Bahnhof Wommen: Das Ende kommt mit der deutschen Teilung

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Der Bahnhof in Wommen: Heute ist von den ehemaligen Anlagen mit Stellwerk und Schranken nichts mehr zu erkennen.

Wommen. Die Geschichte des Bahnhofs in Wommen hängt eng mit der des Herleshäuser Bahnhofs zusammen. Das geht aus den Recherchen des Eisenbahnhistorikers Edgar Brill hervor.

Die Anfänge

Die Thüringer Bahn zwischen Eisenach und Gerstungen wurde am 25. September 1849 eröffnet. Schnell folgte der Anschluss an die bereits fertiggestellte Friedrich-Wilhelms-Nordbahn. In 1862 schließlich wurde die Strecke zweigleisig. Der Herleshäuser Ortsteil Wommen hatte laut den Recherchen Edgar Brills mindestens seit dem Jahr 1891 einen Haltepunkt. „Etwa im Jahr 1919 wurde er durch das Anlegen von Überholgleisen zum Bahnhof“, so der Eisenbahnhistoriker.

Die Blütezeit

Nicht nur Weichen und Signale wurden bald in den beiden Stellwerken des Bahnhofs Wommen gestellt, sondern auch die Bahnübergänge am westlichen und östlichen Ende des Bahnhofs bedient. Bis zum Zweiten Weltkrieg fuhren hier Schnellzüge in Ost-West-Richtung. Mit der Teilung Deutschlands 1945 querte die Strecke zwischen Bebra und Eisenach fünfmal die Grenze zwischen der amerikanischen und sowjetischen Besatzungszone.

Der Niedergang

„Kurz nach der Gründung der zwei deutschen Staaten hielten in Wommen und Herleshausen keine Personenzüge mehr“, sagt Edgar Brill. Die Bahnhöfe aber blieben vorerst besetzt, da weiterhin Interzonen- und Güterzüge verkehrten und eine Überwachung und Unterhaltung der Bahnanlagen, die der Reichsbahndirektion Erfurt unterstellt waren, nötig war. „Die Bahnmitarbeiter gehörten somit zur Reichsbahn, obwohl sie im Westen wohnten und arbeiteten“, erklärt der Eisenbahnhistoriker.

Um das mehrmalige Queren der Grenze zu unterbinden, wurde ab Oktober 1961 eine 13,3 Kilometer lange Umgehungsbahn von Gerstungen nach Förtha gebaut. Der Güterumschlag per Bahn für die Orte Herleshausen und Wommen wurde mit der Eröffnung der Umgehungsstrecke eingestellt. Nun fuhren nur noch vereinzelt Güterzüge durch die beiden Orte.

Die Stilllegung

Im Jahr 1978 schließlich wurde die Strecke zwischen Gerstungen und Wartha stillgelegt und der hessische Teil von der übrigen Strecke getrennt. Mit der Wiedervereinigung wurde die Bahnstrecke in diesem Bereich 1991 erst eingleisig reaktiviert, 1992 dann zweigleisig und 1995 elektrifiziert. Mit dem zweigleisigen Ausbau der Strecke wurde das Bahnhofsgebäude abgerissen. Heute ist von den ehemaligen Bahnhofsanlagen mit Stellwerk und Schranken nichts mehr zu erkennen. „Damit endet die Geschichte des Bahnhofs Wommen, die eigentlich bereits mit der Teilung Deutschlands zu Ende war“, so Edgar Brill. (red/esp)

• Weitere Informationen: www.werra-meissner-bahnen.de

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