Herleshausen: Aleksander Abesadze findet nach langer Recherche seinen Angehörigen

Besuch zum 72. Todestag

Kam mit seinen beiden Brüdern und seiner Familie nach Herleshausen: Aleksander Abesadze (erste Reihe, Zweiter von rechts). Mit dabei waren auch Helmut Schmidt (hintere Reihe, links), Burkhard Scheld (Fünfter von rechts) sowie Anette Wetterau (rechts). Foto: Berg

Herleshausen. Besonders emotionale Momente erleben Bürgermeister Burkhard Scheld und Helmut Schmidt, der ehemalige Bürgermeister der Gemeinde Herleshausen, wenn es um die sowjetische Kriegsgräberstätte geht. Am Donnerstagnachmittag erwarteten die beiden erneuten Besuch von Angehörigen, deren Verwandte im Herleshäuser Wald vor vielen Jahrzehnten beerdigt wurden. Aleksander Abesadze kam mit seinen beiden Brüdern und seiner Familie nach Herleshausen, um das Grab von Nikolaj Chomeriki, den Bruder seiner Urgroßmutter, zu besuchen. Er und seine Familie stammen aus Georgien, leben aber mittlerweile seit zehn Jahren in Münster.

„Schon als Kind habe ich mich immer gefragt, was aus Nikolaj geworden ist, und damals habe ich gesagt, dass ich das irgendwann herausfinden werde und heute sein Grab zu besuchen ist ein Lebenstraum von mir“, erklärt Aleksander Abesadze.

„Schon als Kind habe ich mich immer gefragt, was aus Nikolaj geworden ist.“

Aleksander Abesadze Angehöriger

Nikolaj Chomeriki wurde 1912 geboren und starb am 15. Dezember 1944 in Herleshausen. „Wir wussten nie, was mit ihm im Zweiten Weltkrieg passiert ist, er war irgendwann verschwunden“, erklärt Aleksander Abesadze.

Mit Hilfe des Internets konnte der Georgier nun das große Geheimnis seiner Familie lüften. Am Grab im Herleshäuser Wald stellte die Familie Kerzen auf, die in einer georgischen Kirche geweiht wurden, und brachten Blumen zum 72. Todestag mit. Im nächsten Frühjahr will die Familie wiederkommen und weitere Verwandte aus Georgien mitbringen.

Persönliche Geschichten

Hilfe bei der Suche bekam Aleksander Abesadze durch Helmut Schmidt, der ihm mitteilte, dass sein Verwandter seine letzte Ruhe in Herleshausen gefunden hatte. Für alle Verstorbenen, zu deren Verwandten die Herleshäuser in den vergangenen Jahren Kontakt hatten, stellte Helmut Schmidt Schilder mit ihren Namen und Bildern auf. „Durch die Gesichter und die damit verbundenen Geschichten wird das alles viel persönlicher und sehr ergreifend“, erzählt Helmut Schmidt, der sich seit seiner Jugend sehr intensiv mit der Kriegsgräberstätte beschäftigt.

Beim Besuch am Donnerstag waren ebenfalls Freiwillige der Herleshäuser Reservisten dabei, die seit einigen Jahren die sowjetische Kriegsgräberstätte pflegen, sowie Schüler der Südringgauschule, die gerade ein Projekt zum Thema machten und sich mit Alt-Bürgermeister Karl Fehr und der Kriegsgräberstätte beschäftigten.

Von Sonja Berg

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