Naturpark Meißner seit einem halben Jahr ohne Wacholdermann 

Berkatal. Elf Jahre lang war er das Maskottchen des Heimat- und Verkehrsvereines Berkatal: Udo Nahrwold, der als Berkataler Wacholdermann über die Kripp- und Hielöcher gewacht hat. Seit Nahrwold Ende vergangenen Jahres aufgehört hat, suchen die Verantwortlichen des Naturparks nach einem Nachfolger.

Der neue Wacholdermann müsse jemand sein, der nicht auf den Mund gefallen ist, erklärt Andrea Imhäuser vom Naturpark. „Der Wacholdermann hat ein lockeres Mundwerk. Das kann niemand sein, der Angst davor hat, vor Leuten zu reden“, sagt Imhäuser.

Ganz in ein Kostüm aus echten Wacholderzweigen gehüllt - auf den ersten Blick ist er gar nicht von einem Wacholderstrauch zu unterscheiden. Nun muss er so lange stillstehen, bis die Wandergruppe, die seinen Auftritt gebucht hat, vorbeikommt. Dann erschreckt er die Gruppe, um sie danach mit einem Wacholderschnaps wieder zu beruhigen.

Woran könnte es liegen, dass seit einem halben Jahr niemand die Wachwolder-Wache übernehmen möchte? Hat es etwas damit zu tun, dass es unter dem Kostüm zu heiß ist? Im Sommer schwitzt man vermutlich stark unter dem grünen Gestrüpp. Oder liegt es gar daran, dass man in diesem Job zu viel Schnaps trinken muss? Eine andere Erklärung hat Anja Laun vom Naturpark: Es sei schwierig, jemanden zu finden, weil es ein Ehrenamt sei und viele Termine am Wochenende liegen.

„Jemand, der berufstätig ist, kann das gar nicht schaffen“, sagt Laun. Vielleicht traue sich den Job auch niemand zu, vielleicht habe Udo Nahrwold seine Rolle auch einfach zu gut gespielt, so dass sich niemand in seine Fußstapfen wage.

„Ich persönlich fände es glaubwürdiger, wenn er die Leute mit einer tiefen Stimme anschnauzt.“

Andrea Imhäuser, Naturpark Meißner

Der neue Wacholdermann müsse nicht zwingend wieder ein Rentner mit weißem Rauschebart sein, erklärt Imhäuser. „Wobei ich persönlich es schon glaubwürdiger fände, wenn er die Leute mit einer tiefen Stimme anschnauzt.“ Grundsätzlich könne sie sich aber auch einen Studenten in der Rolle vorstellen – „oder vielleicht auch mal eine Wacholderfrau – warum denn nicht?“

Die Führung durch die Hie- und Kripplöcher werde weiterhin angeboten und sei auch ohne Wacholdermann sehenswert, sagt Laun. Dennoch gebe es Wanderer, die Nahrwold als Wacholdermann kennen, vermissen und nach ihm fragen.

Für das Ehrenamt des Wacholdermanns gibt es eine Aufwandsentschädigung, eine hauptberufliche Tätigkeit ist es nicht. Die Arbeitszeiten richten sich danach, wann die Besucher ihre Wanderungen buchen.

Von Marc Hörcher

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