Mit Charme und Charakter

Altes Haus, neues Leben: Das Fachwerk der Herleshäuser Familie Manß-Germeroth

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Herleshäuser Hofanlage: Seit 300 Jahren ist das Gebäude im Besitz der Familie. 

Lieber ein Haus herrichten als neu zu bauen ist ein Trend. Wir stellen Häuser und deren Bewohner vor, die in alten Häusern leben, die saniert wurden. Diesmal: Familie Manß-Germeroth in Herleshausen.

Fachwerkhäuser können ziemlich kapriziös sein. Sie fordern Augenmerk, eine kundige Hand und eine enorme Menge an Fachwissen. Kurzum: Fachwerkhäuser sind eine Lebensaufgabe.

Das Ehepaar Karin und Siegfried Manß-Germeroth aus Herleshausen hat sich dieser Aufgabe gern gestellt. Die beiden bewohnen eines der wohl schönsten Gebäude im Bestand des Ortes – über fünf Jahre mit Seele und Sachverstand so herausragend hergerichtet, dass das Ehepaar sogar mit dem Hessischen Denkmalschutzpreis 2014 ausgezeichnet worden ist. Ihre Hofanlage an der Schulstraße, seit 300 Jahren ununterbrochen im Familienbesitz, hat Charakter wie ihre Bewohner. Sie atmet Leben; ist vom Gewölbekeller bis zum Dachboden ein Unikat. Diesen Begriff habe im Übrigen der Sohn der Familie, Elias, treffend geprägt, sagt Karin Germeroth schmunzelnd.

Erhalt des Bestands 

„Oberste Priorität“, sagt die Soziologin, „haben wir bei der Sanierung auf den Erhalt des Bestands gelegt“. Und so verbinden sich im Haus der Familie Manß-Germeroth moderner Wohnkomfort und Historie auf eine einmalig schlüssige Weise. Sieben Tonnen Lehm beispielsweise sind als Innenisolierung in das Haus gebracht worden – in Naturstoff, der in Sachen gesundes Wohnklima nicht zu toppen ist. „Lehm nimmt überschüssige Luftfeuchtigkeit auf und gibt sie nach und nach wieder ab“, führt Siegfried Manß-Germeroth aus. „Dadurch ist die Luftfeuchte im Raum immer perfekt ausbalanciert.“ Behagliche Wärme verbreitet dazu ein Kaminofen, der energieeffizient mit Holz aus dem eigenen Wald befeuert wird.

Einmalig in der Region: die freigelegte, farbenprächtige Deckenmalerei mit historischem Balken.

Erlebenswert aber sind die unzähligen Details, die mit Gespür und Liebe in das Haus eingebracht worden sind und die Geschichte der Familie erzählen: Die alte Holzschwelle etwa, „über die meine Mutter jahrezehntelang den Weg in die Küche genommen hat“, sagt Siegfried Manß-Germeroth. Die handgezogenen Goetheglas-Fenster, aus denen man auf die zugehörige Nebengebäude blickt.

Oder die vom Vater rund um den Kielforst gesammelten Ammonshörner, die während der Sanierungsphase in den noch feuchten Lehm des Treppenhauses gedrückt wurden. Der schöne Befund einer historistischen Deckenbemalung in der Stube wurde sorgfältig freigelegt und restauriert – „ein echter Schatz und einmalig in der Region“, sagt Karin Germeroth.

Mitglied einer Bürgerinitiative

Aufgearbeitet: die Thüringer Podesttreppe.

Neben der familiären Bindung hat sie noch einen weiteren, wissenschaftlichen Hintergund: Als Studentin in den 1970er-Jahren war Karin Germeroth engagiertes Mitglied einer Bürgerinitiative. Dem außerordentlichen Engagement dieser Gruppe, die von der Technischen Universität Darmstadt und dem Landesamt für Denkmalpflege Unterstützung erfuhr, sei es zu verdanken, dass der Abbruch historischer Herleshäuser Gebäude zugunsten einer geplanten Umgehungsstraße verhindert wurde.

Über 40 Jahre Beschäftigung mit dem Erhalt innerörtlicher Bausubstanz also hat Karin Germeroth vorzuweisen. „Innerörtliche Strukturen müssen gepflegt und erhalten werden“, plädiert sie – andernfalls drohe die bittere Konsequenz der Verödung der Ortskerne. „Dabei bietet Herleshausen alles, um sich wohlzufühlen: eine hervorragende Infrastruktur, beste Verkehrsanbindung, ein funktionierendes Vereinsleben – einfach rundherum lebenswert.“

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