsterbach waren es 110 000 Tonnen, so ein Unternehmenssprecher. Der Kunststoff wird für die Spritzgussverarbeitung in kleinen Kügelchen geliefert, die Ticona in über 1000 DIN-Farbtönen anbietet. Das Material findet sich in Autos, in der Medizintechnik, aber auch in Duschköpfen oder Handys. Hauptrohstoff für die Produktion ist das aus Erdgas gewonnene hochexplosive Methanol.

Kommission: Unvereinbar

Ein Chemiewerk mit rauchenden Schloten - in der Einflugschneise 400 Meter von der Landebahn entfernt - das kann nicht gut gehen, so hatte im Prinzip jeder gedacht, der von der Autobahn A 3 auf das Werk mit seinen Schornsteinen blickte. Und auch die Störfallkommission des Bundes stellte 2004 fest, dies sei unvereinbar.

Bis es zu der Verlagerung kam, hatten Fraport auf der einen und Ticona auf der anderen Seite aber noch lange hoch gepokert. Ticona, seit den 60er-Jahren am Standort, behauptete, die Bahn nordwestlich des Flughafens könne eben nicht gebaut werden. Hessens damaliger Ministerpräsident Roland Koch (CDU) drohte dem Kunststoffproduzenten sogar mit Enteignung, als dieser nicht bereit war, das Feld zu räumen.

2006 schließlich einigten sich Fraport und Ticona: 670 Millionen Euro zahlte die Flughafenbetreiberin den Chemikern, um die Bahn frei zu machen für Flieger. Ob das Geld ausreichte für Verlagerung und Neubau, sagt das Unternehmen nicht.

Bis August sollen die Schornsteine entfernt werden, vollständig demontiert wird das Werk von rund 50 Mitarbeitern bis 2013.

Von Petra Wettlaufer-Pohl

Quelle: HNA

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