Matthias Kammermeier:

„Catterfeld hat mich überrascht“

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Yvonne Catterfeld spielt in dem Film eine Vulkanexpertin.

Im zweiten Teil spricht Matthias Kammermeier über die Gratwanderung zwischen Anspruch und Budget, Yvonne Catterfeld und seine Probleme mit dem Filmgeschäft.

Hier kommen Sie zurück zum ersten Teil.

Ist es schwierig als Künstler dem eigenen Anspruch, aber auch dem vorhandenen Budget gerecht zu werden?

Tonnen von Asche regnen im Film vom Himmel herab.

Kammermeier: Ein Film wie „Vulkan“ ist immer ein Kompromiss. Eigentlich wäre so ein Film für das Geld, das zur Verfügung stand, nicht mal annähernd möglich. Ich gehe jede Wette ein, wenn ich das einen Kollegen kalkulieren ließe, kommt der mindestens auf das Doppelte meines Budgets. Wir haben in Zusammenarbeit mit Regie und Kamera so auf Kante gestrickt und genäht, dass einen halben Meter nach links und einen Meter nach rechts Schluss war. Zudem kommen immer wieder nicht eingeonsszene plante Herausforderungen hinzu. Einen Katastrophenschauplatz mussten wir zum Beispiel innerhalb von zwei Wochen zweimal komplett mit Lavastaub einpudern. Sobald es nur einmal Morgentau gab, war der Staub wieder weg.

„Bilder von 9/11 waren am Set ständiger Begleiter“

TV-Event: Vulkan-Ausbruch in der Eifel

Nehmen Sie sich bei Ihrer Arbeit reale Katastrophen zum Vorbild?

Der Film hat eine Starbesetzung.

Kammermeier: Das Schlimmste wäre, etwas darzustellen, das an der Realität völlig vorbei geht. Als Vorlage haben wir uns deshalb Fotos vom 11. September angeschaut. Die Bilder von den Gesichtern der Menschen am Tag der Katastrophe hatten wir bei der Produktion als ständigen Begleiter dabei. Zudem hatten wir uns im Vorfeld natürlich über etliche andere Vulkanausbrüche informiert. Alles, was im Film zu sehen ist, ist wissenschaftlich genau recherchiert worden. Auch alle Dialoge, die Schauspielerin Yvonne Catterfeld (spielt im Film eine Vulkanexpertin, Anm. d. Red.) spricht, sind wissenschaftlich abgesegnet. Es ist zum Beispiel tatsächlich so, dass in der Region, in der der Film spielt, ein größerer Vulkanausbruch zu erwarten ist. In den nächsten hundert- oder zehntausend Jahren, aber es kann natürlich auch morgen sein.

Unter den Schauspielern befindet sich alles, was im Deutschen Fernsehfilm Rang und Namen hat. Gab es aus Ihrer Sicht Überraschungen?

Ja, Yvonne Catterfeld. Ich fande, sie hat ihre Rolle wirklich glaubhaft rübergebracht. Yvonne Catterfeld als Vulkanexpertin habe ich mir erst nicht vorstellen können.

Für das Szenenbild des Films „Tarragona“ haben Sie den deutschen Fernsehpreis gewonnen. Ist das eine sehr große Hürde, um an den nächsten Film heranzugehen?

Kammermeier: Egal welches Projekt ich verfolge, ich habe immer den höchsten Anspruch.

„Produktionsfirma echt unterstes Niveau“

Ein kompletter Film läuft durch ihre Hand – die Öffentlichkeit bekommt davon aber wenig mit. Würden Sie nicht auch einmal gerne vor der Kamera stehen?

Im Film bricht in der Eifel ein Vulkan aus und begräbt eine Kleinstadt unter sich.

Kammermeier: Das nicht, aber ich muss ehrlich sagen, die Pressemappe zu diesem Film hat mich total geärgert. Nur weil der Produzent beleidigt war, dass ich seiner Meinung nach zu viel Geld ausgegeben habe, kommt als Ergebnis eine Mappe heraus, in der Regie, Drehbuch, Kamera, Produzenten, Redaktion und Darsteller erwähnt werden. Punkt. Da frage ich mich schon, warum darin nur die Kamera berücksichtigt wird. Die kann nur das abfilmen, was ich ihr hinstelle. Es ist schon ärgerlich, wenn es soweit kommt, dass das Szenenbild dort komplett unter den Tisch fällt. Die Wertschätzung dessen, was man geleistet hat, sollte eigentlich dem Endprodukt angemessen sein. Dabei bin ich eigentlich jemand, der gerne im Hintergrund arbeitet, aber so was ist von Seiten der Produktionsfirma echt unterstes Niveau. Darunter leide aber nicht nur ich, sondern eine ganze Branche.

 Das Gespräch führte Christoph Seidl

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