Was haben die Zuschauer gegen diesen Kommissar?

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Mehmet Kurtulus ermittelt seit 2008 als Cenk Batu

Hamburg - Der Hamburg-Tatort mit Mehmet Kurtulus als Undercover-Ermittler Cenk Batu hatte am Sonntag wieder eine schlechte Quote. Woran liegt's? Die Einschätzung eines Experten.

Die Zuschauer hatten am Sonntagabend die Wahl: Im Ersten lief der vierte Hamburg-Tatort mit Mehmet Kurtulus als Undercover-Ermittler Cenk Batu. Das ZDF setzte die Komödie Tante Inge haut ab dagegen, mit Gaby Dohm in der Hauptrolle. 7,42 Millionen Menschen entschieden sich für die ewige Schwester Christa aus der Schwarzwaldklinik; 6,83 Millionen für den rasanten Krimi. Damit musste sich der Tatort geschlagen geben – was insgesamt gesehen äußerst selten vorkommt, bei den Fällen aus Hamburg aber keine Neuigkeit ist.

Ein Blick ins Archiv zeigt: Schon der erste Tatort-Auftritt von Kurtulus im Oktober 2008 (Auf der Sonnenseite) lief mäßig. 7,07 Millionen schauten damals zu – für eine Premiere wenig, denn da schalten meistens ein paar Zuschauer mehr ein, schon aus reiner Neugier. Im April 2009 musste sich der zweite Film (Häuserkampf) mit 5,86 Millionen Rosamunde Pilcher geschlagen geben. Der dritte Batu (Vergissmeinnicht) lief im März 2010. 7,63 Millionen sahen zu – das beste Ergebnis für Kurtulus, aber immer noch schwächer als die meisten anderen Tatort-Ermittler, die – wie vergangene Woche Simone Thomalla – manchmal sogar nah an der Zehn-Millionen-Grenze liegen. In Umfragen zu den beliebtesten TV-Kommissaren kommt Mehmet Kurtulus zudem auch sehr schlecht weg.

Woran liegt’s? Was haben die Zuschauer gegen den Mann aus Hamburg, dessen Filme von der Kritik durchaus positiv beurteilt werden? Die tz hat bei François Werner nachgefragt, der die größte Fanseite im Internet (www.tatort-fundus.de) betreibt. „Ich persönlich mag die Tatorte mit Mehmet Kurtulus“, betont Werner. „Aber er bricht mit gewissen ,Tatort-Regeln‘, und offensichtlich schätzen das die Leute nicht so sehr.“

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Ein klassischer Tatort habe zu Beginn eine Leiche, dann wird ermittelt. Wo waren Sie? Wer kann das bezeugen? In welcher Beziehung standen Sie zu dem Toten? Solche Fragen hört man aus dem Mund von Cenk Batu nicht. In dem Film am Sonntag gab es überhaupt keine Leiche. „Die Filme sind ganz auf den Ermittler zugeschnitten“, sagt Werner. „Batu ist wahnsinnig präsent, er kommt in fast jeder Szene vor. Das mag manchem zu viel sein.“ Nebenschauplätze wie ein Familienleben – Fehlanzeige. Mal ein Witz wie bei Thiel und Börne aus Münster (einem der beliebtesten Teams …) – in Hamburg nahezu undenkbar.

Hinzu komme die andere Machart der Filme. „Der Hamburg-Tatort hat manchmal was von CSI oder anderen amerikanischen Serien“, sagt Werner. Schnelle Schnitte und ungewöhnliche Kamerafahrten – das würden die Zuschauer von deutschen Produktionen weniger kennen. Außerdem seien die Filme mit Batu unberechenbarer. „Bei den Münchner Kommissaren zum Beispiel, da wissen die Leute, was sie erwartet. Das ist in Hamburg anders.“

Spielt es auch eine Rolle, dass Cenk Batu türkischer Herkunft ist? „Schwer zu sagen“, so Werner. „Unter Umständen gibt es Zuschauer, die Berührungsängste haben, aber das ist eine reine Vermutung.“

Für sechs Folgen hat Mehmet Kurtulus einen Vertrag als Tatort-Ermittler unterschrieben. Vier sind gesendet. Im Sommer soll der nächste gedreht werden. Wenn die Quote nicht besser wird, ist eine Fortsetzung nach Informationen der tz unwahrscheinlich.

Thy

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