Mit einem Projekttag erinnert die Südringgauschule in Herleshausen an den Fall der Mauer

Grenzerfahrung: Die Schüler der fünften und sechsten Klassen erkundeten die Gedenkstätte Point Alpha. Foto:s Nadja Leidebrand(NH

In besonderem Maße ist sich die Südringgauschule in Herleshausen der  historischen Verantwortung der deutschen Teilung bewusst und erinnerte mit einem Projekttag daran.

Was Abschottung und Teilung eines Landes bedeuten, darin hat Deutschland Erfahrung. 1961 begann der SED-Staat mit dem Bau einer Mauer; die Teilung endete erst mit deren Fall am 9. November 1989. Geografisch mittendrin: der Ort Herleshausen.

„Von größter Bedeutung ist es, jeden Schüler jeder Klassenstufe einzubeziehen“, sagt Schulleiterin Ursula Rauschenberg – „es ist nicht selbstverständlich, in einem geeinten und friedlichen Deutschland leben zu dürfen.“ Denn die deutsche Teilung – sie geht einher mit unzähligen (seelischen) Verletzungen, mit zerrissenen Familien und einer großen Zahl zerstörter Biografien. „Auch die Zusammensetzung der Klassen der Südringgauschule wäre in der aktuellen Form gar nicht möglich, hätte es den Fall der Mauer nicht gegeben“, sagt Ursula Rauschenberg. Und so erkundeten die Schüler diverse Aspekte von Teilung und Wiedervereinigung; vom Kollegium behutsam abgestimmt auf das jeweilige Alter.

Klaus Gogler etwa wanderte mit den Erst- und Zweitklässlern zum Blauen Wunder; besprach mit ihnen historische Aufnahmen der Grenze und von der Grenzöffnung, kindgerecht verpackt in Grenzspiele. In den Klassenstufen drei und vier waren Bernd Rahmer und Detlev Traut, ehemalige Zollbeamte, zu Gast. Nach ihren Zeitzeugenberichten wurde gemeinsam zur Lauchröder Brücke gewandert. Künstlerin Alexandra Berg stellte ihr Kunstprojekt „Ein kollektives Gedächtnis“ vor.

Für die Klassen fünf und sechs ging es mit dem Bus nach Geisa zum außerschulischen Lernort Point Alpha; die Klassen sieben und acht fuhren zum Grenzlehrpfad nach Obersuhl. Die ältesten Jahrgänge besuchten die Gedenkstätte in Teistungen. „Unterwegs auf einem ehemaligen Kolonnenweg wurde die Geschichte greifbar“, sagt Klassenlehrerin Heike Irrgang, die die Zugewandtheit und den Wissensdurst der Südringgauschüler ausdrücklich lobt.

Eindrücklich, das war der Projekttag, der Spuren bei den Schülern hinterlassen hat. „Ich wusste nicht, dass die Grenze an der Werra verlief“, bilanziert Viertklässlerin Hanna. „Wenn ich heute darüber gehe, verspüre ich Stolz, dass es so mutige Menschen gab. Die Grenze konnte endlich fallen.“

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