Achim Wilutzky ist  seit 40 Jahren mit der Kamera auf Motivsuche

Achim Wilutzky aus Herleshausen auf der Brücke der Einheit nach Lauchröden: Seit 40 Jahren hält der 57-jährige aus Herleshausen alles mit seiner Kamera fest, was in seinem Heimatort passiert. Ein wahrer Ortschronist. Foto: harald triller

Landschaften, Land und Leute, Hochzeiten, Konfirmationen, Kirmesfeste, Fußballspiele mit Mannschafts- und Gruppenfotos - das sind Achim Wilutzkys Motive.

Die bewegenden Tage der Grenzöffnung im Herbst 1989 hat er natürlich auch im Bild festgehalten. In dieser Zeit hat der Herleshäuser Thilo Schmelzer als Zeitungsredakteur bei der HNA in Kassel gearbeitet und dem Dorfchronisten Achim Wilutzky in einem Bericht den Namen „Achim Überall“ verpasst. Gestern waren es exakt 30 Jahre her, als der Wachturm an der Brücke in Lauchröden in Eigenleistung von den Einwohnern platt gemacht wurde. Auf der anderen Brückenseite tobte eine lautstarke Demonstration. Die Bewohner von Herleshausen hatten den Wunsch, dass in kurzer Zeit auf den Betonpfeilern in der Werra eine neue Brücke errichtet wird. Mittendrin war damals Achim Wilutzky aus Herleshausen, der den Abriss des Turmes und die dabei jubelnden Menschen mit zahlreichen Fotos für die Nachwelt festgehalten hat. „Es sind ergreifende Stunden gewesen, zumal die freudigen Dialoge auf beiden Seiten des Grenzflusses zu hören waren“, erinnert sich der heute 57-Jährige sehr gerne zurück, als am 10. November 1989 bei Herleshausen die Grenze mit einem Volksfest geöffnet wurde. Nach dem 25. November ging es schnell: „Binnen drei Wochen war die Brücke nach Lauchröden fertig und wir haben am 23. Dezember erneut ein Volksfest gefeiert, diesmal drüben in Thüringen“, so der Herleshäuser. Achim Wilutzky ist im Juni 1979 dem Lockruf der Fotografie gefolgt: „Damals habe ich mir die legendäre Canon AE 1 gekauft und damit eine Lawine in mir ausgelöst. Seit nunmehr 40 Jahren bin ich Dorf-Fotograf, an mir ist quasi nichts vorbeigekommen. Allein bis 2001 habe ich 1500 Dia-Filme aufgenommen, die die Herleshäuser Dorfgeschichte erzählen.“ Höhepunkt nach der Grenzöffnung war seine Diashow, die im März 1990 mehr als 400 Gäste in die örtliche Mehrzweckhalle führte. „Ich hatte mein gesamtes Material sorgfältig aufgelistet, was 1999 zur Geburt einer außergewöhnlichen Idee führte, die mich zum Autor machte. Aus vielen menschlichen Geschichten, historischen Bildern, einem Porträt über die Gemeinde und über viele sportliche Ereignisse ist schließlich mein Buch entstanden, das ich 2001 unter dem Titel „Kramladen“ mit einer Auflage von 1500 Exemplaren herausgegeben habe. Sehr zu meiner Freude ist es fast vergriffen“, erklärt Wilutzky beim WR-Gespräch, dass er die Fotografie nicht als Kunst, sondern als Reportage sieht. Geboren wurde Achim Wilutzky als Sohn eines Zöllners 1962 in Darmstadt, kam 1964 mit der Familie nach Herleshausen, um dann seine gesamte Schulzeit bis 1969 in Neu-Isenburg zu erfüllen: Im Meisterjahr der Fußballer 1982 sind die Wilutzkys wieder in Herleshausen aufgeschlagen. Während der Fußball bei der SG Herleshausen/Nesselröden einen wichtigen Platz in seinem Leben einnahm, dazu zählt er auch die Gründung des Freizeitteams von Dynamo Waldstraße, verschlug es ihn 1988 beruflich ins Herz-Kreislauf-Zentrum nach Rotenburg, wo er in 26 seiner bislang 30 Jahre in der Öffentlichkeitsarbeit gefordert war. „Dort lernte ich meine Ehefrau Miriam kennen, für die als Handballerin der Sport ebenfalls eine wichtige Rolle spielt, genau wie bei unseren Kindern Jan (16), Ida (13) und Klara (11), die im Fußball aktiv sind“, kann Achim Wilutzky auch auf seine Arbeit als Jugendtrainer bei der SG Herleshausen/Nesselröden/Ulfegrund stolz sein, wo er seit 2007 als Coach tätig ist und aktuell das Team seiner jüngsten Tochter ausbildet. Wie gesagt, Herleshausen ohne Achim Wilutzky, das ist undenkbar, vor allem beim TSV, wo er seit 1993 als Pressewart fungiert und die Homepage pflegt. Auch als Texter des TSV-Kinderchores begann er 1994 und ist 25 Jahre später noch immer mit der Aufgabe betreut. Da liegt es natürlich auf der Hand, dass er in den Festausschuss des Dorfjubiläums „Herles1000“ berufen wurde und für die entsprechende Homepage verantwortlich gewesen ist. Ähnlich sieht es bei der Jubiläumsfeier „150 Jahre TSV Herleshausen“ aus, wo er ein wichtiger Mosaikstein bei der Erstellung der Chronik war. „Das Porträt in Wort und Bild über Herleshausen sehe ich als meinen persönlichen Höhepunkt im Jubiläumsjahr 2019 an, das ich einmal in der vollen Mehrzweckhalle beim Festkommers der 1000-Jahr-Feier im März präsentiert habe und dann noch einmal in meinem Scheunenkino während des stehenden Festzuges im Juni, als ich über den Tag verteilt rund 350 Interessierte begrüßen konnte.“ Fazit: „Mein Traum war es schon immer mit einer glücklichen Familie in Herleshausen zu leben. Der Traum ist in Erfüllung gegangen und so bin ich sehr dankbar. Und für unseren Heimatort wünsche ich mir weiterhin Zusammenhalt und Dorfgeist.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare