MONTAGSINTERVIEW

Friedrich Andreae (AfD) fordert das Ende der Lethargie: „Bürger müssen aufstehen“

Führender Kopf der AfD im Werra-Meißner-Kreis: Friedrich Andreae aus Witzenhausen ist seit 2013 Mitglied der Alternative für Deutschland. Bis Juni war er Vorsitzender und Sprecher der AfD im Kreis.
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Führender Kopf der AfD im Werra-Meißner-Kreis: Friedrich Andreae aus Witzenhausen ist seit 2013 Mitglied der Alternative für Deutschland. Bis Juni war er Vorsitzender und Sprecher der AfD im Kreis.

Der Werra-Meißner-Kreis ist bisher der einzige Landkreis in Hessen, in dem die AfD weder im Kreistag noch in Kommunalparlamenten vertreten ist. In einigen Wochen läuft die Frist zur Meldung der Kandidaten für die Kommunalwahlen am 14. März 2021 ab.

Werra-Meißner – Für die AfD im Kreis wird die Zeit knapp, denn die Partei hat seit Juni keinen Vorstand mehr. Wir sprachen mit ihrem bisherigen Sprecher und Vorsitzenden im Kreis, Friedrich Andreae aus Witzenhausen.

Im Juni hat sich der Vorstand der AfD im Werra-Meißner-Kreis aufgelöst. Was ist passiert?

Wir hatten gewisse Differenzen innerhalb der Partei. Man kann nicht einen gemeinsamen Plan haben und wird dann in den eigenen Reihen ausgebremst. Deshalb hat der Vorstand die Auflösung beschlossen, um sich dann dem Votum der Mitglieder zu stellen.

Hat sich in der AfD im Kreis der Konflikt der AfD auf Bundesebene zwischen dem sogenannten „Flügel“ um Björn Höcke und dem Bundesvorstand widergespiegelt?

Nein, überhaupt nicht. Aber für mich war es immer wichtig, in der Region Präsenz zu zeigen und den Bürgern deutlich zu zeigen, wer wir sind. Es gibt zwar Leute, die AfD-Ideen propagieren, aber nicht wirklich dahinterstehen. Man kann den Menschen nicht in den Kopf schauen, deshalb sind bei uns auch Leute gelandet, die wir eigentlich nicht wollten.

Bisher hat die AfD es nicht geschafft, einen neuen Vorstand zu wählen. Woran liegt das?

Aktuell ist unser einziges Problem, geeignete Räumlichkeiten zu finden, um überhaupt eine Mitgliederversammlung abhalten zu können. Sobald bestimmte Organisationen und Initiativen davon erfahren, werden wir beleidigt, bespuckt und bedroht. Wir haben jetzt Ende Oktober wieder einen Termin. Ich bin zuversichtlich, dass wir dann einen neuen Vorstand wählen und dann auch zügig unsere Listen für den Kreistag aufstellen können. Das muss bis Weihnachten erledigt sein, sonst wird es knapp.

Ist das zu schaffen und sehen Sie in der anstehenden Kommunalwahl eine Chance für die AfD, im Kreis einen Fuß in die Parlamente zu bekommen?

Ja, es gibt viele, die ihr Interesse signalisiert haben, auch gute junge Leute. Ich hoffe, dass sich ein Team zusammenfindet, das handlungsfähig ist. Außerdem gibt es eine ganze Reihe Menschen, die gern bei uns mitarbeiten würden, aber öffentliche und berufliche Repressalien fürchten.

Mit dem Ausstieg von AfD-Gründungsköpfen wie Bernd Lucke und Frauke Petry hat die Partei eine Zäsur erlebt, die sie für viele Menschen nicht mehr wählbar macht?

Ich als jetzt einfaches Mitglied der AfD kann nur sagen, dass ich jede Form von Fremdenfeindlichkeit ablehne. Als Nachkriegskind habe ich die großen Fluchtbewegungen nach dem Zweiten Weltkrieg erlebt. Da waren 17 Millionen Menschen auf der Flucht. Wir haben nur etwas gegen völlig unkontrollierten Zuzug, wo niemand mehr weiß, wer eigentlich alles im Land ist.

Kann die AfD ihr Imageruder noch mal rumreißen?

Egal, wo eine Partei steht, wenn sie vom Volk gewählt wurde, muss sie auch demokratisch behandelt werden, solange sie verfassungsrechtlich nicht verboten wurde. Und wir sind Demokraten und stehen fest auf dem Boden des Grundgesetzes – ohne Wenn und Aber.

Bisher konnte die AfD gut Wähler anziehen, in dem sie die zum Teil diffusen Ängste der Menschen bedient hat. In der Corona-Krise allerdings zeigt sich, dass die Menschen lieber auf Bewährtes setzen?

Ich bin mir sicher, dass viele Umfragen einfach schlicht gefälscht werden. Aber den Umgang der Bundesregierung mit der Corona-Krise sehe ich kritisch.

Was würden Sie vorschlagen?

Das Gießkannenprinzip bei der Ausschüttung der Corona-Hilfen sollte sofort beendet werden. Davon profitieren vor allem große Firmen und Konzerne, für alle anderen ist es nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Besonders unterstützt werden sollten all jene Mittelständler, Kleinbetriebe und Freischaffende, die auf Publikum angewiesen sind und jetzt drohen ihre Existenz zu verlieren. Es kann nicht sein, dass Konzerne Milliarden einfahren, während beispielsweise die kleinen Autozuliefererbetriebe in die Pleite gehen.

Welche Punkte sieht die AfD in der Kreispolitik besonders kritisch?

Zum Beispiel die Verschwendung öffentlicher Gelder. Dazu gehört an vorderster Stelle der Neubau des Kreishauses. Das ist für mich ein Stefan--Reuß-Gedächtnisbau. Der Landkreis hat so viele leer stehende Immobilien, den Neubau hätte es nicht gebraucht.

Der Werra-Meißner-Kreis ist eine sehr ländlich geprägte Region. Wo sehen sie dessen Zukunft?

Ich bin gegen eine nachhaltige Naturzerstörung. Aber wenn ich sehe, dass wir zwar künftig auf Atomstrom aus Deutschland verzichten, ihn aber aus Frankreich beziehen und dafür ganze Wälder für riesige Windkraftanlagen abholzen, ist das eine Katastrophe. Bestes Beispiel ist der Windpark im Kaufunger Wald. Das gilt auch für die E-Mobilität. Das wird langfristig keinen Bestand haben. Was keiner sehen will, ist, dass es zwar punktuell weniger Abgasemissionen gibt, aber dafür einen immensen Ressourcenverbrauch an anderer Stelle fordert.

Wo wollen Sie im Kreis ansetzen?

Wir wollen die Bürger vor Ort hören, dafür sorgen, dass Verantwortliche in Regress genommen werden, statt das die Steuern erhöht werden. Das gilt zum Beispiel auch für das Thema Straßenbeiträge. Die Masse der Bürger ist leider lethargisch. Die Bürger müssen aufstehen, und zwar nicht erst, wenn ihnen der Stuhl unterm Hintern weggerissen wird. (Von Stefanie Salzmann)

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