Hessens Fürstenhaus will das berühmte Holbein-Gemälde verkaufen - Am liebsten für 60 Millionen Euro

In tiefer Sorge um Madonna

Kassel / FRANKFURT. Wer in diesen Tagen das Städel in Frankfurt besucht - etwa um die Botticelli-Ausstellung zu sehen - sollte unbedingt auch die Holbein-Madonna anschauen. Das Meisterwerk von Hans Holbein dem Jüngeren (1497 - 1543), das die Familie des Baseler Bankiers und Bürgemeisters Jakob Meyer zum Hasen unter dem Schutzmantel der Muttergottes zeigt, gilt als das bedeutendste Renaissance-Kunstwerk nördlich der Alpen. Holbein malte es 1526 im Auftrag Meyers in Basel.

Wie lange das Bild noch im Städel zu sehen sein wird, ist derzeit nicht ganz sicher, denn sein Besitzer, die Erbengemeinschaft des Fürstenhauses Hessen, trägt sich mit Verkaufsgedanken. 2014 werden Erbersatzsteuern fällig für die Kulturgüter des Hessischen Fürstenhauses unter dem Dach der Hessischen Hausstiftung.

Kein Verkauf ins Ausland

Das Problem: Da das Gemälde zu den nationalen Kulturgütern gehört, die nicht ins Ausland verkauft werden dürfen, kommt eine lukrative Veräußerung etwa in die USA, die durchaus mehr als 100 Millionen Euro einbringen könnte, nicht infrage. Außerdem, da ist man in Hessen ganz sicher, gibt es keinen besseren Ort, die Madonna zu zeigen, als das renommierte Städel.

Doch nun könnten die Karten neu gemischt werden. Für das Land Hessen wäre schon ein Verkauf innerhalb Deutschlands fatal, weshalb man sich im Laufe dieses Jahres entschlossen hatte, alles zu tun, um die Madonna im Lande zu halten. Unter der Leitung von Städel-Direktor Max Hollein hat ein Konsortium aus Kulturstiftungen, Vertretern der Städte Darmstadt und Frankfurt sowie dem Land Hessen mit der Erbengemeinschaft Verhandlungen aufgenommen und bis zu 40 Millionen Euro geboten.

Zehn Millionen Euro davon sollte nach Rücksprache mit allen fünf Fraktionsvorsitzenden im Parlament das Land beisteuern. Das mag wenig erscheinen angesichts der Bedeutung des Gemäldes. Doch dürfte Hessens Ministerpräsident Roland Koch (CDU) noch gut die Empörung im Gedächtnis sein, als er ein Jahr nach dem sozialpolitischen Kahlschlag (der so genannten Operation Sichere Zukunft 2004) dem verarmten Adel in Erbach im Odenwald ein Schloss für 13,3 Millionen Euro abkaufte.

Die Zeiten sind bekanntlich nicht besser geworden. Zehn Millionen Euro, so sagt Hessens Regierungssprecher Dirk Metz unumwunden, „wären schon ein Kraftakt“.

Doch die sehr diskret geführten Verhandlungen sind kürzlich gescheitert. Angeblich soll ein Privatier außerhalb Hessens 60 Millionen zu geben bereit sein. Da könnten die Erben schon schwach werden, denn in die Hausstiftung würden 43 Prozent des Erlöses fließen, 57 Prozent würden unter den Erben aufgeteilt.

Ob es das Angebot wirklich gibt, weiß man allerdings nicht so genau. In diesen Tagen jedenfalls, so Dirk Metz, gibt es nichts Neues. Vielleicht bleibt die Madonna ja doch, wo sie hingehört: in Hessen.

Von Petra Wettlaufer-Pohl

Quelle: HNA

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