Der Männertreff Herleshausen will die Aktion Stolpersteine in seine Gemeinde holen

In Erinnerung an die Juden

Helmut Schmidt

Herleshausen. Zwei jüdische Gemeinden hat es in der Gemeinde Herleshausen gegeben - eine in Nesselröden und eine in Herleshausen direkt. Letztere zählte 1920 über hundert Mitglieder.

Um jenen ein Denkmal zu setzen, die während des Zweiten Weltkrieges in Konzentrationslagern umgekommen sind, will der örtliche Männertreff die Aktion Stolpersteine auch nach Herleshausen holen.

Begraben: Auf dem jüdischen Friedhof Herleshausen liegt die Familie Meier Wolf.

Federführend beteiligt an dem Plan ist der ehemalige Bürgermeister von Herleshausen Helmut Schmidt. Am kommenden Dienstag, 9. April, hält er ab 20 Uhr im Sitzungssaal der Mehrzweckhalle Herleshausen einen Vortrag über die aufwändige Spurensuche und das Projekt der Stolpersteine.

Mit dem Namen im Stein die Erinnerung wachhalten

Initiator des Projektes ist der Kölner Erinnerungskünstler Gunter Demnig. Mit seinen Stolpersteinen, die er 1996 das erste Mal verlegte, erinnert er an die Opfer der NS-Zeit, indem er vor deren letztem selbstgewählten Wohnort Gedenktafeln aus Messing mit dem Namen des Bewohners in den Bürgersteig einlässt. Inzwischen liegen solche Erinnerungsplaketten in über 500 Orten Deutschlands und in mehreren Ländern Europas.

„Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist“, lautet die Überzeugung Demnigs. Mit den Steinen vor den Häusern werde die Erinnerung an die Menschen lebendig. Ein Stein kostet 120 Euro. In Eschwege verlegte Demnigs zuletzt im Januar vergangenen Jahres 27 Stolpersteine und sechs in Harmuthsachsen.

Helmut Schmidt spielte schon länger mit dem Gedanken, auch den Herleshäuser und Nesselröder Juden ein Denkmal zu setzen. Allein die Zeit fehlte ihm. Mit dem Männertreff und den örtlichen Vereinen hat er nun ein Team zusammen, das dieses Projekt gemeinsam stemmen will. Bereits im Oktober hatten sie zum Tag der Deutschen Einheit gemeinsam ein Kreuz auf dem Kielforst, dem Herleshäuser Hausberg, aufgestellt.

Bei 55 jüdischen Mitbewohnern kann Helmut Schmidt nachweisen, dass sie im KZ starben. „Ob sie aber auch bei uns zuletzt gewohnt haben oder nicht vielleicht an anderer Stelle bereits einen Stolperstein haben, müssen wir noch recherchieren“, sagt er.

Auch der aktuelle Bürgermeister begrüßt die Idee, in Herleshausen und Nesselröden an die verfolgten Juden zu erinnern. „Ich halte es für wichtig, dass wir uns an unsere Vergangenheit immer wieder erinnern, quasi in Gedanken darüber stolpern“, sagt Burkhard Scheld, der die Stolperstein-Aktion bereits aus seiner Heimat Biedenkopf und anderen Städten kennt.

Nur finanziell, so gibt er dem Projektteam zu bedenken, werde sich die Gemeinde nicht beteiligen können. „Das wäre eine freiwillige Leistung, bei der uns der Schutzschirm wieder im Nacken säße“, begründet Scheld seine Haltung.

Aber auch die Vereine, die das Projekt nun in die Hände genommen haben, können das Geld nicht aufbringen. „Wir werden mit Sicherheit genügend Spendenwillige finden“, ist Burkhard Scheld überzeugt. Jeder Bürger kann Pate eines Stolpersteins werden, wenn er die 120 Euro für dessen Verlegung bezahlt. Die Veranstaltung am Dienstagabend will Helmut Schmidt dazu nutzen, interessierten Bürgern das Projekt ein Stück näher zu bringen.

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