Tatort-Kritik: Griff ganz nach unten in die Kiste

Wenn ein Regisseur so verzweifelt ist, dass er schon in den ersten Szenen unheilvoll krächzende Krähen bedeutungsschwanger durchs Bild flattern lassen muss, um wenigstens ein bisschen Spannung aufzubauen, sollte man einen Krimi eigentlich gleich wieder abschalten.

Bei Alfred Hitchcock mögen diese schwarzen Gesellen einst Gänsehaut erzeugt haben – im aktuellen Leipziger „Tatort“ (ARD) mit dem Titel „Falsches Leben“ wirken sie allenfalls albern.

Leider ist Regisseur (und „Schimanski“-Erfinder!) Hajo Gies über diesen Griff ganz nach unten in die Trickkiste der filmischen Effekte hinaus tatsächlich rein gar nichts mehr eingefallen, um dem sperrigen Drehbuch von Andreas Pflüger Leben einzuhauchen. Leidenschaftslos lässt er eine Klischeefigur nach der anderen aufmarschieren – vom bankrotten, korrupten Auktionshausbesitzer, der über Leichen geht, um seinen Besitz zu wahren, über den freudig gewaltbereiten Ex-DDR-Bullen, der nun ein dubioses Boxstudio betreibt, bis hin zur ehemals vom SED-Regime gefolterten Intellektuellen mit ewig gequältem Blick.

Eindimensionale Figuren, die hölzerne Dialoge abspulen, ohne der Brisanz der Frage nach Unrecht und Schuld in der ehemaligen DDR auch nur annähernd gerecht zu werden. Schade um das eigentlich so sympathische Ermittlerpaar Keppler (Martin Wuttke) und Saalfeld (Simone Thomalla), das vergeblich gegen die gähnende Langeweile der Story ankämpft. Man kann sich seine Fälle halt nicht aussuchen – nicht mal als Fernsehkommissar...

Melanie Brandl

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