Konzerne handeln mit Atomstrom-Kontingent

Trick soll Biblis am Netz halten

Norbert Schmitt

BIBLIS. Deutschlands ältester noch laufender Atommeiler Biblis A in Südhessen soll länger am Netz bleiben als bislang vorgesehen. Der Betreiber RWE hat vom Konkurrenten Eon Stromkontingente erworben, die vom stillgelegten Atomkraftwerk Stade stammen und nun übertragen werden sollen. Damit könne Biblis bei voller Leistung ein halbes Jahr länger laufen.

Derzeit arbeitet der Meiler nur mit etwa der Hälfte seiner Leistungskraft. RWE kaufte 4,8 Terawattstunden von Eon. Sie kommen zu den knapp vier Terawattstunden hinzu, die noch als Reststrommenge für Biblis zur Verfügung stehen. Mit dem Kauf des Stromkontingents will RWE vermeiden, dass Biblis vom Netz gehen muss, bevor politische Entscheidungen über längere Laufzeiten für die deutschen Atomkraftwerke gefallen sind. Sie werden für den Herbst dieses Jahres erwartet.

Schwere Vorwürfe der SPD

„Die Übertragung von Restlaufzeiten von Stade auf Biblis ist unverantwortlich“, sagte der SPD-Abgeordnete Norbert Schmitt gestern. Er hält eine Übertragung der Laufzeiten für rechtswidrig, weil im Atomkonsens eine Übertragung auf Biblis A ausdrücklich ausgeschlossen worden sei. Ohne umfassende Nachrüstung des Atommeilers in Biblis „ist eine Übertragung rechtlich mehr als fraglich“, sagte Schmitt. Politisch sei sie „allemal unverantwortlich“.

Die Gemeinde Biblis hat die Möglichkeit einer längeren Laufzeit für das dortige Atomkraftwerk begrüßt. „Das wird helfen, dass Biblis A so lange am Netz ist, bis das Energieversorgungskonzept des Bundes vorliegt“, sagte die parteilose Bürgermeisterin Hildegard Cornelius-Gaus. Das Kraftwerk ist größter Arbeitgeber des rund 9000 Einwohner zählenden Ortes. (lhe/jum)

Quelle: HNA

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