Großbaustelle wird Schmuckstück

Denkmalschutzpreis: Fachjury besichtigt alte Dorfschule in Markershausen

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ewohnen die sanierte Dorfschule Markershausen: Kornelia Tratar-Nieswandt und Fred Nieswandt.

Markershausen - Die Jury des hessischen Denkmalschutzpreises hat die alte Schule in Markershausen in Augenschein genommen. 

Ein Objekt wie die ehemalige Dorfschule in Markershausen braucht Mieter, die es mit Leben füllen. Mieter, die insbesondere den ideellen Wert eines solchen Baudenkmals erkennen, es hegen und seine Besonderheiten herauszustellen wissen. Die Brüder Horst und Lutz von Buttlar haben mit Kornelia Tratar-Nieswandt und Fred Nieswandt ein solches Paar gefunden. Am Donnerstagvormittag öffneten sie das über Jahre hinweg nachhaltig sanierte Anwesen (wir berichteten) für die Bereisung der Fachjury des Hessischen Denkmalschutzpreises.

Aufgearbeitet: der wertvolle Stuck im Obergeschoss.

„Wir haben uns in das Objekt verliebt“, sagen Kornelia Tratar-Nieswandt und Fred Nieswandt. Und die Liebe zum Detail sowie die fein gesetzten Akzente überzeugten auch die Fachleute: „Die Tatsache, dass wir vor Ort sind, zeigt, dass sich die ehemalige Dorfschule Markershausen gute Chancen auf den Hessischen Denkmalschutzpreis ausrechnen kann“, sagte Dr. Markus Harzenetter, Präsident des Landesamts für Denkmalpflege Hessen.

Herzblut, Leidenschaft und eine gehörige Portion Idealismus: Diese Mixtur hat aus dem leer stehenden, dem Verfall preisgegebenen Gebäude über Jahre zunächst eine Großbaustelle und nun ein wahres Schmuckstück gemacht. Im Jahr 2010 haben die Brüder von Buttlar die in den 1950er-Jahren geschlossene Zwergschule, in der noch ihr Vater lernte, gekauft. „Nach langem Zögern und Planen, vor allem aber mit der wertvollen Unterstützung des Bezirksdenkmalpflegers Dr. Tobias Wolf, sind wir das Mammutprojekt schließlich angegangen“, sagt Horst von Buttlar.

So wurden etwa das Sockelmauerwerk neu verfugt, die Gefachputze erneuert sowie Dielenböden, Türen und Treppen aufgearbeitet. Größter Wert ist auf den Erhalt der originalen Bausubstanz gelegt worden. „Im Laufe der Zeit hat es immer wieder Überraschungen gegeben“, sagt Lutz von Buttlar: die Freilegung einer wertvollen Stuckdecke im Obergeschoss etwa, im ländlichen Raum eine absolute Seltenheit und eine kleine Sensation.

Dachbodenfund: Das historische Gemälde zeigt die Dorfschule Markershausen in den 1930er-Jahren.

Seit Oktober des vergangenen Jahres nun wird die ehemalige Dorfschule als vollsanierter Wohnbau genutzt. Fachwerkhaus und alter Schulsaal sind geschickt verbunden worden; durch geschickte Durchbrüche sind lichtdurchflutete Räume geschaffen worden.

Genaues Bild von Zustand und Güte

Der Hessische Denkmalschutzpreis ist im Jahr 1986 von Lotto Hessen gemeinsam mit dem Landesamt für Denkmalpflege ins Leben gerufen worden. Der Auswahljury gehören Vertreter der Denkmalbehörden, des Handwerks, der Preisträger des Vorjahres, des Ministeriums für Wissenschaft und Kunst, der ehrenamtlichen Verbände sowie die Stifterin an. Die Jury (unter anderem Dr. Markus Harzenetter, Präsident des Landesamts für Denkmalpflege Hessen) bereist die in der engeren Auswahl befindlichen Objekte, um sich ein genaues Bild vom Zustand und der Güte der Erhaltungsaufwendungen zu verschaffen. Die Verleihung des Preises findet am Dienstag, 20. August, in der Rotunde des Biebricher Schloss statt

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