Tornado richtet Millionenschaden an: 700-Seelen-Dorf fast komplett verwüstet

Giessen. „Es wurde dunkel, Wind kam auf. Vögel wirbelten wie Laub durch die Luft“, sagt Landwirtin Anja Linker, Einwohnerin aus Lumda.

Sie beschreibt, was am Montag um 18.26 Uhr passierte. Lumda, ein knapp 700 Einwohner zählender Ortsteil von Grünberg bei Gießen, ist in aller Munde: Ein Tornado deckte zehn Gebäude ab. 44 weitere Häuser oder Scheunen wurden beschädigt. „Der komplette Ort ist verwüstet“, sagt ein Polizeisprecher.

Aber im etwa acht Kilometer entfernten Grünberg merkten die Einwohner davon so gut wie nichts. Ja, ein wenig getröpfelt habe es, sagt die Vorzimmerdame von Bürgermeister Frank Ide. Aber sonst sei alles ruhig gewesen. Der Bürgermeister selbst ist nicht zu sprechen. Der ist unterwegs bei seinen Lumdaern. Die räumen auf.

Das weiß auch der stellvertretende Stadtbrandinspektor von Grünberg. Jörg Sprankel war am Montagabend mit seinen Mannen in Lumda im Einsatz. Keine zwei Minuten habe der Spuk gedauert, berichtet er unserer Zeitung. „Ruhig und gefasst“ seien die meisten Einwohner gewesen. Sie hätten sofort versucht, wieder klar Schiff zu machen.

Besonders hart habe es zwei Hausbesitzer getroffen: Dem einen hat der Sturm drei Viertel vom Dachstuhl weggefegt, einem anderen habe es das komplette Dachgeschoss angehoben. Unbewohnbar aber sei kein Haus geworden.

Auch im rund 70 Kilometer entfernten Schlüchtern wütete ein Unwetter, zerstörte Dächer und kippte Container um. In der Stadt war auch die Feuerwehr selbst von dem abendlichen Unwetter betroffen: Das halbe Dach des Gerätehauses wurde zerstört, Ziegel beschädigten 24 geparkte Privatwagen von Einsatzkräften. Die kamen gerade von einem Kellerbrand zurück. Etwa 250 Helfer waren bis nach Mitternacht im Einsatz.

In den übrigen Teilen Hessens blieb es bei starkem Regen und einzelnen Gewittern. Verletzt wurde nach einem ersten Überblick der Polizei niemand.

Hessens Innenminister Volker Bouffier (CDU) informierte sich gestern vor Ort über das Ausmaß der Schäden und sagte den Betroffenen Hilfe zu.

Der Tornado in dem 673-Einwohner-Dorf Lumda im Landkreis Gießen war der zweite in Hessen seit Jahresbeginn. Bei Marburg hatte es am 26. März ebenfalls einen Tornado gegeben.

Von Jürgen Umbach

Quelle: HNA

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