Erneuerbare-Energien-Konferenz des RP Kassel in Baunatal: Kommunen müssen entscheiden und Bürger dabei mitnehmen

Werbung für Wind-Chancen

Baunatal. Die größten Wachstumspotenziale der Region, was die Nutzung erneuerbarer Energien angeht, liegen in der Windkraft. Darüber waren sich die Referenten der RP-Konferenz für Kommunalpolitiker und Planer aus Nord- und Osthessen am Freitag in Baunatal weitgehend einig.

Und ohne Schub aus Städten und Gemeinden – auch das wurde klar – ist das Ziel der CDU/FDP-Landesregierung, bis 2020 ein Fünftel des Endenergiebedarfs aus Sonne, Wind, Wasser und Biomasse zu gewinnen, nicht zu erreichen. Die Landesplanung werde über bestehende Vorgaben hinaus weitere Windstandorte prüfen, sagte der CDU-Staatssekretär im Umweltministerium, Mark Weinmeister (Guxhagen).

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Die Entscheidung für Neubau oder den Ersatz alter durch leistungsstärkere größere Räder liege letztlich aber bei Städten und Gemeinden. Weinmeister warnte allerdings davor, die Frage der Energie nur auf den Strom zu reduzieren. Rund 40 Prozent des Energieverbrauchs werde für Raumheizung und Warmwasserbereitung benötigt.

Den 200 Bürgermeistern, Landräten und Planern aus der Region legte auch Wolfgang Kaivers, Chef der Regionalplanung im Kasseler Regierungspräsidium ans Herz, sich nicht bei den Vorgaben des gerade erst genehmigten Regionalplans Nordhessen aufzuhalten. Dessen Festlegungen in Sachen Windenergie seien vor anderthalb Jahren getroffen worden. Aktuell seien bereits sechs Abweichungsverfahren in Arbeit. Er gehe davon aus, dass bis in einem Jahr mit 250 Hektar für 25 Windenergieanlagen zusätzlich zu rechnen sei.

Derzeit drehen sich im Bereich des Regierungspräsidiums Kassel 270 Windräder. Die Region liefert fast die Hälfte der in Hessen installierten Windleistung. Kaivers unterstrich die Chancen auch auf der Einnahmenseite, die sich Kommunen mit der Windenergie böten. Wichtig sei es, angesichts des Konfliktpotenzials und kontroverser Diskussionen die Bürger mitzunehmen, ihnen den Nutzen der erneuerbaren Energien für Klimaschutz, kommunale Kassen und Unabhängigkeit von teuren Energieimporten klarzumachen.

Eine Verdreifachung des derzeitigen Windenergiepotenzials in der Region bis 2020 halte er ohne Probleme für machbar, sagte Kaivers. Als Vorreiter kommunaler Energieerzeugung machte Erwin Horst, Bürgermeister aus Ulrichstein, seinen Amtskollegen Mut: Die Stadt im Vogelsberg hat bundesweit den ersten kommunalen Windenergiepark aufgebaut, betreibt inzwischen 18 Anlagen.

Horst: „Wenn der Bürger davon was abbekommt, ist auch die Akzeptanz da!“ Das heißt für Ulrichstein: Windenergie-Überschüsse von 150 000 bis 350 000 Euro jährlich helfen der Stadt, die „exorbitanten“ Gebührenlöcher bei Wasser und Abwasser zu stopfen. Weiter nur auf die teuren Windparks in Nord- und Ostsee zu warten, helfe kaum weiter, warnte Horst: „Das wird in den nächsten zwölf bis 15 Jahren nichts!“

Von Wolfgang Riek

Quelle: HNA

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