Theatergruppe „Das Letzte Kleinod“

Aufführung an Original-Schauplatz in Herleshausen

Eine Frau kniet vor einem Gerät. Im Hintergrund sitzen Menschen auf Stühlen.
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Unter freiem Himmel und vor zahlreichen Zuschauern fand das Theaterstück „Komme bald!“ am Bahnhof Herleshausen statt.

Eindringlich und emotional war die Aufführung der Theatergruppe „Das Letzte Kleinod“ am Mittwochabend, die mit nur wenigen militärischen Requisiten eine eigene, uns heutzutage fremde Welt entstehen ließen.

Herleshausen – Vor dem Bahnhof in Herleshausen spielten die vier jungen Schauspielerinnen das Stück „Komme bald!“, ein Stück über Kriegsheimkehrer vor historischer Kulisse.

„Für uns ist das hier der Höhepunkt von unserer Theatertour, unser Stück hier zu spielen, wo die Kriegsheimkehrer 1955 mit dem Zug ankamen“, erklärt Regisseur Jens-Erwin Siemssen.

Dass das nicht nur für die Gäste der ausverkauften Vorstellung besonders emotional war, konnte man am Ende sehen: Die Schauspielerinnen, die die jungen Kriegsgefangenen verkörperten, kämpften selbst mit den Tränen, während das Publikum minutenlang klatschte.

Am Donnerstagvormittag wurde dann die letzte Szene des Theaterstücks noch einmal aufgeführt, dafür kam die Theatergruppe mit ihrem eigenen Zug in den Bahnhof Herleshausen und stellte so das Ankommen der Heimkehrer nach. Für diese Szene gab es in Herleshausen viele Statisten, die für beide Aufführungen die Bewohner darstellten.

„In Herleshausen war damals, als der Zug mit den Heimkehrern ankam, Kirmes und so zog die Kirmeskapelle zur Begrüßung zum Bahnhof“, so Siemssen. So wurde der Herleshäuser Kirchenchor eingespannt um in der letzten Szene zu singen, aber auch Schülerinnen der Südringgau Schule waren mit von der Partie, um die Heimkehrer zu begrüßen.

Die Theatergruppe wurde auch von Herleshäusern unterstützt, etwa dem Kirchenchor und Schülern.

Gespielt wurde „Komme bald!“ von den Schauspielerinnen Elisabeth Müller, Natalia Voskoboynikova, Margarita Wiesner und Regina Winter, die alle in Kasachstan oder Sibirien geboren wurden und einen persönlichen Bezug zum Thema haben.

Für das Stück besuchte die Theatergruppe Zeitzeugen, die in Kriegsgefangenschaft waren und somit alle schon mindestens 92 Jahre alt waren. Aus den Erzählungen der ehemaligen Soldaten entstand das eindringliche, vom Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst geförderte Theaterstück.

In der Aufführung konnte man hautnah erfahren, wie spannend die damals 16-Jährigen die Hitlerjugend fanden und wie sie durch das Regime verblendet wurden. Erst als sie selbst an der Front standen, wurde ihnen bewusst, dass der Einsatz im Krieg vielleicht doch nicht so erstrebenswert war.

Theatergruppe spielte am Original-Schauplatz in Herleshausen

Theatergruppe spielte an Original-Schauplatz in Herleshausen
Theatergruppe spielte an Original-Schauplatz in Herleshausen
Theatergruppe spielte an Original-Schauplatz in Herleshausen
Theatergruppe spielte an Original-Schauplatz in Herleshausen
Theatergruppe spielte am Original-Schauplatz in Herleshausen

Nach dem Kriegseinsatz ging es als Kriegsgefangene in ein Lager, in dem sie unter anderem Bettwanzen und großen Hunger kennenlernten. 1946 konnten sie das erste Mal nach Hause schreiben.

„Die zu Hause wussten dann, dass wir noch leben. Wir haben nur noch ans Überleben gedacht und haben uns so selbst Mut und Hoffnung gemacht, dass wir nach Hause kommen.“ Mit 30, elfeinhalb Jahre nachdem sie in den Krieg zogen, kamen die Soldaten schließlich wieder zurück.

Das Letzte Kleinod realisiert dokumentarische Stücke an authentischen Orten und wurde dafür bereits mehrfach ausgezeichnet. (Von Sonja Berg)

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