Busse rollen kaum noch

Weiter Ärger um Fahrplanänderung: Familie aus Frauenborn fühlt sich abgeschnitten

Hier hält so gut wie kein Bus mehr: (von links) Irmtraut und Lothar Hoppert vor der Haltestelle Frauenborn. Ähnliche Probleme mit dem öffentlichen Nahverkehr äußern auch die Bewohner Archfelds und Willershausens. Foto: Spanel

Frauenborn. Lothar Hoppert ist verärgert: „Jahrelang ist meine Familie problemlos mit dem Bus von unserem Wohnort Frauenborn nach Eschwege gependelt.“ Doch nach der jüngsten Umstellung des Fahrplans im Dezember (wir berichteten) sei das nicht mehr möglich: „Frauenborn ist beinahe komplett vom Busverkehr abgeschnitten. Lediglich drei Verbindungen nach Herleshausen gibt es noch – allesamt morgens.“

Ein großes Problem für das Ehepaar Hoppert, das keinen Führerschein besitzt. Notwendige Facharztbesuche in Eschwege müssen nun von langer Hand geplant werden, und sogar einfache Einkaufstouren ins rund vier Kilometer entfernte Herleshausen werden zur logistischen Herausforderung. „Ich habe lediglich einen kleinen Roller zur Verfügung – lange Fahrten zu zweit sind bei diesen Witterungsverhältnissen ausgeschlossen“, sagt Hoppert.

Seine Ehefrau Irmtraut sorgt sich vor allem um Tochter Cornelia: „Sie ist auf den öffentlichen Nahverkehr angewiesen, um zu ihrer Arbeitsstelle nach Eschwege zu gelangen.“

Die einfache Strecke, die sonst in gut einer halben Stunde zu bewältigen war, ist nun zu einer regelrechten Tortur geworden. Morgens sei Cornelia Hoppert zunächst auf Fahrer des Projekts Mobilfalt angewiesen, um nach Herleshausen zu kommen. Doch das sei zumeist „bürokratisch, undurchsichtig und kompliziert“, erklärt Lothar Hoppert. In Herleshausen nehme Cornelia dann einen Bus in Richtung Wichmannshausen. Dort steige sie erneut um, diesmal in den Bus mit dem Zielort Eschwege. „Nach gut anderthalb Stunden ist sie da – und abends geht das Spiel von Neuem los“, sagt Irmtraut Hoppert resigniert.

Besonders enttäuscht zeigt sich Lothar Hoppert von der Tatsache, dass zwar tagtäglich durchaus Busse durch den kleinsten Herleshäuser Ortsteil fahren – aber nie anhalten. „Immer leuchtet die Anzeige ,Bitte nicht einsteigen’ auf“, sagt der Frauenbörner. Regelrecht deprimiert sei er, wenn er den Rücklichtern nachsehe. „Wenn es nicht so traurig wäre, müsste man über diese Posse lachen.“

Horst Pipper, Geschäftsführer des Nahverkehrs Werra-Meißner (NWM), zeigt zwar Verständnis für die Situation der Hopperts – betont aber auch, dass der öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) gezwungen sei, wirtschaftlich zu arbeiten. Eventuell bestehende Defizite müssten die Kommunen tragen – und das sei in Schutzschirmzeiten ein heikles Thema. „In Einzelfällen sind kleine Orte wie Frauenborn nach dem Fahrplanwechsel dann nicht mehr wie gewohnt an das Netz angebunden“, sagt Pipper.

Von einem Abgeschnittensein könne aber nicht die Rede sein. Schließlich sei Herleshausen Mobilfalt-Kommune; eine etwa stündliche Anfahrt sei so gewährleistet.

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