Tatort-Kritik: Kommissare im Wandel

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Mehr als nur Kollegen: Max Ballauf (Klaus J. Behrendt) und die Polizeipsychologin Lydia Rosenthal (Juliane Köhler).

Köln - In ihrem aktuellen Fall "Keine Polizei" stochern die "Tatort"-Kommissare bei ihren Ermittlungen zunächst ziellos umher. Die Spannung sinkt, die Verwirrung steigt. Das Ende aber überrascht trotzdem.

So orientierungslos das Leben des ehemaligen Opfers seit der Entführung vor vier Jahren geworden ist, so ziellos stochern auch die „Tatort“-Kommissare in „Keine Polizei“ beim aktuellen Kidnappingfall mit ihren Ermittlungen lange erst einmal im Kölner Nebel. Die Folge: Die Spannung sinkt, die Verwirrung steigt. Das Ende aber überrascht trotzdem. Auch, weil dieser Weg zwangsläufig Neues mit sich bringt.

Das Ermittlerduo Max Ballauf (Klaus J. Behrendt) und Freddy Schenk (Dietmar Bär) kennt das Terrain gut: Sie wühlen in Bauunternehmer-Kreisen, und mal wieder hält nur ein Kind eine Ehe aufrecht. Dieses wird entführt – der Täter von heute ist das Opfer von einst. Die Mischung aus Bekanntem macht das Neue, und eigentlich auch das Spannende. Wäre da nur nicht die anfangs zähe Inszenierung.

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Zu lange nämlich jongliert Regisseur Kaspar Heidelbach mit zu vielen Nichtigkeiten herum. Zu lange geben Magengeschwüre und ähnlicher Schnickschnack den Ton an. Doch konzentriert Heidelbach sich auf die zwischenmenschlichen Probleme und werden diese in bewährter Kölner Manier elegant mit dem Fall verwoben, wird es interessant. Dann darf auch das hochkarätig besetzte Ensemble auftrumpfen, mit trockenen Pointen oder mit einem deftigen Schlagabtausch wie der zwischen dem wutschnaubenden Kommissar Ballauf und dem arrogant-kühlen, fremdgehenden Opfer-Vater (Thomas Heinze). Und Ulrike Grote zeigt herzzerreißend eine bereits um den toten Sohn wissende Opfer-Mutter, die in die Rolle eines flehenden Polizei-Lockvogels schlüpfen muss.

Schon länger im Wandel sind die Kommissar-Figuren. Eine Frau – natürlich – (Juliane Köhler alias Lydia Rosenberg) ist schuld. Doch zum Glück ändern die Autoren (diesmal: Norbert Ehry) nur behutsam: So bleibt zwar die obligatorische Currywurstbuden-Schlusskonferenz erhalten, doch nehmen dieses Mal drei daran teil. Manchmal hat es also auch etwas Gutes, wenn Kommissar Ballauf orientierungslos ist.

Angelika Mayr

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