Eine Milliarde Zuschauer

Trickfiguren Lolek und Bolek werden 50

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Den beiden beliebten Zeichentrickfimfiguren Lolek und Bolek wurde ein eigenes Denkmal in Polen gewidmet.

Warschau - Die beliebten Trickfilm Figuren aus Polen treiben nun schon seit 50 Jahren ihre Späße. Und sind immer noch beliebt wie eh und je.

Dunkle Knopfaugen, vergnügtes Lachen, abstehende Ohren - mit ihren Reisen und Abenteuern begeisterten Lolek und Bolek Kinder in aller Welt - und das schon seit 50 Jahren. Die Zeichentrickfilmfiguren sind seit 1963 einer der erfolgreichsten Fernseh-Exporte Polens, über alle politischen und ideologischen Grenzen hinweg. Jetzt wird an der Geburtsstätte im südwestpolnischen Bielsko-Biala offiziell der 50. Geburtstag gefeiert.

Im Kinderprogramm der DDR waren sie ebenso zu sehen wie im westdeutschen Fernsehen. Selbst als nach der Revolution im Iran die meisten Animationsfilme aus dem iranischen Fernsehen verbannt wurden, fanden Lolek und Bolek Gnade bei der strengen radikalislamischen Geistlichkeit. Vorübergehend wurde das Brüderpaar von der polnischen Schwulenbewegung als Maskottchen „adoptiert“.

Drei Generationen freuen sich mit Lolek und Bolek

Die ersten Fans von Lolek und Bolek, die von 1963 an in Polen und bald darauf in sozialistischen Bruderländern wie beim westlichen Klassenfeind die Abenteuer der Brüder verfolgten, sind längst Eltern oder gar Großeltern. Lolek und Bolek hingegen haben anders als die Fans der ersten Stunde nach wie vor weder Falten noch graue Haare, dafür aber eine Facebook-Fanseite und sind auf Youtube zu sehen. Auch in Indien oder Deutschland gibt es Lolek-und-Bolek-Kindergärten oder -Grundschulen, an ihrem „Geburtsort“ Bielsko Biala steht seit gut zwei Jahren ein Denkmal der beiden Brüder.

Andrzej Orzechowski, Direktor des Zeichentrickfilm-Studios im südwestpolnischen Bielsko-Biala schätzt, dass ungefähr eine Milliarde Menschen die meist fünf bis zehn Minuten langen Filme von Lolek und Bolek sahen. „Das war der größte kommerzielle Erfolg des Studios und des polnischen Trickfilms überhaupt“, sagt er. „Die Serie ging in weltweit mehr als 80 Länder und die Figuren werden auch heute noch erkannt.“

Leuchtende Augen auf beiden Seiten des Eisernen Vorhangs

In einer Zeit, in der die meisten Grenzen für die Polen verschlossen waren, reisten Lolek und Bolek durch die Welt, lernten interessante Menschen und Orte kennen und stritten sich, wie Geschwister das eben so tun. Ohne Ideologie oder Gewalt gerieten sie nie unter Propaganda-Verdacht - ein Schlüssel ihres Export-Erfolgs. Der Forderung nach einer Figur, mit der sich auch Mädchen identifizieren konnten, konnten sich die Filmemacher aber nicht entziehen: Von 1973 an gingen Lolek und Bolek in 30 Episoden mit ihrer Freundin „Tola“ auf Abenteuer und Reisen.

„Vater“ von Lolek und Bolek war der polnische Regisseur Wladyslaw Nehrebecki. Vorbild für seine Zeichentrickfiguren waren seine eigenen Söhne Jan und Roman, damals zwölf und zehn Jahre alt. „Wir waren recht lebhaft“, erzählte Roman Nehrebecki der polnischen Nachrichtenagentur PAP. „Unser Vater hat uns beobachtet, und manche Situation sahen wir dann auf der Leinwand wieder.“

Doch Nehrebecki war nur einer der drei künstlerischen Väter von Lolek und Bolek - auch die Zeichner Leszek Lorek und Alfred Ledwig gehören zu den Schöpfern der Serie. Nach dem Ende des Kommunismus sorgte ein mehr als 30 Jahre langer Rechtsstreit um Urheberrechte und Tantiemen dafür, dass Loleks und Boleks Abenteuer jahrelang nicht im polnischen Fernsehen gezeigt werden konnten. Inzwischen sind allerdings mehrere Bücher mit neuen Erlebnissen der Brüder veröffentlicht worden.

dpa

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