Archäologin findet in der Datteröder Kirche Schieferplatten aus dem 12. Jahrhundert

Beten auf alten Steinen

+
Mit der neuesten Methode, die es derzeit gibt, scannt Archäologin Elisabeth Ida Faulstich aus Cottbus die Funde aus dem 12. Jahrhundert, die eine Gruppe von Ehrenamtlichen unter ihrer Aufsicht in der Datteröder Kirche freigelegt hat.

Datterode. Die kleine Kirche in Datterode ähnelt derzeit eher einem Filmset denn einem Ort der Besinnung. Große Strahler auf Stativen beleuchten das rund 800 Jahre alte Gemäuer bis in den letzten Winkel, schwarze Kabel schlängeln sich auf dem Boden. Tatsächlich sind es archäologische Ausgrabungen, die in der Kirche stattfinden.

Eigentlich wollte die Gemeinde um Pfarrerin Katrin Schröter nur einen neuen Boden mit Fußheizung einbauen und den Chorraum vergrößern. Das aber ist ein Eingriff in das Bodendenkmal des Gebäudes und somit nur unter wissenschaftlicher Aufsicht erlaubt - für den Fall, dass die Arbeiter etwas finden.

Und sie fanden etwas, unter einem mächtigen Betonfußboden aus den 60er Jahren: Reste eines Schieferplattenbodens aus dem 12. Jahrhundert - also aus der Zeit, in der das Gotteshaus zum ersten Mal urkundlich erwähnt worden ist. Zudem fand die Wissenschaftlerin Elisabeth Ida Faulstich Sandsteinplatten aus dem 17. Jahrhundert und das Fundament eines alten Altars, daneben alte Gräber.

25 Zentimeter tief haben Faulstich und ein Team von zehn Ehrenamtlichen in den Boden gegraben. Ganz vorsichtig, um nichts zu zerstören. „Mit der Zeit lernt man, worauf man achten muss“, sagt Kurt Ronshausen, der bei den Grabungen geholfen hat.

„Es ist immer wieder spannend, weil man nie weiß, was einen erwartet“, beschreibt Faulstich das Besondere an ihrem Beruf.

Die Daten des dreidimensionalen Scannings, das sie durchgeführt hat, gehen an das Landesamt für Bodendenkmalschutz in Marburg, wo sie analysiert und archiviert werden. Aber Denkmalschutz geht vor Ausgrabung: Die Funde bleiben an Ort und Stelle. „Wir decken sie mit einem speziellen Geovlies, das die Schieferplatten in Zukunft schützt, wieder zu“, sagt Faulstich. Darüber kommt eine weitere Schutzschicht, dann erst darf der neue Boden eingesetzt werden.

So wissen die Datteröder in Zukunft zwar, worauf sie ihren Gottesdienst feiern, aber sehen können sie es nicht. Und was tiefer liegt als 25 Zentimeter, bleibt der Menschheit sowieso vorerst verborgen. „Da könnte zum Beispiel eine alte Holzkirche drunter liegen“, mutmaßt die Archäologin. Aber gesicherte Erkenntnisse wird es erst geben, wenn ein anderer irgendwann tiefer gräbt.

Die Renovierung der Kirche soll bis Ostern abgeschlossen sein. Der Weihnachtsgottesdienst in diesem Jahr findet in einer Scheune statt.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare