Eine gewaltige Explosion ist das Startsignal für eine umfassende Renovierung

Der „Marienhof“ fliegt in die Luft

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Die Schauspieler Ivonne Polizzano (l, als Netty Töppers), Julika Wagner (2.v.l, als Amelie Verhaag) und Simon-Paul Wagner (2.v.r, als Marlon Berger) werden bei Dreharbeiten in den Bavaria Film Studios in Grünwald in einer Szene der ARD-Serie "Marienhof" von Feuerwehrleuten gerettet.

Mit einem gewaltigen Knall und Feuerball fliegt in der Folge vom Dienstag der Marienhof in die Luft.

Nein, nicht die komplette ARD-Serie, aber die altgediente Kulisse der Ladenzeile „Galerie“ mit dem Blumenladen von Inge Busch und mit dem Gemüseladen „Möhre“. Sinn und Zweck der Zerstörung: Wenn sich der Explosionsstaub gelegt hat, soll frischer Wind in die angestaubte Serie kommen.

Denn die Seifenoper, die seit 17 Jahren im ARD-Vorabendprogramm läuft, hat zuletzt viele Zuschauer verloren. Lag der durchschnittliche Marktanteil im Jahr 2000 noch bei 15,5 Prozent, so verirren sich aktuell nur noch neun Prozent der Zuschauer um 18.25 Uhr ins Erste Programm. Der relativ neue Marienhof-Produzent Simon Müller-Elmau sieht als einen Grund für die sinkende Quote, dass immer mehr Seifenopern die Zielgruppe untereinander aufteilen müssen. Doch Müller-Elmau gesteht auch selbstkritisch ein: „Die Zuschauer haben uns einige Geschichten einfach nicht mehr abgekauft. Immer musste alles spannender, aufregender werden. Das ging dann oft zu Lasten der Authentizität.“

So hagelte es Zuschauerproteste, als die Serienfigur Tanja Maldini ihrer kinderlosen Tochter Toni ihr ungeborenes Kind versprach, dann an Krebs erkrankte, die lebensrettende Chemotherapie ablehnte, das Kind auf die Welt brachte, selbst doch überlebte und den neugeborenen Angelo dann von ihrer ­verzweifelten Tochter zurückforderte…

„Die Explosion ist auch eine Gelegenheit, diese etwas verworrenen Geschichten teilweise abrupt zu beenden“, räumt Müller-Elmau ein. So zerstört die Explosion die Lebensgrundlage einiger Marienhof-Bewohner, folglich müssen sie ihr Leben umkrempeln. Während der dramatischen Rettungsaktion, die sich über vier Folgen hinzieht, zeigen manche ­Bewohner ganz neue Seiten ihrer Persönlichkeit.

Ob eine auserzählte Rolle in den Trümmern stirbt, wird noch nicht verraten. Aber mit dem Notarzt Dr. ­Nicolas Stein (Hendrik Borgmann) kommt eine Figur neu hinzu, um die sich schon bald eine Liebesgeschichte ranken wird. Müller-Elmau will künftig mehr Storys mit Happy End, weil die Fans das so erwarteten.

Neben der inhaltlichen Renovierung werden sich nach der Explosion natürlich auch die Fassaden des Marienhofs verändern. Die „Galerie“ hatte noch den Charme der 80er-Jahre, während Konkurrenz-Serien schon viel moderner aussehen. Demnächst beginnen auf dem Bavaria-Filmgelände die Bauarbeiten.

Zehn Feuerkanonen schießen mit Stichflammen

Um die Gasexplosion zu simulieren, postierten die Feuerwerker hinter den Fensteröffnungen zehn Kanonen, die mit einem ­Gemisch aus Schwarzpulver und Benzin gefüllt waren, ferngesteuert Stichflammen herausschleuderten und die Fenster bersten ließen.

„Es ist viel passiert“, lautet das Motto des Marienhofs, und auch die Explosion hat eine Vorgeschichte. Laura (Rosetta Pedone) möchte Amelie (Julika Wagner) umbringen und manipuliert die Gasleitung in der „Fechner Galerie“… Gedreht wurden diese spektakulären Szenen im April auf dem Gelände der Bavaria-Film in Grünwald – mit einem für solche Serien ungewöhnlich großen Aufwand.

„Wir haben mit sieben Kameras gedreht und hatten zahlreiche Experten für ­Spezialeffekte und Pyrotechnik im Einsatz“, berichtet Chefregisseur Alexander Wiedl im Gespräch mit der tz. Um die Gasexplosion zu simulieren, postierten die Feuerwerker hinter den Fensteröffnungen zehn Kanonen, die mit einem ­Gemisch aus Schwarzpulver und Benzin gefüllt waren, ferngesteuert Stichflammen herausschleuderten und die Fenster bersten ließen.

An die 80 Komparsen bevölkerten das Filmset, darunter echte Feuerwehrleute und Sanitäter. „Alle Szenen sind wie ­geplant gelaufen, niemand wurde verletzt“, sagt Regisseur Wiedl. Die Innenszenen, in denen Marienhof-Bewohner von Trümmern begraben werden, wurden in einem der Marienhof-Studios gedreht. Auch diesen staubigen Dreh haben die Seriendarsteller heil überstanden – nicht zuletzt, weil der herabprasselnde Schutt aus Styropor-Ziegelsteinen bestand.

Zurzeit dreht das Serienteam in anderen Außenkulissen oder in den Studios. Im Herbst soll dann das neue Freiluft­studio fertig sein. Wie die nun eingestürzte „Galerie“ wird es eine Art Einkaufsstraße, aber eben zeitgemäß.

IW.

„Marienhof“, montags – freitags, 18.25 Uhr, ARD

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