Sie prägten Hessen

Von Zinn bis Bouffier: Die bisherigen Ministerpräsidenten

Volker Bouffier (CDU) oder Thorsten Schäfer-Gümbel (SPD)? Am heutigen Sonntag entscheidet sich bei der Landtagswahl, wer Hessen in den nächsten Jahren regiert. Aus diesem Anlass schauen wir zurück auf die bisherigen Amtsinhaber.

Georg August Zinn

Keiner regierte Hessen solange wie er: Georg August Zinn.

Auch wenn Georg August Zinn (1950 - 1969) mit Karl Geiler(parteilos) und Christian Stock (SPD) zwei Vorgänger in der Nachkriegszeit hatte, so ist er den Hessen doch als der Ministerpräsident in Erinnerung, der dem neugeformten Bundesland half, zu einer eigenen Identität zu finden.

Als die herausragende Leistung des 1901 in Frankfurt geborenen Sozialdemokraten, der 1976 in seiner Heimatstadt starb, gilt die Integration von 850 000 Flüchtlingen und Heimatvertriebenen auf der Grundlage des von ihm entwickelten Hessenplans zur Wiederherstellung von Infrastruktur, Arbeitsplätzen und Wohnungen. Mit angeschlagener Gesundheit trat Zinn 1969 zurück.

Albert Osswald

Albert Osswald beim Hessentag in Eschwege 1971

Der gebürtige Gießener Albert Osswald (1919 - 1996) regierte ab 1970 erstmals mit einer sozial-liberalen Koalition.

Sein persönliches Debakel war die durch riskante Spekulationen verursachte milliardenschwere Schieflage der Landesbank (Helaba-Skandal), die ihn 1976 das Amt kostete.

In seine Regierungszeit fiel die Gebietsreform, auch die später gescheiterte Zusammenlegung von Gießen und Wetzlar zur Stadt Lahn.

Holger Börner

Nachfolger Osswalds wurde 1976 der 1931 in Kassel geborene Holger Börner, bis zu seiner Wahl

Kein einfacher Tag für beide: Ministerpräsident Holger Börner (SPD) vereidigt Joschka Fischer (Grüne)

Bundesgeschäftsführer der SPD. Seine Amtszeit war überschattet von gewaltsamen Ausschreitungen beim Bau der Startbahn 18 West am Frankfurter Flughafen und der Ermordung seines Stellvertreters Herbert Karry (FDP) 1981.

Ein Sozialdemokrat von altem Schrot und Korn, drohte der gelernte Betonfacharbeiter Demonstranten verbal schon mal mit der Dachlatte.

Und doch war er es, der 1985 das erste Bündnis mit den renitenten Grünen schmiedete. Es zerbrach 1987, Börner kandidierte nicht mehr, und die SPD verlor die Macht. Der in der Bevölkerung sehr beliebte Börner starb 2006 in Kassel.

Walter Wallmann

Der frühere Frankfurter Oberbürgermeister Walter Wallmann war - nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl -- kaum erster Bundesumweltminister, als CDU und FDP im April 1987 mit knappem Vorsprung die Landtagswahl gewannen und den stets distinguiert auftretenden Wallmann zum Ministerpräsidenten wählten. Es blieb ein Intermezzo, 1991 gewann Rot-Grün. Am Sonntag, 22.9., wurde bekannt, dass Walter Wallmann gestorbenist.

Hans Eichel

Hans Eichel mit Bundespräsident Richard von Weizsäcker 1991

Kassels langjähriger Oberbürgermeister Hans Eichel, heute 71, wagte 1991 den Sprung in die Landespolitik. Dort galt er als spröde, aber seriös und authentisch. Er gewann die Landtagswahlen gemeinsam mit den Grünen 1991 und 1995. Damit war erstmals eine rot-grüne Landesregierung im Amt bestätigt worden.

Eichel klagte damals auch bereits gegen die Ungerechtigkeiten des Länderfinanzausgleiches vor dem Bundesverfassungsgericht: „Die Kuh, die gemolken werden soll, muss auch anständiges Kraftfutter bekommen“, sagte er damals.

Der holprige Start der Regierung Schröder 1998 im Bund und eine vielfach als ausländerfeindlich empfundene Doppelpass-Kampagne der Hessen-CDU vor der Wahl 1999 kosteten SPD und Grünen die Mehrheit. Hans Eichel folgte kurz darauf Oskar Lafontaine als Bundesfinanzminister.

Roland Koch

Roland Koch 2007 bei einem Besuch im Iset in Kassel

Angeführt wurde die neue Regierung von Roland Koch, einem jungen, scharfzüngigen CDU-Politiker, der sich zum „brutalstmöglichen Aufklärer“ gerierte, als seine Karriere durch die CDU-Schwarzgeldaffäre wenig später bedroht war.

Beeinflusst durch die Bundespolitik schaffte er jedoch 2003 eine absolute Mehrheit. 2008 erlosch der Stern des Mannes zunächst, der Hessen gerne als Konzern führen wollte.

Doch die SPD scheiterte an der Regierungsbildung und nach Neuwahlen 2009 konnte der inzwischen 51-Jährige weiterregieren. Koch, geschätzt, gefürchtet und verschrieen als Polarisierer, wechselte 2010 in die Wirtschaft und leitet mit Bilfinger seitdem einen echten Konzern.

Volker Bouffier

Seit 2010 Hessens Ministerpräsident: Volker Bouffier (CDU)

Kochs Ämter in Partei und Regierung übernahm Innenminister Volker Bouffier. Der gebürtige Gießener, der in der Partei immer großen Rückhalt genoss, galt seit seinem Amtsantritt als Minister 1999 als ein „harter Hund“.

Seit er Ministerpräsident ist, hat Bouffier sich zum Landesvater und Konsenspolitiker gewandelt, der beim Thema Schuldenbremse und Energiewende auch auf die Opposition zuging.

Als er merkte, dass der landesweite Protest gegen die verkürzte Schulzeit G8 ihm bei der Wahl auf die Füße fallen würde, stellte er den Gymnasien die Rückkehr zu G9 frei. Er tritt morgen erstmals als CDU-Spitzenkandidat an.

Von Petra Wettlaufer-Pohl

Quelle: HNA

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