Filmteam meldet Interesse an

Ewald Ortmeier, Leiter der Polizeistation, rettete Volkspolizisten

Charakteristisch: Ewald Ortmeier, ehemaliger Leiter der Polizeistation Herleshausen, auf seinem Horex-Dienstmotorrad. Auf dem Sozius transportierte Ortmeier 1954 einen flüchtigen Volkspolizisten in die Freiheit (großes Foto). Heute verbindet die Werrabrücke Herleshausen (Hessen) und Lauchröden (Thüringen). Fotos: Bodo Ortmeier, nh/Ludger Konopka

Herleshausen. „Das Tor zur Freiheit" - diesen Beinamen trägt Herleshausen seit den 1950er Jahren. Auch das Schicksal eines Volkspolizisten, in Todesangst geflüchtet aus der damaligen DDR, entscheidet sich im Jahr 1954 in der Grenzgemeinde.

Bodo Ortmeier aus Albungen erinnert sich bis heute genau an den Vorfall, an dem nun sogar ein Filmteam der ARD Interesse angemeldet hatte.

Die Polizeistation 

Ewald Ortmeier, Vater von Bodo Ortmeier, ist im Spätsommer des Jahres 1954 der Leiter der Polizeistation Herleshausen. Sein Dienstzimmer befindet sich im unteren Teil des Hauses, von dem aus die Bahnlinie nebst der Werra und das nahe Grenzgebiet in Richtung Burg Brandenburg einsehbar ist. „Plötzlich fielen Schüsse“, sagt Bodo Ortmeier. Auf der anderen Werra-Seite habe er einen Flüchtling erblickt, der in Richtung Fluss gerannt sei. „Mein Vater riss seinen Karabiner aus dem Schrank, schlug ein volles Magazin ein und sprang auf dem Hof auf sein Dienstmotorrad, eine Horex“, sagt Ortmeier.

Die Rettung 

Aus sicherer Entfernung beobachtet Bodo Ortmeier, wie der flüchtende Volkspolizist um sein Leben schwimmt. Seine Verfolger schießen Salven über den Kopf des jungen Mannes und fordern ihn zur Umkehr auf. „Mein Vater schrie messerscharf zwei Worte: Ich schieße!“, erinnert sich der Albunger. Schlagartig hätten die Verfolger die Schüsse eingestellt. Mit dem völlig durchnässten Volkspolizisten auf dem Sozius sei Ewald Ortmeier zurück in die Polizeistation gekehrt.

Der Dank 

„Die Angst des Flüchtenden muss enorm gewesen sein“, vermutet Bodo Ortmeier. Wie er später erfahren habe, hatte sich der Volkspolizist zuvor mehrere Stunden unterhalb der Burgruine Brandenburg versteckt. „Er stammelte meinem Vater seinen Dank: ,Sie haben mich gerettet’.“ Denn er habe gewusst: Wäre er nicht erschossen worden, hätten ihm viele Jahre Zuchthaus in der DDR gedroht.

Die Recherchen 

„Die Redaktion des ARD-Magazins, Spuren der Ahnen‘ hat nun zu dem Vorfall recherchiert“, sagt Ortmeier. Heute wisse man, dass der Volkspolizist Sigmund Janssen hieß, 19 Jahre alt und bei den kasernierten Volkspolizisten in Gotha (Thüringen) tätig war. Seine Mutter habe in Emden (Niedersachsen) gelebt - „und Janssen wollte zu seiner Familie in den Westen fliehen“, erklärt der Albunger. Später habe Janssen in Holzminden gelebt, zuletzt in München.

„Das Tragische für den Bericht ist, dass Sigmund Janssen im April dieses Jahres verstorben ist“, sagt Ortmeier - 61 Jahre nach seiner Rettung durch Ewald Ortmeier in Herleshausen, seinem Tor zur Freiheit.

Von Emily Spanel

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