Hauptangeklagter meldet sich mit depressiver Krise krank - Anklage will Haftbefehl

U-Haft für Galavit-Arzt?

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Galavit: In Moskau kosteten die Ampullen gerade mal 170 Euro.

Kassel. Neuverhandlung des Millionenbetrugs um das angebliche Krebsmittel Galavit: Allein die 132 Namen der - meist lange schon toten - Betrugsopfer und Details ihrer „Krebsbehandlung“ in Bad Karlshafen zu verlesen, dauerte gestern anderthalb Stunden.

 Die 1. Strafkammer des Kasseler Landgerichts muss nach einer Revisionsentscheidung des Bundesgerichtshofes (BGH) neu über das Strafmaß gegen die fünfköpfige Galavit-Bande befinden.

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Die hatte 2000/2001 Schwerstkrebskranke aus ganz Deutschland in die Bad Karlshafener Privatklinik „Carolinum“ gelockt. Für falsche Hoffnungen mit dem geheimnisumwitterten russischen Stärkungsmittel Galavit und eine 15-Spritzen-Kur wurden pro Patient umgerechnet 8500 Euro kassiert.

In Moskau kosteten die Ampullen gerade mal 170 Euro. Die 3. Strafkammer verhängte dafür Mitte 2008 meist langjährige Haftstrafen. Die fünf Verurteilten gingen in Revision zum BGH.

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Einer der Hauptangeklagten, der Arzt Eike. R. (67), ließ sich gestern entschuldigen. Der Mediziner, der in Karlshafen die Galavit-Spritzen setzte, gut fünfeinhalb Jahre Haft kassierte und jetzt im Allgäu zuhause ist, stecke derzeit selbst in einer schweren depressiven Krise, meldete ein ärztliches Attest. Verhandlungsfähig sei R. frühestens im Sommer.

Auf Beschluss der Kammer wurde das Verfahren gegen den Mediziner abgetrennt. Wobei der Kammervorsitzende Jürgen Dreyer kritisch anmerkte, das Attest stamme von einem Berufskollegen R.s, der seit fünf Jahren gar nicht mehr praktiziere, sondern mittlerweile ein kleines Antiquariat in Leipzig betreibe.

Und ein zweiter Arzt, der in der Beurteilung des Angeklagten ebenfalls eine Rolle spiele, sei nicht aufzufinden. Die Vertreterin der Anklage beantragte gestern einen Haftbefehl gegen den Galavit-Arzt - entscheiden muss darüber die Kammer.

Die Staatsanwaltschaft wittert neben der depressiven Krise offenbar Fluchtgefahr. Schon direkt nach dem Urteil im Sommer 2008 war R. deswegen kurzzeitig in Untersuchungshaft genommen worden.

Dort sitzt der zweite Hauptangeklagte und Kopf der Galavit-Bande, der zeitweise mit internationalem Haftbefehl gesuchte Falko D. (66), schon seit gut vier Jahren. Untersuchungshaft deswegen, weil das Urteil vor Ende der gestern angelaufenen Neuverhandung immer noch nicht rechtskräftig ist.

Von Wolfgang Riek

Quelle: HNA

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