TV-Interview bei "Beckmann"

Mollath: Bei Merk ist Hopfen und Malz verloren

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Gustl Mollath (l) mit neben TV-Moderator Reinhold Beckmann.

Berlin - Vor gut einer Woche wurde er aus der Psychiatrie entlassen. Am Donnerstagabend gab die ARD-Talkshow „Beckmann“ Gustl Mollath die Gelegenheit, seinen Fall vor einem Millionenpublikum zu präsentieren.

Der jahrelang gegen seinen Willen in der Psychiatrie untergebrachte Gustl Mollath hat die bayerische Justizministerin Beate Merk (CSU) erneut scharf kritisiert. In der ARD-Talkshow „Beckmann“ warf er der Ministerin vor, sich in Widersprüche verstrickt zu haben. „Ich sag' es, wie es ist, auch wenn das jetzt unverschämt klingt: Da ist Hopfen und Malz verloren“, sagte Mollath. „Die Statements, die sie vor einem Jahr über meine Person abgegeben hat und meinen Fall, sind über 180 Grad konträr zu dem, was sie heute zum Besten gibt.“

Mollath war 2006 als gemeingefährlich in die Psychiatrie eingewiesen und vergangene Woche entlassen worden. Das Oberlandesgericht Nürnberg hatte auf eine Beschwerde seines Anwalts hin angeordnet, das Verfahren gegen den 56-jährigen Maschinenbauer in Regensburg neu aufzurollen.

Ein Sympathisant agierte sogar als Fälscher

Die Staatsanwaltschaft Wiesbaden ermittelt unterdessen gegen eine Anwaltskanzlei in der hessischen Landeshauptstadt wegen Gefangenenbefreiung, Amtsanmaßung und Urkundenfälschung. Von dort soll im Juni ein gefälschter Beschluss des Landgerichts Regensburg gefaxt worden sein, wonach Mollath umgehend freizulassen sei. Die Forensische Klinik Bayreuth bereitete daraufhin zunächst die Entlassung vor. Dem Fälscher droht eine mehrjährige Haftstrafe.

Nach einem Bericht des „Wiesbadener Kuriers“ bestreitet der Anwalt, Urheber der Fälschung zu sein. Ein Mandant, der dem Justizopfer Mollath habe helfen wollen, habe darum gebeten, spätabends aus der Kanzlei Leserbriefe zu dem Fall faxen zu dürfen. Dem Anwalt sei erst später klargeworden, dass die Fälschung über sein Gerät gelaufen sei.

Justizministerin Merk hatte sich in den vergangenen Monaten immer wieder gegen Kritik wehren müssen, sie habe im Fall Mollath viel zu spät reagiert. Im Untersuchungsausschuss Mitte Juni hatte sie gesagt, dass von Untätigkeit oder Versäumnissen ihrerseits oder ihres Ministeriums keine Rede sein könne. Als es im November 2012 „massive Zweifel an tragenden Feststellungen“ im Gerichtsurteil gegen Gustl Mollath gegeben habe, habe sie innerhalb einer halben Stunde einen Wiederaufnahmeantrag angeordnet. Vorher sei dies nicht möglich gewesen. Zu den erneuten Vorwürfen wollten am Freitag weder Merk noch das Ministerium Stellung nehmen.

Mollath stellte in der TV-Talkshow am Donnerstagabend das System der psychiatrischen Begutachtung infrage. Ob er im Rahmen des Wiederaufnahmeverfahrens seinen Geisteszustand begutachten lasse, sei noch unklar. „Wenn ich mich begutachten lasse, dann muss sicher sein, dass das auf wissenschaftlicher und objektiver Grundlage passiert“. Auf jedem Fall müsse er dem Gutachter vertrauen. „Und das ganze Begutachtungsverfahren muss in Wort und Bild aufgezeichnet werden.“

Gustl Mollath zu Gast bei "Beckmann"

Gustl Mollath zu Gast bei "Beckmann"

Sein Anwalt Gerhard Strate erklärte hingegen in der Talkshow, er rate seinem Mandanten davon ab, „weil ich das nicht für notwendig halte“. Er gehe ohnedies davon aus, dass das Gericht in dem Wiederaufnahmeverfahren auf ein solches psychiatrisches Gutachten verzichten werde: „Ohne der Regensburger Kammer zu nahe treten zu wollen, gehe ich davon aus, dass das Gericht versuchen wird, sich in dem Fall rasch davonzustehlen und nicht erst mit einem Gutachten kommen wird.“ Das Ganze werde ein relativ kurzer Prozess werden. Mit dem Beginn des Wiederaufnahmeverfahrens rechnet Strate bis Ende des Jahres.

dpa

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