"Was machen Frauen morgens um halb vier"

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Immer in Hetze: Franzi (Brigitte Hobmeier) kämpft um die Existenz ihrer Bäckerei.

München - Matthias Kiefersauer gelang mit „Was machen Frauen morgens um halb vier?“ ein charmant-unprätentiöser Film über den Kampf einer kleinen Bäckerei gegen die Discount-Konkurrenz.

Da quälen sie sich müde aus den Federn und taumeln in die Backstube. Zumindest die Franzi Schwanthaler (Brigitte Hobmeier) aus einem pittoresken Örtchen im Osten Bayerns hält es so. Mit ihrem allmählich vergreisenden Papa (Peter Lerchbaumer) betreibt sie eine kleine Bäckerei mitten im Ort. Alteingesessener Betrieb, seit über 200 Jahren in Familienbesitz. Früher sogar einmal Hoflieferant. Da sind sie mächtig stolz drauf, die Schwanthalers. Der Zug in die Neuzeit ist allerdings dank des sturen Vaters schon abgefahren, scheint es.

Während die Konkurrenz immer billiger produziert, der in der Nähe eröffnete Back-Discounter gar tiefgekühltes „Fertigglump aus Tschechien“ über die Grenze karrt, um es zu Spottpreisen zu verhökern, stehen die Schwanthalers mit all ihrer Tradition kurz vor der Zwangsversteigerung.

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Die Globalisierung mit ihren Schattenseiten für die kleinen Unternehmer bringt Matthias Kiefersauer in seinem charmant-unprätentiösen Spielfilm „Was machen Frauen morgens um halb vier?“ sehr amüsant auf den Punkt. Das Drehbuch von Martina Brand tippt die Konsequenzen der „Geiz ist geil“-Mentalität geschickt an. Kiefersauer verleiht den Dialogen in seiner umsichtigen Inszenierung zusätzlich einen wunderbar lakonischen Witz.

Man sieht zwar deutlich, dass diese Produktion ursprünglich fürs Fernsehen konzipiert war. Das stört aber nicht weiter, denn die sichtliche Spielfreude der Darsteller macht alles wieder wett: Vor allem an Brigitte Hobmeier als gestresste Franzi sieht man sich niemals satt, wie sie da zwischen Christstollen für Dubai, den Pflichten einer alleinerziehenden Mutter, dem heimgekehrten Ex-Freund Toni (Thomas Unger) und dem mosernden Vater am heimischen Backofen rotiert.

Ulricke Frick

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