Zeitreise in die Ortsgeschichte

Breitzbacher öffnen die bei der Kirchensanierung entdeckte Turmkapsel

Gruß aus der Vergangenheit auf Pergament.

In der Kirche in Breitzbach wurde eine Zeitkapsel gefunden.

Zeitkapseln sind Briefe an die Zukunft. In ihnen verborgen sind Dokumente, die ein Bild längst vergangener Zeiten zeichnen; Unterlagen, die den Menschen von morgen von ihren Vorfahren erzählen. Kirchtürme sind hervorragende Aufbewahrungsorte für solche Zeitkapseln – sind sie doch naturgemäß nur sehr schwer zu erreichen und damit ideal für die Verwahrung von Dokumenten, die zwar wichtig sind, aber nicht unbedingt immer zugänglich sein müssen.

Seit dem vergangenen November wird auch der Turm der Kirche zu Breitzbach umfassend saniert. Das Gotteshaus des Herleshäuser Ortsteils ist in Gänze eingerüstet – eine ideale Gelegenheit also, sich der auf dem Kirchendach befindlichen Zeitkapsel anzunehmen.

Erwartungsvoll-gespannt wie zum Weihnachtsfest ist die Stimmung der rund 15 Breitzbacher, die zur Zeitkapsel-Öffnung am Mittwochnachmittag gekommen sind: Was wird sich wohl verbergen hinter der fest verlöteten Hülle aus Zink; welchen Schatz der Ortsgeschichte haben die Vorfahren in der Kugel hinterlassen – oder, ganz und gar, ist die Zeitkapsel überhaupt befüllt? Mit Geschick, wohldosiertem Kraftaufwand und dem passenden Werkzeug machen sich Gero von Randow und Rolf Landefeld unter gespannten Blicken ans Werk. Leichte metallische Geräusche verraten schnell: Leer ausgehen wird Breitzbach auf keinen Fall.

Nur wenige Minuten später ist es geschafft, Kameras halten den Moment fest, die Kapsel gibt ihren Inhalt preis: Eine Werra-Rundschau, Ausgabe vom Dienstag, 25. Oktober 1988, zieht Gero von Randow unter großem Hallo hervor. „Im Zuge der Außenrenovierung wurde im Jahr 1988 eine neue Wetterfahne auf die Kirchturmspitze gesetzt“, weiß Elke Wagner-Srba sogleich zu berichten.

Mit dem Datum der Tageszeitung also ist klar, wohin die Zeitreise geht – zurück in ein Jahr, in dem Deutschland noch geteilt war; als Herleshausen und Breitzbach direkt an der Grenze zur ehemaligen DDR lagen.

Zurück in ein Jahr, in dem an den Euro noch nicht zu denken war. Bezahlt wurde mit Deutscher Mark – ein kompletter Satz Münzen ist ebenfalls in der Zeitkapsel hinterlegt.

Der wahre Schatz aber ist ein unscheinbares Stück Pergament, verknittert und vergilbt, in dem sich die ehemalige Breitzbacher Pfarrerin Eva Kilian gemeinsam mit Lothar Kilian an die Öffner wendet: „Wir grüßen die Menschen, die den Inhalt dieser Wetterfahne eines Tages finden. Wir wünschen Breitzbach Frieden“, verliest Gero von Randow.

150 Einwohner habe der Ort im Jahr 1988, schreibt Pfarrerin Eva Kilian – und eine frisch herausgeputzte Kirche: „Zur Außenrenovierung gehört ein neuer Außenanstrich, ein neues Schieferdach für den Turm, Klempner- und Drainagearbeiten, die Freilegung und Erneuerung des Fachwerks im Eingangsbereich.“

Deponiert, da sind sich die Breitzbacher einig, wird ihr Fund nach Abschluss des Bauprojekts wieder in einer Kapsel auf dem Kirchturm – dann versehen mit eigenen Dokumenten – für die Nachwelt.

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