Brücke Nesselröden - Sperrung bedroht Existenzen

Brücke Nesselröden gesperrt Sperrung
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Die Brücke in Nesselröden soll wegen der Traglastverringerung künftig nur noch bis 16 Tonnen zugelassen werden. Damit ist Lieferverkehr ausgeschlossen. 

Die Traglast der Brücke im Herleshäuser Ortsteil Nesselröden soll verringert werden - dann ist kein Lieferverkehr mehr in den Ort möglich.  

Nesselröden – In ihrer Existenz bedroht sehen sich die Unternehmen im Herleshäuser Ortsteil Nesselröden. Der Grund: Hessen Mobil plant, ab Montag, 7. Oktober, die 120 Jahre alte Bogenbrücke über die Nesse am Ortseingang zu ertüchtigen. Im Zuge dieser Arbeiten soll die Nutzlast der Brücke von 40 Tonnen auf maximal 16 Tonnen herabgesenkt werden.

Nesselröden, Markershausen und Holzhausen abgeschnitten 

„Eine fatale Fehlentscheidung“, sagt Andreas Weber, Geschäftsführer des Autohauses Weber in Nesselröden. Denn kommt die Nutzlastbegrenzung, sind die Herleshäuser Ortsteile Nesselröden, Markershausen und Holzhausen faktisch von jeglichem Lieferverkehr abgeschnitten. Speditionen könnten die Orte in diesem Fall nur noch über den Umweg Herleshausen-Altefeld-Holzhausen erreichen. Die dortigen Straßenverhältnisse allerdings sind nicht für den Schwerlastverkehr ausgelegt; extreme Gefällestrecken und nicht ausreichend befestigte Seitenstreifen machten einen Lastwagen-Begegnungsverkehr unzumutbar.

Umleitungsstrecke führt durch Wasserschutzgebiet, Lkw-Begegenungsverkehr nicht möglich 

„Weiterhin befindet sich in der Umleitungsstrecke ein Wasserschutzgebiet“, erklärt Andreas Weber. Das mache die Zulieferung von Kraftstoff an die firmeneigene, öffentliche Tankstelle unmöglich. „Sollte hier nicht schnellstmöglich eine Lösung gefunden werden, zwingt uns diese existenzbedrohende Situation zu einem Standortwechsel“, sagt Geschäftsführer Andreas Weber.

Versorgung mit Heizöl und Flüssiggas gefährdet 

„Auch die Versorgung der Anwohner etwa mit Heizöl und Flüssiggas kann nicht in gewohnter Weise sichergestellt werden“, ergänzt Peter Niemann, Hoteldirektor auf Hohenhaus. Auch Hotel und Gut des Holzhäuser Traditionsbetriebes würden durch die Nutzlastbegrenzung schwer getroffen: etwa durch die Unmöglichkeit der Holzabfuhr. „Holzgespanne haben eine Länge von rund 16 Metern. Die Serpentinen können sie nicht bewältigen.“

Hessen Mobil bitte um Verständnis

„Hessen Mobil bittet die Betroffenen um Verständnis für die Einschränkungen“, sagt Pressesprecherin Annette Kümpel auf Anfrage. Sie dienten letztlich der Sicherheit der Benutzer der Brücke. „Weitere Schädigungen, die zur Vollsperrung führen werden, müssen vermieden werden.“

Fragen und Antworten zur Brücke in Nesselröden

Firmen, die in ihrer Existenz bedroht sind, von grundlegenden Versorgungsleistungen abgeschnittene Anwohner gleich dreier Herleshäuser Ortsteile – schnellstens gesucht wird nun ein Brückenschlag. Wir beantworten die drängendsten Fragen zu den geplanten Arbeiten an der Nesselröder Brücke durch Hessen Mobil. 

Welche Überlegungen legt Hessen Mobil der Ertüchtigung zugrunde? 

Im Bewusstsein über die Bedeutung der maroden Brücke für die Versorgung der Bevölkerung und der Gewerbebetriebe habe Hessen Mobil sofort mit der Planung einer Notinstandsetzungsmaßnahme begonnen, die unmittelbar vor der Umsetzung stehe. „Nur im Hinblick auf deren kurzfristige Umsetzung bei gleichzeitig intensiver Beobachtung wurde bisher auf die eigentlich erforderliche Traglastbeschränkung der Nessebrücke auf nur drei Tonnen tatsächliches Gewicht verzichtet“, sagt Pressesprecherin Annette Kümpel. 

Wann wurden Gemeinde, Unternehmen und Betroffene über die Planungen informiert? 

Die Gemeinde Herleshausen wurde in der 38. Kalenderwoche über die geplanten Ertüchtigungsarbeiten an der Brücke informiert – über die Herunterstufung der Traglast von 40 Tonnen auf zunächst neun Tonnen am Montag, 23. September. Eine angemessene Reaktionszeit sei somit nicht gegeben gewesen, heißt es in einem Schreiben, das unserer Zeitung vorliegt. Ein eilig anberaumter Ortstermin am Dienstag, 24. September, zwischen der Gemeinde und Hessen Mobil, sei ohne konkretes Ergebnis geblieben. Zwischenzeitlich – am Montag, 30. September – kamen betroffene Unternehmen zu einem Krisengespräch zusammen. 

Was hängt von der Zugänglichkeit Nesselrödens mit Lastwagen von der Bundesstraße 400 ab? 

Die Versorgung der örtlichen Tankstelle mit Kraftstoff sowie der Anwohner mit Heizöl und Flüssiggas – beides ist in der Schwebe, da die Umleitungsstrecke durch ein Wasserschutzgebiet führt. Ausfallen würde wohl der Lieferverkehr mit Schwerlasttransportern zu den Firmen Weber und Eisenberg (Nesselröden) sowie zum Hotel Hohenhaus (Holzhausen). Unklar ist die Handhabung der einzuhaltenden Rettungsfristen, wenn eine Notlage eintritt und größere Fahrzeuge zum Einsatz kommen müssten. Der landwirtschaftliche Verkehr der Höfe vor Ort käme wohl zum Erliegen. 

Welche Lösung schwebt den Beteiligten vor? 

Statt der Sofortmaßnahme an einer Brücke, an der keine augenscheinlichen Schäden vorliegen, wird eine Behelfsbrücke mit ausreichender Tragkraft neben dem jetzigen Bauwerk favorisiert. Eine solche Brücke würde Kosten sparen und auch für den bereits geplanten Neubau der Brücke zur Verfügung stehen. Vorerst aber wird nun eine juristische Prüfung des Hessen-Mobil-Vorhabens angestrebt. 

Welche Lösung bietet Hessen Mobil selbst an? 

Möglich sein soll ein Befahren mit einem tatsächlichen Fahrzeuggewicht von 16 Tonnen in Schrittgeschwindigkeit. Eine entsprechende Beschilderung werde laut Hessen Mobil nach der Notmaßnahme installiert. Für Fahrzeuge, die diese Anforderungen nicht erfüllen, bestehe die Möglichkeit, eine Ausnahme zu beantragen. Diese werden nur für einzelne Fahrzeuge erteilt, um eine Identifizierung über das Kennzeichen zu ermöglichen. Entsprechende Anträge können formlos an folgende E-Mail-Adresse gesendet werden: Nesselröden.brücke@mobil.hessen.de

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