"Doch mein Herz schreit" 

Coronazeit: Erfahrungen der Herleshäuser Sängerin Maja Möller-Janus ohne Chor

+
Vor der Burgkirche in Herleshausen: Die Sänger des Jungen Chrors Herleshausen in Zeiten vor der Coronakrise, in denen Gruppenbilder wie diese noch möglich waren. Als Zweite von links zu sehen: Pressewartin Maja Möller-Janus.

Chorsingen: das ist mehr als nur Musik. Es bedeutet Kreativität, Zusammenkommen, Gemeinschaft. Deshalb vermissen viele diesen Teil des Lebens in Zeiten von Corona schmerzlich.

„Ich brauch’ eine Therapie, weil der Chor momentan nicht singt“– diese Aufschrift, gedruckt auf ein T-Shirt, ist Maja Möller-Janus, leidenschaftliche Sängerin und Pressewartin des Jungen Chors Herleshausen, jüngst im Internet begegnet. „Und wenn man einige Zeit darüber nachdenkt, ist es bald wirklich so“, beschreibt die Willershäuserin ihre Gefühle. 

In einer Zeit wie dieser verliefen die meisten Kontakte nur noch über das Internet – sei es über Whats-App oder Facebook. „Ja, es ist okay, diese sprachlosen Gegenstände zu benutzen. Doch was wird aus unserer Stimme? Die versagt so langsam.“

"Teilweise das Gefühl mein Lungenvolumen schrumpft"

Und das ganz besonders nun, durch das Tragen des Mund-Nase-Schutzes. „Mir, die diesen Schutz täglich und ständig trägt, da ich mit Patienten und Bewohnern im Pflegeheim meinen Berufsalltag verbringe, fällt es sehr schwer, durch diesen Schutz zu atmen. 

Teilweise habe ich das Gefühl, dass mein Lungenvolumen schrumpft und ich mich allmorgendlich gut räuspern muss und noch dazu das Gefühl habe, meine Nase entwickele sich zur Schnupfnase, da die Schleimhäute anschwellen.“

Die Vernunft sage, halte durch, die Gesundheit ist dein höchstes Gut, und die musst du schützen und auch die Gesundheit der anderen, „doch mein Herz schreit“.

"Genieße die Zeit, welche mich einlädt zum Entschleunigen"

„Aber wie schnell kann sich der Mensch an Situationen gewöhnen“, sagt Maja Möller-Janus. Man lerne, andere Dinge zu schätzen, man werde kreativ, wenn nicht auch manchmal etwas verrückt.

„Ich vermisse die Chorprobe am Freitag, und doch genieße ich die Zeit, welche mich einlädt zum Entschleunigen. Es bleiben Angst und Sorge, wenn man in die Zukunft schaut. Was wird kommen? 

Wie und wann können wir uns wieder treffen? Was wird anders? Wo fangen wir an?“. Es erscheinen momentan viele Videos, in denen musiziert und gesungen wird.

Sänger des Jungen Chors Herleshausen wünschen beste Gesundheit

Alles sei herzergreifend schön und doch nicht zu vergleichen mit den Treffen, bei denen jeder Einzelne versucht, mit seiner eigenen Stimme im Chor zum Einklang zu kommen. „Jeder, der in einem Chor singt, weiß, was ich meine.“

Und es wird sich vieles ändern; wie es war, wird es sicherlich nicht mehr werden. „Und auch das kann etwas Gutes sein: Wenn wir lernen können, andere Methoden zu suchen und zu finden, wie wir dem Virus entgegentreten und singen werden.“

Die Sänger des Jungen Chors Herleshausen wünschen nun jedem Einzelnen die beste Gesundheit, Vertrauen, Geduld und Mut, diese spezielle Zeit zu leben und auch zu erleben. „Damit wir, wenn der Tag kommen wird, sagen können: Ich brauche keine Therapie, ich muss nur in einem Chor singen“.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare