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Abzug verstopft: Wommener Storchenpaar muss umgesiedelt werden

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Ausgerechnet den Zentralschornstein des Margot-von-Schutzbar-Stiftes in Wommen haben sich die Störche Milchling und Margot als Brutstätte ausgesucht. 
Ausgerechnet den Zentralschornstein des Margot-von-Schutzbar-Stiftes in Wommen haben sich die Störche Milchling und Margot als Brutstätte ausgesucht.  © Rolf Semmelrodt

In Wommen brütet freudigerweise ein Storchenpaar. Ausgerechnet den Zentralschornstein des Margot-von-Schutzbar-Stiftes in Wommen haben sich die Störche als Brutstätte ausgesucht. 

Wommen – Storch Milchling fühlt sich wohl in Wommen. In steter Regelmäßigkeit fliegt er den Herleshäuser Ortsteil an; hat in den vergangenen drei Jahren sogar immer wieder erste Nestbauversuche unternommen. In diesem Jahr aber hat Milchling mehr vor: Mit immer und immer mehr Reisig kleidet er seinen Horst aus, in dem Gefährtin Margot bereits wartet. Immer höher und breiter wird der imposante Nestring – nur leider befindet sich die neue Bleibe direkt auf dem Zentralschornstein des Margot-von-Schutzbar-Stiftes.

Das Problem

Schon bald bemerkt Ursula Nölker, Leiterin des Margot-von-Schutzbar-Stifts, dass der Abzug des Blockheizkraftwerkes (BHKW) durch die Nestbau-Aktivitäten verdreckt. Störungen im Betriebsablauf sind nicht auszuschließen – im schlimmsten Fall droht gar ein Kohlenmonoxid-Rückstau. Der Ortsbeauftragte für Vogelschutz in Wommen, Horst Börner, nimmt die Sache in Augenschein; er unterrichtet auch den Storchenbeauftragten für den Werra-Meißner-Kreis, Rolf Semmelrodt, und die Untere Naturschutzbehörde (UNB). Einhellig wird beschlossen: Das Storchenpaar muss umgesiedelt werden.

Die Genehmigung

Bei einem kurzfristig anberaumten Termin bestätigt auch der zuständige Schonsteinfeger: Eine Umsiedelung von Milchling und Margot – im Übrigen benannt nach der letzten Besitzerin des Schlosses, Baronin Margot von Schutzbar genannt Milchling – brauchen eine neue Bleibe. Damit sind die Voraussetzungen für eine Ausnahmegenehmigung der UNB zur Umsiedlung der besonders geschützten Tiere gegeben – unter der Bedingung, dass eine aus fachlicher Sicht geeignete „Ersatzlebensstätte“ geschaffen wird.

Die Umsiedelung

Für die Storchenumsiedelung ist jetzt das Fachwissen Rolf Semmelrodts gefragt. In der näheren Umgebung wird ein Kunsthorst aufgebaut und das Material des natürlichen Storchennestes dort eingebaut. Schnelle Hilfe kommt aus der Gemeinde Meinhard, die unkompliziert einen solchen Kunsthorst zur Verfügung stellt. Bürgermeister Gerhold Brill hatte während der Ferienspiele im Jahr 2021 Kunsthorste bauen lassen.

Umsiedelung: Das Nistmaterial wird mit großem Gerät in einen Kunsthorst überführt.
Umsiedelung: Das Nistmaterial wird mit großem Gerät in einen Kunsthorst überführt. © Rolf Semmelrodt

Spontan erklärt Andreas Jordan (Firma Holzbau Eisenberger), dass er nur die Arbeitszeit seiner Zimmergesellen in Rechnung stellen und die Kosten für Material und den Einsatz einer LKW-Teleskop-Hebebühne spenden werde.

Die Ungewissheit

Die Nestauflage wird von Grebendorf nach Nesselröden transportiert, hier mit einem Dachreiter versehen und auf das Dach der Scheune gesetzt. Als die Hebebühne ihre Position unter dem Schornstein eingenommen hat und die Gondel langsam nach oben fährt, verlassen Margot und Milchling ihren Horst. Sie fliegen aber nicht von dannen, sondern nehmen Platz auf einem der Dächer des Stifts und beobachten das Geschehen. Zwei große Eimer mit Reisig, Moos, Gras und Heu werden aus dem Nest entnommen, anschließend wird der Reisigring ringsherum zusammengebunden.

Noch bevor die Gondel den Boden erreicht, stehen Margot und Milchling bereits wieder auf der leeren Schornsteinplattform, schauen verdutzt und suchen ihren Horst. Nun wird das ganze Material in umgekehrter Reihenfolge in den Kunsthorst auf der Scheune befördert. Vorsichtig wurde das Nistmaterial in den Kunsthorst eingebaut

Margot brütet: Sie und Milchling haben das neue Zuhause angenommen.
Margot brütet: Sie und Milchling haben das neue Zuhause angenommen. © Rolf Semmelrodt

Das Happy End

Mit Spannung wird gewartet, ob das Storchenpaar das neue Heim annehmen wird – bis Stunden später die freudige Nachricht kommt: Margot und Milchling sitzen quietschvergnügt auf ihrem neuen Horst. Mittlerweile scheint Margot zu brüten, Wommen darf also auf Storchennachwuchs hoffen. (Rolf Semmelrodt)

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