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Zahl der Geldautomatensprengungen steigt rasant

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Gesprengter Geldautomat
Ein gesprengter Geldautomat. © Matthias Balk/dpa/Symbolbild

Deutschland ist bei Banden als Tatort für Geldautomatensprengungen derzeit besonders beliebt. Das liegt laut hessischem Innenministerium auch an der guten Präventionsarbeit in Nachbarstaaten. Minister Beuth sucht nun den Schulterschluss mit Bankenvertretern.

Wiesbaden - Die Zahl der Geldautomatensprengungen in Hessen ist 2021 im Vergleich zum Vorjahr deutlich gestiegen. Sie kletterte um fast 90 Prozent auf 56 Fälle, wie das Innenministerium in Wiesbaden mitteilte. Die Diebstahlsumme lag bei rund 2,75 Millionen Euro - plus Sachschäden von mehr als 2,5 Millionen Euro. Innenminister Peter Beuth (CDU) und der Präsident des Landeskriminalamtes (LKA), Andreas Röhrig, sprachen am Mittwoch auf einer Fachtagung mit Sicherheitsexperten und Bankenvertretern über mögliche Strategien im Kampf gegen diese Straftaten.

Nach Angaben der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt gelang es den Tätern in 27 der hessenweit 56 registrierten Fälle 2021, tatsächlich an das Bargeld zu gelangen. Im vergangenen Jahr seien im Zusammenhang mit Geldautomatensprengungen 14 Menschen, teilweise bereits rechtskräftig, zu Freiheitsstrafen zwischen einem Jahr und sieben Jahren und drei Monaten verurteilt.

„Wurden die Sprengungen bislang häufig mit Hilfe eines Gas-/Sauerstoffgemischs herbeigeführt, ist nunmehr ein Trend zur Verwendung von Sprengstoff zu beobachten, was die Ausführung der Taten noch gefährlicher macht“, erläuterte die Generalstaatsanwaltschaft. Die Täter flüchteten oft mit hochmotorisierten Fahrzeugen vom Tatort, wobei sie zum Teil erhebliche Risiken für die sie verfolgenden Polizeibeamten und andere Verkehrsteilnehmer in Kauf nähmen.

„Angesichts hochkrimineller Täter und ihrer völlig rücksichtslosen Vorgehensweise besteht die Gefahr, dass früher oder später Menschen erheblich verletzt werden oder sogar zu Tode kommen“, erklärte Beuth. Neben präventiven Maßnahmen sei mit den Banken auch diskutiert worden, wie die „Attraktivität von Tatgelegenheiten“ weiter reduziert werden kann. „Mein Ziel ist es, den gemeinsamen Kampf gegen diese Form von Organisierter Kriminalität mit einer breit aufgestellten hessischen Sicherheitsallianz zu intensivieren“, bekräftigte Beuth.

LKA-Präsident Röhrig verwies auf die 2019 eingerichtete hessenweite Fachdienststelle. „Durch intensive Ermittlungsarbeit ist es bereits gelungen, mehr als 20 Tatverdächtige in Haft zu bringen.“ Frankreich und die Niederlande hätten es aber beispielsweise schon geschafft, die schwerkriminellen Banden mit abgestimmten Präventionskonzepten und intensiven Maßnahmen zu verdrängen - allerdings insbesondere nach Deutschland.

Aktuell ereignen sich nach Angaben des Innenministeriums deutschlandweit nahezu täglich Sprengungen. „Die Bundesrepublik bildet derzeit den europäischen Brennpunkt.“ Regelmäßig sind auch Institute in Hessen Tatorte. In der Nacht zum Mittwoch wurde laut Polizei ein Geldautomat in Langgöns im Kreis Gießen gesprengt. Bereits Mitte Januar hatten zwei Taten in Nord- und Mittelhessen unter anderem hohe Sachschäden verursacht.

Ziel sei es, im Schulterschluss mit der Bankenwirtschaft Präventionsmaßnahmen gemeinsam zu prüfen und zu realisieren, um schnellstmöglich die Tatgelegenheiten auf ein Minimum zu reduzieren, erläuterte das Innenministerium. Derzeit existiere noch keine gesetzliche Grundlage, um Präventionselemente vorzuschreiben. Inwiefern hierfür eine gesetzliche Änderung nötig sei, um Kreditinstitute zu Schutzmaßnahmen zu verpflichten, werde im Kreis der Innenministerkonferenz diskutiert. dpa

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