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Ein Tag mit einem ambulanten Pflegedienst im Werra-Meißner-Kreis

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Von: Eden Sophie Rimbach

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Freundlich und zugewandt begegnet Kerstin Möller den Klienten, die sie zuhause besucht. Hier verbindet sie gerade die Beine der 86-jährigen Christel Claus. Beide unterhalten sich dabei.
Freundlich und zugewandt begegnet Kerstin Möller den Klienten, die sie zuhause besucht. Hier verbindet sie gerade die Beine der 86-jährigen Christel Claus. Beide unterhalten sich dabei. © Eden Sophie Rimbach

Täglich sieht man Kleinwagen unterschiedlicher ambulanter Pflegedienste auf den Straßen des Werra-Meißner-Kreises. Doch wie sieht die Arbeit am Patienten aus? Wir haben die Pflegefachkraft Kerstin Möller begleitet.

Ringgau/Weißenborn – Die erste Tour liegt schon hinter Kerstin Möller, als sie gegen 7:30 Uhr wieder beim Gebäude der Diakonie Eschwege-Land in Datterode losfährt. Mit der Vorbereitung auf die anstehenden Einsätze beginnt ihr Tag, wenn sie Frühschicht hat, um 5:50 Uhr – gegen 6 Uhr ist sie beim ersten Klienten.

Immer mit einem Lächeln ist die 41-jährige Pflegefachkraft unterwegs. „Im Ambulanten ist eher so eine familiäre Stimmung“, sagt sie, mag die Arbeit mit Menschen, für die sie in mehreren Ortschaften unterwegs ist. Dass sie erst seit September hier arbeitet, merkt man nicht, wenn sie die Klienten erwarten und schnell persönliche Gespräche entstehen.

„Alle, die hierher kommen, sind immer nett und freundlich“, lobt ein 74-Jähriger, an dessen Tür Kerstin Möller schon vom Familienhund begrüßt wird. Mithilfe eins Sensors im Arm des Klienten liest sie dessen Blutzuckerspiegel ab und spritzt dem Mann Insulin. Beim Anlegen von Kompressionsstrümpfen und dem Kompressionsverband fragt sie noch einmal nach, was der jeweilige Klient bevorzugt. „Wir sind ja flexibel“, erklärt sie mit einem Lächeln.

Eingehen auf die Wünsche der Klienten

Die Präferenzen beim Anlegen von Verbänden kennt sie bei den Menschen, zu denen sie fährt. Ebenso weiß Kerstin Möller genau, wo die nötigen Utensilien jeweils bereitstehen, welche Türen in welcher Wohnung offen bleiben und welche geschlossen werden sollen und welcher Klient Pflaster und welcher Verbandklammern zum Befestigen des Kompressionsverbands bevorzugt.

Hand in Hand geht die Arbeit, wie beide betonen, bei einer 75-Jährigen. Noch bevor Kerstin Möller selbst danach greifen kann, reicht sie ihr die Klammern. „Gut, dass wir unsere Diakonie haben“, sagt die Frau. Sie berichtet davon, wie ihr Großvater einst mit wenigen Mitteln von der Familie gepflegt werden musste, weil es zu der Zeit noch keine Alternative gegeben habe. Zum Begleiten einer Pflegefachkraft sagt die 75-Jährige: „Dann werden Sie auch merken, dass die Arbeit nicht genug wertgeschätzt wird.“

Kerstin Möller erklärt, dass sie die Arbeit in der Pflege schon immer interessant gefunden habe. Ihre Mutter hat ebenfalls in der Pflege gearbeitet. Nach einem Praktikum entschied sich auch Kerstin Möller dafür, arbeitete zunächst ein Jahr als Pflegekraft. „Dann habe ich mit 38 noch mal durchgestartet “, erinnert sie sich und schmunzelt. Nach einer Zeit in einem Pflegeheim kam sie durch ein Wechselpraktikum zur Diakonie und war schnell begeistert.

Touren für Pflegekräfte und Pflegefachkräfte unterteilt

Ende August hat sie die dreijährige Ausbildung zur examinierten Altenpflegerin (inzwischen Pflegefachkraft) abgeschlossen. Bei der Diakonie Eschwege-Land sind die Touren für Pflegekräfte und Pflegefachkräfte eingeteilt.

Während die Pflegekräfte ohne oder mit einjähriger Ausbildung Arbeiten ohne medizinischen Anteil übernehmen, sind Pflegefachkräfte unter anderem für Dinge wie das Spritzen von Insulin, das Legen von Kathetern, das Wechseln von Verbänden, das Verabreichen von Medikamenten und die Stoma-Versorgung zuständig.

Nachdem Kerstin Möller bei allen Klienten dieser Tour, denen Insulin gespritzt werden muss, gewesen ist, gehört auch die Fahrt zum Arzt und zur Apotheke zu ihrem Job. Wie sie erklärt, müssen bei der Gabe von Insulin bestimmte Zeiten eingehalten werden. Bei Klienten, die beispielsweise einen neuen Kompressionsverband benötigen, sei das anders.

Aufgaben enden nicht bei den Klienten zuhause

Generell bringt der Pflegedienst mittwochs alle Rezepte zur Apotheke und holt die Medikamente am Donnerstag ab. Wenn Klienten es selbst nicht mehr übernehmen können, stellen die Mitarbeiter ihre Medikamente nach Plan zusammen und bringen sie bei jedem Besuch mit. Beispielsweise bei Augentropfen oder Verbandsmaterial müssen sie ebenfalls darauf achten, es rechtzeitig nachzubestellen.

Für die Einnahme ihrer Medikamente und die Gabe von Augentropfen besucht Kerstin Möller eine 83-Jährige. „Sie sind immer hilfsbereit und sie sind immer da“, sagt die Frau über den Pflegedienst. Morgens kommen Mitarbeiter für die Körperpflege zu ihr, danach und gegen Abend für die Medikamente.

Zusätzlich kümmert sich die Hauswirtschaft der Diakonie Eschwege-Land um ihren Einkauf. In aller Ruhe ergibt sich ein Gespräch über aktuelle Themen und den Wohnort der Frau.

Im Einsatzgebiet verwurzelt

Kerstin Möller stammt gebürtig aus Holzhausen und lebt in Netra. Die Region kennt sie, hat die Touren im Kopf. Sie verrät, dass sie gern zu den Menschen ins Haus kommt, sich auf der Fahrt schon gedanklich auf den Nächsten einstellen kann. Einige der Klienten kennt sie durch ihren Wohnort oder sie haben ihr das Du angeboten – die anderen siezt die Pflegefachkraft.

Name des Klienten, die Startzeit und das, was von Medikamentengabe bis hin zur Wunddokumentation gemacht werden muss: Das wird mithilfe einer Funktion auf den Handys festgehalten. Auch der Weg zu Arzt und Apotheke steht auf dem Handy.

Bei der nächsten Klientin kümmert sich Kerstin Möller um die Stoma-Versorgung. „Darf ich mal gucken nach dem Bauch?“, fragt sie ruhig, beginnt dann mit dem Wechsel des Beutels. Mit einer externen Stoma-Expertin arbeitet der Pflegedienst hierfür zusammen. Die Pflegefachkräfte müssen es allerdings erkennen, wenn ein Problem vorliegen sollte.

Dokumentation ist ein großer Bestandteil der ambulanten Pflege

Als angenehm beschreibt die 78-Jährige, die den Dienst seit einem Jahr in Anspruch nimmt, die Arbeit mit den Mitarbeitern der Diakonie Eschwege-Land.

Zugewandt und herzlich begegnet die Pflegefachkraft allen acht Klienten und deren Angehörigen. Mit der Kamera und einer Liste, in die sie Zahlen und Striche einträgt, hält sie fest, wie sich die Wunden eines Mannes entwickeln. Sie erklärt, dass Verbände an drei Tagen in der Woche gewechselt werden.

Es muss schon ein richtiges Vertrauensverhältnis da sein.

Kerstin Möller

„Erst mal muss alles dokumentiert werden“, berichtet sie schon bei der Ankunft in der ersten Wohnung. Die Mitarbeiter führen eine Mappe, die bei jedem Klienten zuhause liegt. Manchmal wird sie zur weiteren Arbeit mit auf die Station genommen. Die Dokumentation zu jedem einzelnen Klienten geht am Computer weiter.

Pflegefachkräfte werden auch beratend tätig

Wichtig ist zudem die Absprache mit den Ärzten. Auch bei einem medizinischen Notfall müssen die Mitarbeiter sofort reagieren, den Arzt oder Krankenwagen rufen. Kerstin Möller betont, dass es für die Arbeit von Pflegefachkräften besonders wichtig ist, Symptome zu erkennen und entsprechend zu handeln.

Wichtig ist zudem die Beratung von Klienten und ihren Angehörigen, um Krankheiten vorzubeugen. Wenn ein Klient zu wenig trinkt oder sich zu wenig bewegt, sprechen die Pflegefachkräfte das an, wie die 41-Jährige erklärt.

„Wir achten dann auch auf Gestik und Mimik“, antwortet sie auf die Frage, wie sich die Arbeit mit Menschen gestaltet, die ihre Bedürfnisse nicht mehr mitteilen können. Bei einer 82-Jährigen versorgt Kerstin Möller eine Wunde am Fuß. Der Ehemann und die Tochter helfen mit. Dreimal wöchentlich wird die Wunde versorgt. Abgesehen vom Pflegedienst am Morgen und Abend übernimmt der 80-Jährige die Pflege seiner Ehefrau selbst, wie er erklärt.

Zeitliche Vorgaben durch die Krankenkassen

Anhand der Gespräche wird schnell deutlich, dass sich Klienten und Angehörige gern mit der Pflegefachkraft unterhalten. Kerstin Möller weiß, dass einige Menschen sich sehr auf den Besuch der Diakonie freuen.

Zeitliche Vorgaben pro Aufgabe gibt es vonseiten der Krankenkasse. Doch die 41-Jährige sagt, dass es vonseiten der Diakonie in Ordnung sei, wenn ein Besuch einmal länger dauere.

Man könne in ihrem Beruf flexibel arbeiten und müsse selbst Verantwortung übernehmen. Kerstin Möller lächelt und sagt über ihren Alltag: „Es ist immer abwechslungsreich im ambulanten Dienst.“

Von Eden Sophie Rimbach

So arbeiten die Pflegeteams der Diakonie Eschwege-Land

Als Pflegefachkraft ist Kerstin Möller eine von 95 Mitarbeitern der Diakonie Eschwege-Land. Fünf Teams gibt es in der ambulanten Pflege. Aufgeteilt sind sie in die Bereiche Herleshausen, Meißner-Berkatal, Ringgau und Weißenborn, Sontra und Waldkappel. Trotz der Aufteilung arbeiten die Teams zusammen. Wenn beispielsweise ein Mitarbeiter in Herleshausen ausfällt, kann einer aus einem der anderen Teams einspringen.

Bei etwa 16 Menschen ist Kerstin Möller in einer Schicht. Zwischenstopps für die Pausen gibt es in Datterode. Da der Bereitschaftsdienst der Diakonie Eschwege-Land rund um die Uhr erreichbar ist, sind die Mitarbeiter während ihrer Arbeitszeit und einer zusätzlichen Bereitschaftszeit erreichbar. Die große Rufbereitschaft prüft bei einem Notfall, welcher Mitarbeiter zum jeweiligen Ort gerufen werden kann.

Die Diakonie Eschwege-Land bietet mit ihrer Gemeindepflegestation seit 1996 ambulante Pflegedienstleistungen an. Diese sind mobil und unabhängig von der Konfession der Klienten.

esr

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