Zermürbende Verhöre: Tatort-Kritik zu "Familienbande"

Köln - Er hält nicht so recht, was er anfangs verspricht, der neue „Tatort“ aus Köln. Die TV-Kritik zu "Familienbande" lesen Sie hier:

Der Einstieg knistert noch vor Spannung: eine nervenaufreibende Suche mit Hunden im Nebel, die die Polizei und die Eltern zur Leiche eines neunjährigen Buben bringt. Der Zuschauer kann – wie die Eltern – nur hinter den Ereignissen herstolpern.

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Wieder beschäftigt der gewaltsame Tod eines Kindes die Ermittler. Dass der eigentliche Mord erst gegen Ende passiert, führt „Familienbande“ (ARD) in eine längere Durststrecke. Nach dem spannenden Einstieg wechselt Regisseur Thomas Jauch zu einem langsamen Tempo. Die vielen Verhörszenen sind bisweilen zermürbend, nicht nur für Ermittler und Verdächtige. Wegen des fehlenden Motivs versuchen Ballauf (Klaus J. Behrendt) und Schenk (Dietmar Bär) regelrecht eine Tötungsabsicht zu konstruieren, was sie ungewohnt hart und unsensibel erscheinen lässt. Der düstere Grundton zieht sich durch das Geschehen. Dieser Tatort lebt von Dialogen statt von Handlung, von lautlosen Gesten, verzweifelten Umarmungen, von Bildern der Isolation.

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Die Autoren Hans Werner und Peter Goslicki spielen mit der Doppeldeutigkeit des Titels „Familienbande“: Das Verbindende in der Familie ist durch den Tod des Sohnes endgültig verloren. Der Krimi handelt von zerrütteten Beziehungen, von Verzweiflung und Eifersucht – und von der Angst vor Einsamkeit. Einer Einsamkeit, der die Personen nicht entgehen können. „Da muss jetzt jeder für sich allein trauern“, erkennt Ballauf richtig. Der Schluss mit den vereinten Eltern vor Marks Grab wirkt da unpassend optimistisch.

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Elisa von Grafenstein

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