Weiter umstritten: Zehn Jahre Kampfhundeverordnung

Wiesbaden. Sie war und ist umstritten. Vor zehn Jahren - am 5. Juli 2000 - legte der hessische Innenminister Volker Bouffier (CDU) die erste Version der im Schnellgang fabrizierten Kampfhundeverordnung vor.

Darin werden Rassen aufgeführt, bei denen „eine Gefährlichkeit vermutet“ wird, wie es in Paragraf 2 der aktuellen „Gefahrenabwehrverordnung über das Halten und Führen von Hunden“ („HundeVO“) heißt. Im Innenministerium ist man zufrieden mit der Regelung. Hessens Tierschutzbeauftragte Madeleine Martin hält sie dagegen für wirkungslos.

Zehn Rassen stehen mittlerweile auf dieser Liste, vor zehn Jahren waren es noch 16 Rassen. Neu hinzugekommen ist im Januar 2009 bei der letzten Änderung der Rottweiler. Wenn das Tier als Kampfhund gilt, hat das einige Auswirkungen auf Hund und Herrchen. Der Mensch muss seine Sachkunde nachweisen und das Tier sein gutmütiges Wesen. Letzteres wird im Wesenstest geprüft, den auch Martin „für praxisnah“ hält. Dabei werden Alltagssituationen nachgestellt.

So geht etwa ein fremder Mensch sehr dicht an dem Hund vorbei oder rennt auf ihn zu. Besteht der Hund diesen Test nicht, kann er wiederholt werden. Fällt das Tier noch einmal durch, wird es in der Regel eingeschläfert. „Seit dem Jahr 2000 wurden fast 20 000 Wesensprüfungen von Kampfhunden durchgeführt“, sagt Thorsten Neels, Sprecher des Innenministeriums.

„Nur 2,12 Prozent haben den Test nicht bestanden.“ Auch Hunde, die nicht auf der Liste stehen, müssen manchmal zum Wesenstest. Zum Beispiel, wenn sie einen Menschen oder einen anderen Hund grundlos angegriffen haben. Die Erlaubnis, einen „Kampfhund“ zu halten, gilt in der Regel für vier Jahre - bei Erlass der Kampfhundeordnung waren es noch zwei Jahre gewesen. Die Tests und Bescheinigungen kosten Geld, bezahlen muss der Tierbesitzer.

Auch sonst muss er deutlich tiefer in die Tasche greifen als andere Hundebesitzer. So verlangen die Kommunen für „Kampfhunde“ meist eine deutlich höhere Steuer als für andere Hunde. Landen die Vierbeiner im Tierheim, ist dieses für sie oft die Endstation. „Diese Hunde sind extrem schwer vermittelbar“, sagt Martin. Sie und andere Gegner dieser Verordnung argumentieren, dass die Gefährlichkeit eines Hundes nicht an seiner Rasse festzumachen sei. Wenn ein Hund gefährlich werde, sei dafür der Mensch verantwortlich. Daher sei es viel sinnvoller, eine Art „Führerschein“ für alle Hundebesitzer einzuführen. Angefangen hat die Geschichte der hessischen Kampfhundeverordnung in Hamburg.

Im Sommer 2000 wurde dort ein Junge von einem Pitbull und einem Staffordshire getötet, die Wogen schlugen hoch. Bouffier reagierte nur Tage später mit den bundesweit strengsten Vorschriften für Kampfhundebesitzer. Er musste sie jedoch auf Druck des Verwaltungsgerichtshofs in Kassel gleich mehrfach entschärfen. Die ursprüngliche Fassung hatte unter anderem einen Maulkorb- und einen Sterilisierungszwang vorgesehen. (dpa/lhe)

Quelle: HNA

Rubriklistenbild: © dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare