„Moralisches Recht liegt bei uns“

Querelen rund um 1000-Jahr-Feier Herleshausens: Festausschuss bestreitet Existenz einer Schwarzen Kasse

+
So soll das Ortsjubiläum Herleshausens in Erinnerung behalten werden: Gesellig, gelungen, mit vielen Helfern, die Tausende Gäste begeisterten. Hier eine Szene des Stehenden Festzugs.

Die Mitglieder des Festausschusses Herleshausen möchten Stellung nehmen. Stellung zu den offensichtlichen Problemen zwischen ihnen, dem ehrenamtlichen Zusammenschluss, und der Gemeinde, die nach der jüngsten Gemeindevertretersitzung (wir berichteten) öffentlich wurden.

Der Gesamteindruck der Jubiläumsfeier, und darauf legen die Mitglieder des Festausschusses wert, solle davon unberührt bleiben: „Es war eine gelungene Zusammenarbeit und insgesamt ein tolles Festjahr.“ Probleme zwischen der Gemeindeverwaltung und dem Festausschuss seien lediglich im Herbst 2019 aufgekommen, als es um die Endabrechnung des Festes ging.

Das Verwahrgeldkonto

Im Jahr 2016 sei ein „Verwahrgeldkonto“ (eben das jüngst als „Schwarze Kasse“ bezeichnete Konto) durch die politische Gemeinde Herleshausen eingerichtet worden, erklärt Helmut Schmidt, Mitglied des Festausschusses. Eingezahlt worden seien hier im Laufe der Jahre Spenden, ein Überschuss aus einem Fest der Herleshäuser Vereine (3800 Euro) und auch Gemeindegeld (insgesamt rund 15 000 Euro), gedacht für das Ortsjubiläum. Außerdem wurde der Gemeinde die volle juristische Verantwortung übertragen. „Der Ort Herleshausen hat selbst keinen Ortsbeirat, der diese Funktion an Stelle der Gemeinde hätte ausfüllen können“, erklärt Helmut Schmidt.

Anmerkung: Der Festausschuss selbst ist kein eingetragener Verein, sondern ein reiner Zusammenschluss Freiwilliger – steht also selbst rechtlich in keiner Pflicht.

Die Überschüsse

Bis heute habe der Festausschuss keine Übersicht etwa über die Höhe der eingegangenen Spenden erhalten. Das begründe Bürgermeister Lars Böckmann mit dem Hinweis auf die Verpflichtung zur Einhaltung des Datenschutzes. „Wer spendet, der möchte auch einen Dank erhalten“, glauben dagegen die Mitglieder des Festausschusses.

Weiteres Problem: Die Höhe des Betrags auf dem Konto wie auch die Höhe des bei der Jubiläumsfeier insgesamt erzielten Überschusses seien dem Festausschuss unbekannt. „Der Bürgermeister hat uns keine Endabrechnung vorgelegt.“

Die Belege

Dass er eben das nicht könne, weil bis zum heutigen Tag trotz mehrfacher mündlicher und schriftlicher Aufforderung Belege fehlten – und zwar ausschließlich Einnahmenbelege – erklärte Lars Böckmann in der jüngsten Gemeindevertretersitzung. „Am 27. März sollte ein Gespräch zwischen Gemeindeverwaltung und den an der Abrechnung des Festwochenendes beteiligten Personen stattfinden, in dem nun endgültig geklärt werden sollte, welche Belege noch fehlen. Dieses Gespräch kam durch die Corona-Beschränkungen nicht mehr zustande“, sagt Achim Wilutzky vom Festausschuss. „Nun hätte aus unserer Sicht Bürgermeister Böckmann zunächst zu diesem verschobenen Gespräch einladen müssen, bevor er zu diesem Thema Punkte auf die Tagesordnung setzt.“

Die Umbuchung

Die dort von Bürgermeister Lars Böckmann geforderte Umbuchung des eingegangenen Geldes in den regulären Haushalt „werde unbestritten kommen“, so Achim Wilutzky weiter. „Das von ihm als ,Schwarze Kasse’ bezeichnete Konto (oder ,Verwahrgeldkonto’) hätte aber durchaus noch zwei weitere Monate ausgehalten.“

Wohl ist dem Festausschuss dabei allerdings nicht: „Wenn es in den gemeindlichen Haushalt gebucht ist, ist das gesamte Geld weg vom Fest. Es verschwindet im allgemeinen Haushalt und müsste neu veranschlagt werden – schwierig für eine Schutzschirmkommune“, sagt Helmut Schmidt. „Die Gemeinde hat die finanzielle Hoheit, aber das moralische Recht auf die Summe haben Festausschuss und Akteure“, glaubt Friedhelm Göpel.

Die Vision

Um Vorschläge gebeten, was mit dem überschüssigen Geld aus dem Jubiläumsfest im Sinne der Gemeinde geschehen soll, habe der Bürgermeister zwar – „aber ohne die Endabrechnung können wir auch keine Vorschläge machen“, klagt der Festausschuss. Die Vision der Mitglieder sei es, einen Verein „Zukunft Herleshausen“ zu gründen, für die Jugend des Ortes beziehungsweise die Generation ab 30. „Aus der Geschichte etwas Neues erschaffen – das ist eine Vorstellung, die uns in unserer ehrenamtlichen Arbeit über Jahre getragen hat“, sagt Ursula Rauschenberg.

Der Wunsch

Ganz klar: „Ein Ende der monatelangen Hängepartie, eine Endabrechnung des Ortsjubiläums und ein Schlussstrich“, wünschen sich die Mitglieder des Festausschusses Herleshausen für die kommenden Wochen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare