Harald Schmidt hinterlässt Stirnrunzeln statt Lachfalten

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Harald Schmidt

Köln - Etwas Schweinegrippe und Osama bin Laden, viele Attacken gegen Politprominenz, Seitenhiebe auf Kulturbetrieb und Medien: So verlief das TV-Comeback von „Dirty Harry“.

Das Rezept für die Late-Night-Premiere von “Harald Schmidt“ am Donnerstagabend war eine wilde Mischung - mal mit Pfeffer, oft aber auch fade, manchmal geschmacklos. Schmidt hatte vollmundig angekündigt, in der neuen ARD-Show alle Erwartungen zu übertreffen, Genicke zu durchbeißen, Blut zu trinken.

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Ein paar köstliche Häppchen waren dabei, ein durchweg satirischer Genuss wurde die 45 Minuten- Show aber nicht. Harald Schmidt betritt das Studio mit gestutztem Vollbart, legt los mit dem Bundestagswahlkampf. “Ich finde, einmal hat es richtig gefunkt in diesem Wahlkampf: Das war die Landung von Müntefering“, sagt er zur durchstandenen Notlandung des SPD-Chefs am Stuttgarter Flughafen. Zum TV-Duell mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und SPD- Herausforderer Frank-Walter Steinmeier spottet der 52-Jährige in seinem Kölner Studio: “Wenn er das Wahlduell noch gesehen hätte, hätte Michael Jackson kein Propofol gebraucht.“

FDP-Chef Guido Westerwelle kriegt sein Fett weg, ebenso der zurückgetretene CDU- Ministerpräsident Dieter Althaus, “Geist im Landtag von Thüringen“. Zwischendurch kommt der Zyniker - nach “Schmidt & Pocher“ nun für zwei Jahre wieder solo im Ersten am Start - in Fahrt, dank eines eingespielten Versprechers von Sigmar Gabriel (SPD): “Und in der Tat: Nicht geborene Mütter kriegen nicht geborene Frauen“, sagt der Umweltminister da.

Schmidt lässt auf der Zunge zergehen: “Wie viel Unterhaltsanspruch haben ungeborene Mütter mit nicht geborenen Frauen und ab wann hat das ungeborene Kind einer nicht geborenen Mutter das Recht auf einen Ganztagsbetreuungsplatz?“ Nicht jedermanns Geschmack: Der Bundeswehr-Einsatz in Afghanistan ist in der Show “für die einen Krieg, für die anderen eine Art Hausaufgabenbetreuung mit Maschinenpistolen“. Wirr statt witzig: “Der Befehl zur deutschen Einheit kam unmittelbar aus einer Höhle in Afghanistan.“ Der Late-Night-Talker zeigt dazu einen Einspieler, in dem El-Kaida-Terrorist Osama bin Laden eine Botschaft verliest.

Der Ton dazu: “Mister Gorbatschow, open this gate, tear down this wall.“ Der Appell, den der amerikanische Präsident Ronald Reagan 1987 am Brandenburger Tor an den Präsidenten der Sowjetunion richtete. Die als Spitzenteam angekündigte Mannschaft Schmidts meldete sich im Studio oder in eingespielten Kurzfilmen zu Wort, blieb aber eher blass im Hintergrund. Unter der Rubrik “überflüssig“ rangiert der Beitrag über den imaginären Bruder von Journalist Peter Scholl- Latour, der von Harald Schmidt als Kriegsveteran gespielt wird. Auch Gespräche mit “Experten“ zu Themen aus der Kunstwelt hinterlassen Stirnrunzeln statt Lachfalten.

Über den “Schweinegrippen-Journalismus“ wird in der Premiere noch gelästert, über Internet-Wahn, die private TV-Konkurrenz. Harald Schmidt rückt anderen wie gewohnt dicht auf die Pelle, für ihn selbst gelten aber in der Show andere Maßstäbe: Journalisten hält er lieber auf Distanz, bei der Aufzeichnung ein paar Stunden vor der ersten Show mussten alle Medien draußen bleiben. 

dpa

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