Nach innerparteilichen Querelen erhielt der amtierende Oberbürgermeister erhielt 76 Prozent

Walter Hoffmann als OB-Kandidat in Darmstadt nominiert

Darmstadt. Die Darmstädter SPD hat den amtierenden Oberbürgermeister Walter Hoffmann am Dienstagabend erneut als OB-Kandidat für die Wahl am 27. März 2011 nominiert. Der aus Arolsen stammende Hoffmann erhielt 76 Ja- Stimmen, 20 Sozialdemokraten votierten mit Nein und vier enthielten sich.

Der Nominierung vorausgegangen waren heftige Auseinandersetzungen in den vergangenen Monaten, denn der Parteivorstand hatte Hoffmann ursprünglich nicht mehr nominiert. Die Chemie stimme nicht, so das Argument, Hoffmann halte zu viel Distanz zur Partei, trage auch Beschlüsse nicht mit - beispielsweise bei der Frage der Anbindung Darmstadts an die ICE-Strecke Frankfurt-Mannheim. Hier will die SPD eine Anbindung an den Hauptbahnhof, während Hoffmann auch einen direkt an der Trasse liegenden Außenbahnhof prüfen will. Außerdem hatte der OB sich geweigert, zugleich als Spitzenkandidat für das Stadtparlament anzutreten und damit – so der Wunsch des Vorstandes – Einigkeit der SPD zu demonstrieren. Hoffmann jedoch vertrat die Auffassung, dass er sich nicht für ein Mandat im Stadtparlament bewerben könne, wenn er tatsächlich Oberbürgermeister werden wolle.

Pech für den Vorstand: .Er hatte keinen eigenen Kandidaten parat und fand auch niemanden, der kandidieren wollte. Zudem wollte Hoffmann nicht aufgeben und es auf eine Kampfkandidatur ankommen lassen. Ein Delegierter beschrieb die Lage seiner Partei so: Es sei toll, in Darmstadt an der Basis mitzuarbeiten, „aber zusammen sind wir eine Katastrophe“.

In den Osterferien entschied sich in dieser verfahrenen Situation der Parteivorsitzende und Bürgermeister Wolfgang Glenz zu kandidieren, stieß jedoch an der Basis auf Widerstand. Etliche Ortsvereine hatten sich inzwischen für Hoffmann ausgesprochen. In der vergangenen Woche suchten die Darmstädter Genossen schließlich Hilfe beim Landesvorstand, die sie zuvor ausgeschlagen hatten. Für die Landes-SPD ist die Wahl von größter Bedeutung, gehört Darmstadt doch zu den wenigen Großstädten in der Republik, die seit Kriegsende ununterbrochen von sozialdemokratischen Oberbürgermeistern regiert werden. Ergebnis der fünfeinhalbstündigen Unterredung in Weimar, wo die SPD-Landtagsfraktion in einer Klausur weilte: Wolfgang Glenz zog zurück, will auch den Parteivorsitz aufgeben und Hoffmann wird als alleiniger OB-Kandidat der SPD vorgeschlagen.

Beim Nominierungsparteitag am Dienstag in Darmstadt-Eberstadt zogen die Delegierten mit. Der Darmstädter Landtagsabgeordnete Michael Siebel gab allerdings zu, der Vorstand habe zu lange hinter verschlossenen Türen diskutiert anstatt auf die Bundestagsabgeordnete Brigitte Zypries zu hören, die einen Mitgliederentscheid vorgeschlagen habe. Auch Fraktionschef Hanno Benz räumte Fehler ein. Wolfgang Glenz war krankheitsbedingt nicht erschienen.

Die Warnung eines jüngeren Genossen, „ehrlich zu wählen“ und nicht mit einem verfälschten Ergebnis für Hoffmann Konflikte einfach glatt zu bügeln, hatten sich die Delegierten offensichtlich zu Herzen genommen. 76 Prozent sind kein Traumergebnis, aber es ist, so Hoffmann anschließend „okay“. Die Krise der Darmstädter SPD wird beim regulären Parteitag am 19. Juni wohl noch einmal Thema sein, denn nun gilt es für sie, die Wähler zu überzeugen, dass .die Sozialdemokraten regierungsfähig sind.

Von Petra Wettlaufer-Pohl

Quelle: HNA

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